Alte Hobbies, neue Pläne

Woche 33: 24.03. - 30.03.

Montagmorgen kamen Helene und ich wieder in Kigali an. Noch im dunklen fuhren wir nach Hause, Helene ging in ihr Bett und ich legte mich auf die Couch, da Noah die letzten Tage und auch in dieser Nacht noch mein Bett belegte. Obwohl die Couch mittlerweile echt nicht mehr gemütlich ist, um dort zu sitzen, ist drauf liegen erstaunlich angenehm. Das beste daran, dort zu schlafen, ist jedoch die Tatsache, dass Megatron und Von Mautzen immer sofort zu einem kommen, um zu kuscheln. Wirklich herzzerreißend, besonders, wenn man so lange weg war. Irgendwann vormittags, vielleicht so um 10 Uhr oder so, standen wir alle jedoch auf, redeten über die letzten Wochen, räumten auf, wuschen Wäsche und verbrachten die Zeit irgendwie. Nachmittags ging es los zu Macoco, um dort auch Helena, Maggi und Laurenz zu begrüßen und sich gegenseitig auf den neuesten Stand zu bringen. Danach ging es wieder nach Hause, am Abend hab ich nicht viel gemacht außer eine Serie zu gucken und früh ins Bett zu gehen.

Der Dienstag benötigt keine genauere Darstellung abseits eines normalen Arbeitstages und auch der Mittwoch blieb abgesehen von einem großen gemeinschaftlichen Kochen abends ohne große Vorkommnisse. Am Donnerstag stand jedoch was Neues auf dem Programm, denn Frank kam in meiner Arbeitsstelle vorbei, um mit mir und meinen engeren Kollegen über meine Situation zu sprechen. Diese halbjährige Beurteilung ist ganz normal und sorgt für eine bessere Zusammenarbeit aller Beteiligten. Bezüglich meines Freiwilligenjahres steht momentan die Möglichkeit im Raum, dass ich demnächst für einen Zeitraum (zwei bis vier Wochen) nach Uganda gehe. Dort befindet sich ein komplett anderes Projekt abseits von meiner Tätigkeit bei ARCOS. So befindet sich in dem Ort Nakivale in der Nähe zu Mbarara ein großes Flüchtlingslager mit über 100.000 Menschen. Diese haben jedoch leider kaum die Möglichkeit, weitergeleitet zu werde, so dass aktuell die Planung ist, dieses Lager zu festigen und qualitativ zu verbessern, so dass mehr oder weniger eine gänzlich neue, eigenständige Stadt entsteht. Ursprünglich war dies sogar mein favorisiertes Projekt, noch vor ARCOS, jedoch ging es letzten Sommer aufgrund diverser Probleme noch nicht. Also gibt es jetzt vielleicht doch noch für mich die Chance, dort zu sein und zu arbeiten. Gucken wir mal, was daraus wird.

Am Freitag stand bei Helene und mir einmal ein großer Hausputz bevor, da wir in den letzten Tagen unter anderem ein Kakerlaken-Problem bekommen haben. Und da wir sowieso dabei waren, diese auszumerzen, haben wir gleich den Rest auch mal gründlich gesäubert. Mit vereinten Kräften, insbesondere von den Katzen als Kakerlaken-Verschlinger, hat der ganze Trubel auch nur wenige Stunden gedauert. Nachmittags kam zudem Frank bei uns vorbei, um sich das Haus anzugucken. Schließlich sind Helene und ich die ersten Mieter:innen in dem Haus von artefact, so dass er sich mal einen Blick machen wollte. Abends bin ich dann zu dem neuen Haus von Maggi und Laurenz gefahren, um mich dort mit ihnen und weiteren Freunden zu treffen.

Am Samstag hab ich erst etwas Sport gemacht, dann etwas gechillt. Abends ging es erneut zu Maggi und Laurenz und anschließend zu einer House-Party. Sehr coole Feier, hat echt Spaß gemacht. Sehr lustig dabei war der Fakt, dass man beim Eintritt einen Gratis-Tequila bekommen hat. Um diesen allerdings ergattern zu dürfen, muss man sich eine „Wertmarke“ an der Kasse abholen. Und das ist wörtlich gemeint, da es tatsächlich Wertmarken wie auf deutschen Schützenfesten waren. Keine Ahnung wo die herkamen, aber sehr lustig jedenfalls. Abseits der Musik haben Laurenz, Noah und ich mit ein paar anderen Leuten ein wenig Fußball gespielt, was auch eine willkommene Abwechslung war.

Der Sonntag hingegen war wieder sehr ruhig, all zu viel gab es nicht zu erzählen, abseits der Tatsache, dass wir abends im Macoco waren. Wie so oft aktuell macht uns der Regen allerdings zeitweise einen Strich durch die Rechnung, so dass wir erst lange warten mussten bis er aufhört, um ein Moto zu bekommen, nur um dann bei Macoco angekommen, erneut warten mussten, bis ein überdachter Tisch frei wird. Schlussendlich hat es jedoch alles geklappt und mit leckerem Essen, African Tea und Kartenspielen ging die Woche nun auch vorbei.

Uganda 2 - Das Klassentreffen

Woche 32: 17.03. - 23.03.

Montagmorgen standen wir früh auf, da wir um 9 Uhr unser Taxibus nach Mbale nehmen wollte. Mittlerweile waren fast alle artefact-Freiwilligen bereits in Kampala eingetroffen, so dass wir mit neun Leuten zum Treffpunkt fuhren. Wir hatten extra unsere Plätze im Voraus gebucht, um keine Probleme zu bekommen. Das hat dahingehend auch geklappt, lediglich fuhren wir nicht wie abgemacht um 9 Uhr los, sondern erst um viertel nach 10. Klar, hier vor Ort gibt es die „african time“, Pünktlichkeit wird anders definiert als in Deutschland. In manchen Bereichen, wie bspw. den großen Reisebussen oder manchen Taxiunternehmen, wie dem, welches wir genommen haben, wird jedoch auf die Minute der Zeitplan eingehalten. Aber gut, ändern konnten wir es eben nicht. Die Fahrt als solche war dann ganz okay. Mittlerweile hat man sich an enge, warme, unbequeme Reisen über mehrere Stunden gewöhnt, dass das ganz normal geworden ist. Um etwa 16 Uhr oder so kamen wir dann auch in Mbale, genauer gesagt bei der Salem Brotherhood an. Diese würde für die nächsten Tage während des Seminars unser Zuhause sein. Die Brotherhood wurde 1981 gegründet, liegt etwas außerhalb von Mbale und ist irgendwie ein Dorf im Dorf. Sehr viele soziale Einrichtungen sind dort vertreten wie u. A. Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser und eben auch einem Guesthouse, in welchem wir einquartiert wurden. Nach der Begrüßung mit Frank, unserem Koordinator von artefact, und der Zimmereinteilung lasen wir etwas aus „Wir Kinder in Bullerbü“ vor, was wir dort in einem Bücherregal gefunden hatten. Es dauerte aber auch nicht mehr lange bis zum Abendessen. Es war sehr angenehm, dass wir zu jeder Mahlzeit bekocht wurden, so wurde uns diesbezüglich Arbeit abgenommen, was bei den Vorbereitungsseminaren in Deutschland noch unsere Aufgabe war. Nach dem Essen saßen wir für ein erstes Gespräch zusammen und füllten einen Fragebogen über die derzeitige Situation bei uns aus. Mittlerweile sind auch die verbliebenen, bislang noch nicht eingetroffen Freiwilligen angekommen, so dass wir nun in unserer vollen Größe von zwölf Leuten plus Frank waren. Anschließend ging es dann auch ins Bett.

Der Dienstag startete mit Frühstück um 8 Uhr. Anschließend kam der Vormittags-Programmpunkt, wir sollten auf großen Postern unserer bisherige Zeit, unseren „Kosmos“ darstellen. Gesagt getan und nach einer Stunde Arbeit oder so stellten wir uns die Sachen gegenseitig vor. Dabei war das erstaunlich interessant, was die anderen so zu berichten hatten. Ich bin eigentlich davon ausgegangen, wie das ja oftmals der Fall ist, wenn viele Vorträge gehalten werden, dass spätestens nach dem Zweiten keiner mehr zuhört, aber irgendwie war es doch faszinierend, zu sehen, wo die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den Leuten liegen. Nachmittags wurden die Präsentationen fortgeführt und gelegentlich mit langen Diskussionen kommentiert. Am Abend ging dann auch nicht mehr so viel.

Am Dienstag kamen dann Nina und Kathi dazu, die das Seminar für die nächsten zwei Tage leiten sollten. Sie hatten selber mal ein Freiwilligenjahr gemacht, leben mittlerweile in Uganda und arbeiten auch in diesem Bereich bzw. führen Seminare durch. An dieser Stelle kann ich aber auch die nächsten Tage etwas abkürzen. Mit vielen Fragestellungen beschäftigten wir uns mit unserer Situation vor Ort, was sind Probleme auf die man trifft (unterschiedliche Arten der Kommunikation, wie reagiert man wenn man andauernd angequatscht wird, wie reagiert man, wenn einem Sachen gegeben werden (zum Beispiel Sitzplätze im Bus), nur weil man Weiß ist usw.), was denken wir über unsere Arbeit, was vermissen wir an Deutschland und und und. Dabei haben wir auch immer sehr kritisch unseren Aufenthalt hier thematisiert, ob es gut oder doch eher schlecht ist, was wir hier machen. Diesbezüglich haben wir am Donnerstag auch noch einen Film gesehen, in welchem Menschen in einigen afrikanischen Ländern interviewed wurden, die mit deutschen Freiwilligen zusammengearbeitet haben und was sie über den Einsatz von diesen denken. Sehr interessant, es zeigt auch ein gewisses Dilemma auf. Dennoch kann man nicht pauschal sagen, ob der Freiwilligendienst Sinn ergibt oder nicht. Es ist sehr situativ. Aber zu sehr will ich auch nicht in dieses Thema hier eintauchen, da es sehr komplex und vielschichtig ist. Am Freitag kam dann noch Judith dazu, die Regionalkoordinatorin aus Uganda. Mit ihr haben wir vor allem über kommunikative und kulturelle Unterschiede zwischen Uganda und Deutschland gesprochen. Nachmittags machten wir zuerst einen Rundgang über das Gelände von Salem Brotherhood und guckten uns diverse Einrichtungen an. Nach einem kurzen Regenschauer fuhren wir nach Mbale zu einer Familie, welche eine Biogasanlage eingerichtet hat. Ich verstehe zwar nicht genau den Sinn dahinter, warum wir uns das angeguckt haben, dennoch war es schön und interessant zu sehen, wie das hier gemacht wird. Dort wurden wir auch sehr freundlich empfangen und uns wurde sogar noch ein großes Abendessen bereitet. Anschließend wollten wir wieder zurück zur Unterkunft, wobei der Vater der Familie uns anbot, uns mit seinem Pick-Up zu fahren. So saßen wir schließlich mit elf Leuten oder so hinten auf der Ladeflächen und fuhren die 20 Minuten zurück. Sehr eng, aber lustig. Auch wenn mancher fast runterfiel und die Bodenwellen, die es überall gibt, manchmal schmerzhafte Stöße verursachten, war es einfach wieder eine klassische Ostafrika-Erfahrung. Wir fragte uns auch, was wohl die anderen Menschen dort denken würden, wenn sie auf einmal ein Dutzend Weiße auf der Ladefläche eines Pick-Ups durch die Nacht in Mbale düsen sahen. Wieder zuhause angekommen wurden noch zwei Runden Werwolf gespielt und bei anschließenden ruhigen Gesprächen wurde der letzte Abend des Seminars in Ruhe beendet.

Am Samstag wurde nicht mehr all zu viel gemacht, kleine Vorträge und Diskussionen waren wieder Teil des Vormittags, zudem führte Frank noch die letzten Einzelgespräche. Diese wurden zwischen ihm und den Freiwilligen in den letzten Tagen parallel zum eigentlichen Programm geführt, um über die derzeitige Situation zu sprechen, auch über Sachen, die nicht unbedingt in der Gruppe besprochen werden sollten. Nach dem Mittagessen machten sich die meisten dann wieder auf den Weg nach Kampala, in dem wir wieder einen der kleinen Taxibusse mieteten. Diesmal dauerte die Fahrt ca. sieben Stunden und da wir mitten im abendlichen Verkehr ankamen, stiegen wir irgendwann aus, um die letzten Kilometer mit dem Boda zu fahren, da sich diese natürlich schön durch die ganzen Autos, Busse und LKWs schlängeln können. Um etwa 21 Uhr waren wir dann in Bahai, der Wohnung von Wiebke und Paul. Lange blieben wir aber nicht da, da wir weiter fuhren zum Kabalagala, um in den Geburtstag eines Freundes reinzufeiern. Während die anderen anschließend weiter in einen Club fuhren, machte ich mich auf den Weg nach Hause, um einmal etwas Ruhe und Schlaf zu bekommen. Non-Stop mit 19-Jährigen Zeit zu verbringen, ist dann irgendwann doch anstrengend.

Auch der Sonntag war ruhig, ich habe lange geschlafen und mit anderen Zuhause gechillt, am Abend ging es noch einmal kurz ins Kabalaga, dann verabschiedeten Helene und ich uns von den anderen und nahmen um 20 Uhr den Bus nach Kigali, um die letzte Etappe der Zwischenseminarswoche zu bewältigen.

Eine lang erwartete Reise

Woche 31: 10.03. - 16.03.

Nach der Arbeit am Montag fuhr ich zuerst zum Nyabugogo Bus Park, um dort Tickets für Mittwoch zu holen. Denn an diesem Tag wollten wir nach Kampala fahren, um erst ein paar Tage in der ugandischen Hauptstadt verbringen, bevor wir dann am Montag nächster Woche nach Mbale an der kenianischen Grenze weiterfahren wollten. Denn dort ist das artefact-Zwischenseminar angesetzt. Diese Zwischenseminare sind Teil des Freiwilligendienstes und werden von allen Entsendeorganisationen durchgeführt. In der Regel gehen diese etwa eine Woche, in welcher man sich mit anderen Freiwilligen trifft und sich über das bisherige Halbjahr austauscht. Was läuft gut, was läuft schlecht oder sonstige Sachen werden dabei thematisiert. Alle artefact-Freiwillige aus Ostafrika (Rwanda, Kenya und Uganda) treffen sich jetzt daher in Mbale. 
Nach dem erfolgreichen Erwerben der Fahrkarten ging es für mich weiter ins Macoco. Diesmal sollten wir mit 13 Leuten da zusammensitzen. Warum die große Anzahl? Mittlerweile wächst die Bevölkerung Kigalis durch den Umzug mehrerer Freiwillige stark an. Maggi, Laurenz und Varun sind nur einige, die aus diversen Gründen ihre Einsatzstellen wechselten und sich nun auch in der rwandischen Hauptstadt befanden. Durch den Besuch von Eva und Maggi gesellten sich zudem noch weitere Menschen dazu, so dass wir mittlerweile des öfteren mal in größeren Gruppen die Zeit verbrachten. Dies führte allerdings auch zu größeren Problemen, genügend Plätze im Macoco für alle zu finden, was jedoch irgendwann dann klappte. Die Freude währte allerdings nicht all zu lange, da es Anfing zu regnen. Die Trockenzeit war wieder zu Ende gegangen, so dass sich momentan vor allem Wolken am Himmel aufhielten. Im Grunde gar nicht mal so schlimm, jedoch teilweise sehr nervig, dass die Wäsche für einige Tage nicht trocknet und bei Regen die Motos nicht fahren. So sitzt man teilweise relativ lange Zuhause oder auf der Arbeit rum und wartet auf besseres Wetter, obwohl man schon längst unterwegs sein wollte.

Am Dienstag wurde abends die Wohnung aufgeräumt und die Taschen gepackt, sonst passierte nicht all zu viel. Am Mittwoch machte ich bereits nach der Mittagspause Schluss, um genügend Zeit zu haben, alle restlichen Aufgaben Zuhause zu erledigen und rechtzeitig zum Bus zu kommen. Das hat größtenteils auch alles gut geklappt, jedoch gab es einen kleinen spontanen Notfall noch, da Von Mautzen am Hintern eine Wunde hatte. Helene fuhr schnell zum Tierarzt, der zum Glück gerade noch Zeit für uns hatte, während ich Zuhause Noah auf alles Wichtige einwies. Er würde die nächsten 1,5 Wochen bei uns wohnen und sich um die Katzen kümmern. Beim Tierarzt wurde Von Mautzen behandelt, all zu schlimm war die Wunde nicht. Jedoch sollte er noch eine Nacht dort verbringen. Helene kam gerade noch rechtzeitig wieder nach Hause und wir fuhren los zum Busbahnhof. Dort angekommen trafen wir auf Luisa, die natürlich auch mit zum artefact-Zwischenseminar kam, sowie auf Sara, Eva und Johnny, drei Freunden aus Kigali, die bis Sonntag nach Kampala mitkommen wollten. Denn obwohl unser Seminar erst am Montag starten würde, wollten wir einige Tage vorher nochmal ein bisschen Kampala erleben. Eigentlich schon zu spät kamen wir am Bus an, der schon losgefahren ist, jedoch noch aufgehalten wurde damit wir einsteigen konnten. Die Fahrt als solche war wieder wenig spektakulär. Etwa zehn Stunden fuhren wir durch die Nacht und kamen im Morgengrauen in der ugandischen Hauptstadt an.

An diesem Donnerstagmorgen ging es erst kurz in ein Café frühstücken, bevor wir in unser gebuchtes AirBnB konnten. Eine echt schöne, große Wohnung, mit kleiner überdachter Terasse, Wohnzimmer und Küche. Und sogar einer kleinen Katze, die uns die nächsten Tage stehts begleiten sollte, solange wir dort Zeit verbrachten. Zuerst wurde etwas Schlaf nachgeholt, so eine Busfahrt ist immerhin nicht vollends entspannend, auch wenn man manchmal schlafen kann, danach ging es in eine Mall, Geld abheben, Sim-Karten kaufen bzw. erneuern. Abends fuhren wir ins Kabalagala. Wie ich bei meinen Berichten über Kampala im November schon beschrieb, ist das quasi das ugandische Macoco. Nach Speis und Trank ging es weiter ins Kick-Off, einem Club. Dort trafen wir auch auf unsere weitern Freunde aus Uganda und feierten schön. Kurz vor Mitternacht ging es dann kurz raus, wir quatschen ein wenig und um 00:00 Uhr wurde dann ein Ständchen gesungen, denn Helene hatte Geburtstag. Eine große Feier wurde es nicht, aber gemeinsame Zeit ist ja meistens einfach das Schönste, was man haben kann. Irgendwann um drei oder so war dann aber auch Feierabend und wir fuhren nach Hause.

Freitag wurde erstmal lange ausgeschlafen. Mittags fuhren wir sechs nach Downtown um dort etwas über den Markt zu schlendern. An dieser Stelle möchte ich auch nochmal die Unterschiede zu Kigali kurz darlegen. Kampala ist in jeder Hinsicht „mehr“. Mehr Menschen, mehr Lautstärke, mehr Dreck, mehr Staub, mehr Verkehr, mehr Müll, mehr Stadt. Im Prinzip sehr viel mehr eine afrikanische Stadt, wie man es sich stereotypisch in Europa vorstellt. Im Verhältnis dazu hat Kigali wirklich einen sehr viel westlicheren Touch, allerdings auch nur auf den ersten Blick. Generell sind die Unterschiede zwischen den Städten bzw Ländern echt interessant und vielschichtig, zu viel, um das jetzt hier kurz zu erläutern. Jedenfalls waren wir auf dem großen City-Market der einfach riesig ist, nicht zu vergleichen mit Kimironko, dem größten Markt in Kigali, der gefühlt vielleicht nur ein Sechstel der Fläche einnimmt. Nach langem rumlaufen, stöbern, essen und einkaufen ging es wieder nach Hause. Es ist einfach doch sehr anstrengend dort zu sein, die heißen, stickigen Temperaturen (in Uganda ist noch keine Regenzeit) helfen da nicht wirklich.
Zuhause nochmal was frisch gemacht, fuhren wir erneut zu Kabalaga um Abendzuessen und unsere Uganda-Freunde zu treffen. Dabei gab es jedoch auch eine unschöne Erfahrung. Im Verhältnis zu Rwanda, in der man stets nur alleine auf einem Moto und mit Helm fährt, sind die Regeln in Uganda lockerer. Helme tragen wenn überhaupt nur manche Fahrer, und oftmals sitzt man zu zweit oder sogar zu dritt hinten drauf. Auf jeden Fall ganz nett, weil man sich so gut unterhalten kann während der Fahrt. So bin ich meistens mit Sara zusammen gefahren und wir haben Non-Stop „Wer bin ich?“ gespielt. Sowas bleibt einem in Rwanda verwehrt. An jenem Freitagabend war es jedoch so, dass Helene, Johnny, Sara und ich beim Restaurant ankamen und auf Luisa und Eva warteten. Nach einem kurzen Blick aufs Handy sahen wir, wie sie schrieben, dass sie einen Unfall hatten. Nach kurzer Zeit kamen sie dann an, netterweise von einem freundlichen Autofahrer mitgenommen. Sie stiegen mit blutigen Armen, Beinen und Bäuchen aus, Tränen in den Augen. Zum Glück war direkt neben Kabalagala direkt eine Apotheke, in denen wir uns die benötigten Sachen für eine Behandlung holen konnten. Helene und Sara haben Erfahrung als Sanitäterinnen und konnten die Wundern versorgen. Währenddessen erzählten die beiden, was vorgefallen war: Während der Fahrt kam von hinten ein weiteres Boda (so heißen die Motorradtaxen in Uganda) angerast. Der Fahrer schnappte sich über die Schulter gehängte Handtasche von Eva und durch den Ruck kippten sie um und rutschen über die Straße. Dabei hatten sie aber auch Glück im Unglück. Zum einen waren sie selber sehr langsam unterwegs, zum anderen war hinter ihnen kein weitere Verkehr. Wären da ein paar Autos gewesen, hätte das die Sache sehr schnell verschlimmert. Die Wunden sahen fies aus, brannten und bluteten natürlich auch schlimm, doch wenigstens waren das nur oberflächige Wunden, so dass keine wirklich schlimmen Verletzungen verursacht wurden. So setzten wir uns in Restaurant, aßen und tranken was. Der ursprüngliche Plan, feiern zu gehen, fiel jedoch verständlicherweise ins Wasser. So ging es anschließend also wieder nach Hause.

Auch der Samstag startete langsam. Ursprünglich war der Plan, an diesem Tag in einen Wasserpark zu gehen. Die Ereignisse des Vorabends legten dem zuerst einen Riegel vor. Nach langem Hin und Her entschieden wir uns dann, dass Helene, Johnny und ich dennoch dorthin fuhren, während die anderen zuhause blieben und sich ausruhten. Alleine der Weg zum Aquapark war da wieder einfach lustig. Es war irgendwie absolut normal, man hat es gar nicht in Frage gestellt, aber als wir eine Sekunde drüber nachdachten, wurde uns auch wieder die Absurdität bewusst. So saßen wir schlussendlich zu dritt auf einem Boda plus Fahrer, zusammengequetscht wie in einer Sardinenbüchse, mit kurzer Hose und Flip Flops und fuhren auf der Stadtautobahn. Mit schätzungsweise 80 Km/h düsten wir über den Asphalt und wurden gelegentlich von Autos und LKWs überholt. Die Chance, irgendwie runter zu fallen und dann richtig krass verletzt zu werden, war zwar die ganze Zeit da und auch in unseren Köpfen, passiert ist in dieser Hinsicht jedoch nichts. Irgendwann bekam das Boda jedoch einen Platten, so dass wir am Standstreifen strandeten. Warten mussten wir aber nicht lange, nach wenigen Augenblicken kamen die nächsten Bodas, mit denen wir unserer Reise fortsetzten.
Am Wasserpark angekommen freuten wir uns riesig über die Rutschen, Bäder und allem, was dazu gehört. Der Laden war nicht übermäßig groß, doch manchmal ist einfach schön, in einen Hauch Europa wortwörtlich eintauchen zu können. Wir verbrachten den ganzen Nachmittag dort und fuhren um 18:00 bei Ladenschluss wieder nach Hause, diesmal ohne platte Reifen. Dort verbrachten wir aber nicht viel Zeit, da wir abends noch Sushi essen gehen wollten, was mal wieder wie schon im November einfach göttlich geschmeckt hat. Helene ging anschließend noch was feiern mit unseren Uganda-Freunden, wir anderen fünf folgten den Rufen unserer Betten.

Am Sonntag mussten wir schon was früher aufstehen, um die Wohnung aufzuräumen, Taschen zu packen und um 10 Uhr raus zu sein. Für uns ging es dann in die Wohnung von Wiebke und Paul, um die Sachen abzulegen. Der Tag als solcher war sehr ruhig, wir spielten stundenlang „Wer bin ich?“ und als es abends wurde, stand nochmal Kabalagala auf dem Programm. Dort verabschiedeten sich dann auch Sara, Eva und Johnny nach Kigali. Ansonsten passierte nicht mehr viel. All zu spät ging ich auch nicht ins Bett, da am Montag schon früh der Bus nach Mbale abfahren sollte, unserem Domizil für die nächste Woche.

Ja, ich will (nach Kibuye)

Woche 30: 03.03. - 09.03.

Wie so oft startete die Woche ruhig, dennoch hatte ich mich sehr auf diesen Montag gefreut. Warum das? Ganz einfach, es war Rosenmontag. Mit anderen Worten: D’r Zoch kütt! Nach langer Zeit eollte ich nun endlich nochmal den Kölner Rosenmontagszug im WDR zu gucken. In den letzten Jahren habe ich diesen direkt vor Ort verfolgt, doch die stundenlange Begleitung im Fernsehen hat eine eigene Magie, die ich endlich nochmal erleben wollte. Zum einen hat man einen super Überblick über alle Wagen und Fußgruppen, zum anderen lernt man unglaublich viel. Es ist wirklich erstaunlich, wie komplex die ganzen Karnevalsgesellschaften und -vereine sind, wie viel Historie da in jeden einzelnen steckt. Im Prinzip ist das wie eine 5-stündige Doku. Wirklich empfehlenswert, besonders für die, die denken, Karneval heißt einfach sich in billigen Kostümen zu besaufen. Abgesehen davon hat es auch etwas nostalgisches für mich, den Zug in Köln zu gucken, da ich das früher immer gerne mit meiner Oma gemacht habe, bevor es bei uns im Dorf zum Zug ging. Schöne Erinnerungen an damals. Jedenfalls bestand mein Arbeitstag besonders dadurch, dennoch hab ich zwischendurch gearbeitet, oftmals kann man das auch einfach im Hintergrund laufen lassen.
Abends kamen noch Maggi, Luisa und Noah vorbei, um gemeinsam Pfannkuchen zu essen. Helene war da schon nicht mehr dabei, da sie nach Muhanga zu Kathi fuhr, um sie dort für einige Tage zu besuchen. Ich hatte also sturmfrei, der 15-jährige Leo wäre allerdings enttäuscht darüber, wie wenig ich das ausgenutzt habe.

Der Dienstag wiederum war dann wirklich etwas ruhiger, mit Ausnahme der Tatsache, dass Megatron einen kleinen Vogel fing, diesen ins Haus schleppte, um ihn dann dort zu rupfen und zu verspeisen. Mein ganzes Zimmer war also voller Federn und Blut.

Auch am Mittwoch gab es nichts Nennenswertes zu berichten, abends ging es ins Macoco mit den üblichen Verdächtigen. Am Donnerstag hingegen gab es nach einem recht normalen Arbeitstag Grund zur Freude, denn abends war endlich mal wieder Pen & Paper angesagt. Wie bereits erwähnt ist Evas Vater, Bruder und dessen Freundin zu Besuch, und gerade ihr Vater ist seit Jahrzehnten großer Rollenspiel-Freund, so dass wir uns zusammengesetzt und eine Runde Cthulhu gespielt haben. Einfach schön, es ist das spaßigste Hobby der Welt. Es ging auch etwas länger, so dass ich erst um halb eins im Bett war. Zwei Stunden später hieß es allerdings auch schon wieder aufstehen, da ich Maggi zum Flughafen begleiten wollte. Um kurz nach drei sollte ihr Bruder mit seiner Freundin ankommen. Trotz etwas Wartezeit hat auch alles geklappt und ich freue mich, wieder mehr Leute in meinem Alter hier zu haben, wenn auch nur temporär. Darüberhinaus kommen sie aus Köln, noch ein Grund mehr zur Freude. Dann ging es aber auch wieder nach Hause, noch etwa 2 Stunden weiter schlafen, denn am Freitag hieß es wiederum früh aufstehen.

Genauer gesagt stand ich um viertel nach sieben auf, um noch schnell meine Tasche zu packen und die Wohnung aufzuräumen, da ein Kurztrip nach Kibuye an den Lake Kivu geplant war. Ich fuhr zu Helena, wo schon Laurenz, Enja und Noah warteten. Es war wirklich schönes, sonniges Wetter, nicht zu heiß aber angenehm warm. So warteten wir noch zusammen etwas länger auf unser Auto, das wir gemietet hatten und welches zu uns gebracht wurde. Mit ca. 1,5 Stunden Verspätung (African Time..) kam es schließlich an, wir packten unsere Rucksäcke rein und fuhren los. Erst noch kurz zu La Galette, ein paar belegte Baguettes und Snacks für den Weg holen, dann aber wurde die Straße Richtung Westen gesucht. Unser Auto war, wie in Rwanda üblich, natürlich ein Toyota. Ein RAV4 um genau zu sein, also ein mittelgroßer Geländewagen. Je nach Straßenverhältnissen ist so ein Allrad-Fahrzeug auch sehr praktisch. Nach knappen zwei Stunden Fahrt sind wir in Muhanga angekommen, um einen kurzen Zwischenstopp bei Kathi zu machen. Zufälligerweise war auch Helene dort, da sie die Woche ja da verbrachte. Kathi wohnt zusammen mit einigen Ordensschwestern und auf dem großen Grundstück werden auch Tiere gehalten, insbesondere Kühe, Schweine, Hühner und Kaninchen. Selbstverständlich haben wir diese der Reihe nach besucht und gestreichelt. Gerade bei den Kühen war die Haltungsform aber auch sehr krass. Die insgesamt drei Kühe wurden jeweils in kleinen Boxen gehalten, die gerademal so groß waren, dass sie sich auf der Stelle drehen können. Herausgelassen werden diese wohl nie, wie Kathi erzählte. Anhand der Verhaltensweise der Kühe wie ständigem Kopfschütteln konnte man auch realisieren, wie es den Tieren wohl ging. Weitaus besser lebten allerdings die Kaninchen und Meerschweinchen, welche in einer großen Hütte lebten. Dutzende Tiere liefen dort rum, sowohl Ausgewachsene als auch ganz kleine, die halb so groß waren wie meine Hand. Sehr süß. So überlegten auch einige von uns, welche zu kaufen und mitzunehmen. Schlussendlich wurde das aber gelassen. Nach einer knappen Stunde ging es für uns auch weiter. Wir fuhren weiter nach Westen, bestaunten diese unglaublich schönen Aussichten und machten nach einer kurzen Fahrt auch eine Picknickpause. Wir aßen die am Morgen gekauften Baguettes und ein paar Äpfel, doch es dauerte nicht lange, bis einige Menschen sich neben uns stellten. Sie sagten zwar doch nichts, doch es war klar, dass sie etwas zu Essen haben wollten. Es war mal wieder eine dieser sehr unschönen Situationen in denen man sich schlecht fühlt. Wie aßen schnell auf, gaben dann allerdings noch die verbliebenen zwei Äpfel an die umstehenden Locals, einer Frau und drei Kindern.
Wir fuhren weiter und nach zwei Stunden kam dann der Lake Kivu in Sicht. Die ganze Unternehmung war sehr spontan und auch unsere Übernachtungsmöglichkeit für die kommende Nacht sollte erst noch gefunden werden. Aus diesem Grund telefonierte Enja 15 Minuten mit einem Kontakt, den wir bekommen haben, jedoch erfolglos. Alles was wir wollten war irgendein einfacher Raum mit fünf Matratzen darin, da wir eh nur zum Schlafen da sein wollten. Irgendwie war das jedoch nur ein ewiges Aneinandervorbeireden, also sahen wir uns anders um. Über einen weiteren Kontakt haben wir schließlich für wenig Geld ein Haus gefunden. Dieses Stand oben auf einem Hügel, und die sehr steile Erdpiste war selbst für unseren Geländewagen ein Kraftakt. Schlussendlich kamen wir jedoch oben und bei dem Haus an und leckomio war das mal ein tolles Ding. Zum einen hatte man einen unfassbar schönen Blick über den Lake Kivu, zum anderen war das Haus als solches einfach perfekt. Absolut modern, groß, offen, weitläufig, mit großem Balkon, Hängematte, Grill, mehreren Betten, Couches, großer Küche samt Kücheninsel und Siebträgermaschine und und und. Wirklich ein heftiges Teil. Und die wohl beste Wohnung für eine Hausparty, die ich jemals gesehen habe. Das Haus schrie förmlich nach „Project X“ (Wer das nicht kennt, ein sehr interessanter Film über eine amerikanische Hausparty die ggf. etwas aus dem Ruder läuft). So verbrachten wir erstmal eine Stunde damit, auf dieses Haus klar zukommen und das gute Wetter auf dem Balkon zu genießen, doch dann machten wir uns etwas an die restliche Tagesplanung. Es war mittlerweile etwa 17 Uhr. Ursprünglich war unser Plan, in das nahegelegene Rubengera zu fahren, um dort unsere beiden Freundinnen Anni und Solvej zu besuchen. Wir waren jedoch so verliebt in unsere Wohnung und wollten nicht eine Stunde Hin- und Zurückfahren um die beiden zu besuchen, dass wir die beiden zu uns eingeladen haben. Zuerst gingen wir noch kurz in eine Strandbar am Lake Kivu, dann haben wir zu uns nach Hause Essen bestellt. Danach wurde noch viel gequatscht und etwas Phase 10 gespielt (ich hab natürlich gewonnen) und dann ging es etwa um Mitternacht ins Bett. Da Anni und Solvej auch die Nacht bei uns verbrachten, waren die beiden Doppelbetten von den Mädels belegt, Noah und Laurenz schliefen auf den Schlafcouches und ich nahm mir die Hängematte, um draußen auf dem Balkon zu schlafen. Das war auch echt gemütlich, mitten in der Nacht wurde es nur ziemlich kalt. Das nächste mal hole ich einen Pulli und Socken mit. 
Am Morgen war es jedoch sehr schön mit den warmen Sonnenstrahlen aufzuwachen. Um zehn Uhr ging es dann weiter in ein Restaurant frühstücken. Ursprünglich war der Plan gewesen, noch etwas in oder auf den Lake Kivu zu gehen, das Wetter war jedoch im Gegensatz zum Vortag sehr bewölkt, teilweise sogar stürmisch. Unser anderer Plan, die Wohnung von Anni und Solvej zu besuchen, schlug auch fehl. Die beiden waren im Stress, da noch Besuch am Abend kommen sollte und wir anderen fünf waren irgendwie müde. Also fuhren wir um ca. halb zwei los, um abends wieder in Kigali zu sein. Während der Fahrt klärte der Himmel auch auf und mit guter Laune, lauter Musik sowie der, ja ich weiß ich wiederhole mich, atemberaubenden Aussicht war die Fahrt auch diesmal einfach sehr schön und ohne Probleme. Dachten wir jedenfalls. Gerade als wir Muhanga wieder erreichten kam auf einmal ein klackerndes Geräusch vom Reifen hinten rechts. Es hörte sich zwar an wie ein Platten, am Fahrgefühl änderte sich jedoch nichts. Wir stoppten, sahen uns das alles kurz an, aber konnten wenig überraschend nichts entdecken. Zum Glück waren wir aber ja in Muhanga und nur wenige hundert Meter weiter fanden wir eine Werkstatt. Die Kollegen dort nahmen sich unserer auch schnell an, demontierten den Reifen und fanden eine gebrochene „Unterlegscheibe“ oder sowas, ich habe ja keine Ahnung davon. Das wurde schnell ausgetauscht, der Reifen wieder montiert und für wenig Geld konnten wir nach einer ungewollten dreiviertelstündigen Unterbrechung weiterfahren. Ein wenig Abenteuer hat ja noch nie geschadet. Auch auf dem restlichen Weg nach Kigali passierte nicht mehr viel, nur dass Helena als Fahrerin in eine der vielen Blitzer raste. Mal sehen, was da noch auf uns zu kommt. Wir brachten das Auto weg und fuhren anschließend ins Macoco, wo Maggi mit ihrem Bruder und seiner Freundin sowie Helene, die am Freitagabend wieder nach Kigali fuhr, bereits warteten. Ich wurde aber nicht mehr sonderlich alt, bestellte mir lediglich einen Tee bevor ich nach Hause fuhr, denn der Sonntag war auch nochmal verplant.

Am letzten Tag der Woche stand ich schon um acht Uhr auf und begann den Morgen mit einer ebenfalls früh aufgestandenen Helene und den beiden Katzen im Wohnzimmer, während die Sonne bei uns schön rein schien. Da wir unsere Wohnung mit zwei großen Flügeltüren versehen ist, sind diese bei gutem Wetter fast immer offen um die Wärme und frische Luft ins Haus zu lassen. Sehr schön und angenehm. Um 10 Uhr ging es dann aber los für mich, denn ich war auf eine rwandische Hochzeit eingeladen. Passenderweise habe ich mir für Weihnachten ja Hemd, Hose und Weste mit Akzenten aus Gitenge-Stoff (dieser typische afrikanische Stoff mit den farbenfrohen Mustern) schneidern lassen, welche auch jetzt wieder sehr praktisch waren. Ich schmiss mich also in Schale und fuhr los zur Location. Dort traf ich auf Khamis, meinen Kumpel aus Tanzania, den ich bereits in der Vorwoche getroffen hatte. Über ihn wurde ich auch zur Hochzeit eingeladen. Dort angekommen nahm er mich direkt mit ins Festzelt, einem wirklich riesigen, länglichen Zelt. Dieses war sehr geschmackvoll eingerichtet, mit sehr viel weißen, beigen und grünen Farbtönen. Links und rechts befanden sich unzählige Tische und Stühle, eine Seite für die Familie der Braut, die andere für die Familie des Bräutigams. In der Mitte war eine kleine Bühne mit wenigen Stühlen, auf denen das Brautpaar sowie die beiden Trauzeugen später Platz nehmen sollten. Zudem fand sich in der Mitte und vor der Bühne noch eine große Pergola, in welcher das ganze Programm stattfand. Auf jeweils einer Seite der Pergola standen längliche Tische, an denen diverse ältere Männer der beiden Familien saßen. Diese hielten mehrere Reden, zudem diskutierten sie auch über den Brautpreis. Denn wie traditionell üblich, muss der Bräutigam für seine Frau bezahlen. Die Höhe des Preises wird dann eben von den Herren diskutiert. Schließlich einigten sie sich auf drei Kühe, wobei diese eher metaphorisch gemeint sind, soweit mir das erklärt wurde. In ländlichen Gebieten, in denen fast jeder in der Landwirtschaft tätig ist, können das auch durchweg noch Kühe sein, in städtischen Gebieten wird dann eher der Geldwert von den, in diesem Falle drei, Kühen genommen. Als das beschlossen wurde, wurde der Familie der Braut der Bräutigam vorgeführt, damit diese sich einen Blick vom zukünftigen Gemahl machen konnten. Dabei war es allerdings auch wieder rein Fassade, die ganze Familie kannte ihn schon, es war lediglich einfach Teil der traditionellen Prozedur einer rwandischen Hochzeit. Anschließend gaben ein paar Tänzerinnen traditionelle Tänze zum besten, während zwei oder drei Frauen ein paar Lieder sangen. Und das war wirklich unglaublich schön mit anzusehen und erst recht mit anzuhören. Generell war ich während des ganzen Programms, das etwa zwei Stunden ging, sehr begeistert und verfolgte alles aufmerksam, obwohl alles in Kinyarwanda war. Zwar wurde mir immer gesagt, was in etwa stattfand, den genauen Wortlauten konnte ich jedoch nicht folgen. Nichtsdestotrotz war es unglaublich schön dem beizuwohnen. Nach diesem Teil der Hochzeit wurde kurz Mittag gegessen (typische randische Küche, lecker, aber nichts besonderes mehr), dann ging es für die ganze Gesellschaft, welche nebenbei etwa 400 Menschen umfasste, in die Kirche. Für Khamis und mich jedoch nicht, da wir noch zwei Freunde von ihm trafen, da sich die drei lange nicht mehr gesehen haben. Wir kapselten uns also ca. 2 Stunden ab, dann trafen wir etwa zeitgleich mit der Hochzeitsgesellschaft wieder bei dem Zelt ein. Draußen wurden noch viele Fotos gemacht, dann ging es als es langsam dunkel wurde wieder in das Zelt. Dort gab es noch weitere Reden, einen kleinen Sketch von Bräutigam und seinem Trauzeugen zur Hochzeitstortenanschneidung. Dann gab es auch etwas zu Essen, ähnlich wie am Mittag. Während des Tages habe ich mich vor allem mit zwei älteren Ehepaaren angefreundet, wir haben uns viel ausgetauscht über Deutschland und Rwanda, außerdem erklärten sie mir viele Sachen bezüglich der Hochzeit. Nach dem Essen ging eigentlich die große Party los mit viel Tanzerei. Darauf hab ich gewartet und hatte große Lust mit in die Meute auf die Tanzfläche zu gehen, doch leider habe ich während des Abends immense Kopfschmerzen bekommen. Ich habe lange überlegt, mich schlussendlich aber doch dafür entschieden, nach Hause zu fahren, es hat einfach keinen Sinn ergeben. Sehr schade, aber die nächste Hochzeit kommt bestimmt. Zuhause angekommen, es war etwa 21 Uhr, bin ich auch ohne große Umwege direkt ins Bett gegangen, um für die neue Woche fit zu sein.

 


Kleine Anmerkung: Nächste Woche werde ich aufgrund eines Zwischenseminars wieder in Uganda sein, der Wochenbericht wird daher auf übernächste Woche verschoben. Also nicht wundern, dass nichts kommt.

Colonia Tropical

Woche 29: 25.02. - 02.03.

Fangen wie diese Woche mal am Mittwoch an. Nach einem ganz normalen Arbeitstag ging es für mich abends ins Macoco um mich dort mit einem Freund aus Tanzania zu treffen. Khamis kommt aus Bukoba am Victoriasee und ich kenne ihn über meine Cousine Rebecca, die dort vor zehn Jahren ebenfalls einen Freiwilligendienst gemacht hat. Wir haben schon seit Monaten versucht, das Treffen zu arrangieren, aber irgendwas ist ja immer. Umso schöner, sich endlich getroffen und gequatscht zu haben.

Am Donnerstag stand dann wieder das halbjährliche Staff-Meeting von ARCOS an. Wie sich manche vielleicht noch erinnern, war das letzte Staff-Meeting im August mein erster Tag bei ARCOS und war daher für mich ein Tag der Superlative, über 200 Kolleg:innen kennen zu lernen und mich dutzende Male vorzustellen. Wie auch damals standen diesmal wieder viele Vorträge und Präsentationen an, die zu großen Teilen in Kinyarwanda gehalten wurden. So viele habe ich jedoch nicht davon angehört, weil ich für einige Stunden mit Helene sowie Von Mautzen und Megatron bei einem Angebot einer Hilforganisation war, Haustiere impfen und kastrieren zu lassen. Gerade Letzteres hatte Megatron ja bekanntlich schon hinter sich, jedoch musste Von Mautzen noch unters Messer. Dazu gab es noch ein paar notwendige Impfungen und die beiden haben nun ein sorgenfreieres Leben vor sich. Nach dieser Zwischenaktion ging es für mich wieder zum Staff-Meeting. Als dieses um etwa 18 Uhr zu Ende war, bin ich noch in die Stadt gegangen, um ein paar Besorgungen für Samstag zu holen, denn dort wollten wir Karneval feiern. Schon am Donnerstag, besser gesagt Weiberfastnacht, hingen meine Gedanken zu großen Teilen an der fünften Jahreszeit, auch aufgrund von Bildern und Nachrichten von Freunden. Umso wichtiger war es für mich, das dann auch in der anderen Stadt mit K zu feiern. Aber dazu mehr am Samstag.

Freitag war ebenfalls wieder Staff-Meeting angesetzt mit ähnlichen Sachen wie am Vortag, für mich also schon sehr langweilig. Zum Glück ging es allerdings nur bis mittags, so dass ich um 14 Uhr wieder zuhause war. Dort wurden schon mal einige Vorbereitungen für Samstag getroffen. Abends wollte ich dann mit Varun zu einem Salsa-Abend, der jedoch nie so richtig starten wollte. Klar, „African Time“ ist immer so ‘ne Sache, aber als der Abend, der planmäßig um 19 Uhr starten sollte, selbst um 22 Uhr noch nicht anfing, hatten wir schließlich auch keine Lust mehr. Bis dahin haben wir uns die Zeit in anderen Bars vertrieben und etwas Live Music gehört, was auch ganz schön war, aber irgendwie waren wir dann doch auch sehr müde. Insbesondere, da der Samstag bekanntermaßen voll werden sollte.

Ich schlief erstmal ein wenig aus, dann machte ich mich jedoch ans Schmücken, denn Karneval sollte bei Helene und mir gefeiert werden. Also Luftballons aufblasen, Girlanden aufhängen, Bier besorgen und generell mal etwas vorbereiten. So um 16 Uhr trudelten die ersten Gäste ein und bei kühlem Getränk und kölscher Musik kam auch schnell gute Stimmung auf. Sehr schön war vor allem zu sehen, wie kreativ und vielseitig sich alle verkleidet haben, insbesondere aufgrund der doch dürftigen Situation, immerhin kann man hier nicht einfach in den nächsten Deiters laufen. So feierten, sangen und tanzten schließlich Kleopatra, Piratin, Leopard, Freddie Mercury und viele weitere zusammen. Für einige war es ganz normal, andere hatten jedoch zum ersten Mal Kontakt mit Karneval auf kölsche Art, doch ich würde mal schätzen, dass alle auf ihre Kosten gekommen sind. Weil es ja auch relativ früh anfing, sind die letzten dann auch um Mitternacht bereits gegangen. Sehr süß nebenbei auch, wie Helene für beide Katzen kleine Hüte gehäkelt hat, Von Mautzen hat auch ne kleine Krawatte bekommen. Immerhin ist auch für die beiden Karneval angesagt gewesen.
Um es nochmal zu sagen, es war wirklich schön, die Tage vorher habe ich Karneval schmerzlichst vermisst. Das jetzt hier zu feiern, war einfach toll.

Der Sonntag war wie man ihn sich vorstellen kann. Ausgeschlafen, aufgeräumt und sauber gemacht, noch was weiter geschlafen, und dann war auch schon wieder Abend. Helene und ich haben dann allerdings noch den Schrank unter der Spüle gründlich sauber gemacht, da sich dort eine Kakerlaken-Familie breit gemacht hat. Insbesondere mit der Hilfe von den beiden Katzen konnten wir das aber auch in Griff bekommen. So ging der ruhige Sonntag dann auch irgendwann zu Ende.

(B)laue Kopfschmerzen

Woche 28: 17.02. - 23.02.

Am Montag ging es abends ins Macoco. Immerhin ist das eigentlich immer die erste Pflichtveranstaltung für jeden Besuch, zum einen, um unser Stammlokal zu zeigen, zum anderen, um alle Freunde kennen zulernen. Daher ging es auch für Helenes frisch angekommenen Vater zu diesem Programmpunkt. 
Auch die Tage danach bestanden bezüglich der Abendgestaltung daraus, diverse Lokale auszutesten und wie gewohnt viel zu quatschen, Karten zu spielen und einfach Zeit miteinander zu verbringen. 
So auch am Donnerstag, als wir mal wieder im Envision Café waren. Dort ist jeden Donnerstag Live Musik und ab und zu gehen wir daher mal dahin. Wir waren diesmal jedoch eine sehr große Gruppe, da auch Eva Besuch von ihrer Familie bekommen hat. Also wurden mehrere Tische aneinandergestellt, um uns genügend Platz zu bieten. Wir haben auch dort Essen bestellt und an dieser Stelle möchte ich über eine Thematik reden, die ich bisher noch (glaube ich?) nicht angesprochen habe: die Wartezeit in Restaurants. Generell wartet man sehr lange nachdem man bestellt hat, Zeiten unter einer Stunde sind eher die Seltenheit. Je größer die Gruppe, desto länger dauert es auch. Dabei ist auch die Zeit zwischen dem ersten und dem letzten gebrachten Essen ebenfalls gerne man sehr lange, so dass manche Leute bereits aufgegessen haben, während andere noch warten. Im Regelfall ist das auch kein großes Problem, man hat sich dran gewöhnt und verbringt die Zeit nunmal mit Karten und Gesprächen, aber manchmal ist das dann doch etwas übertrieben, so auch an diesem Donnerstag. So mussten Noah und Enja tatsächlich fast zwei Stunden und 40 Minuten warten, bis das Essen kam. Den Unmut von den beiden konnte ich absolut nachvollziehen. Ich war zu´dem Zeitpunkt bereits seit über einer Stunde fertig mit dem Essen.

Der Freitag war auch etwas ruhiger. Helene und ihr Vater haben sich ein Auto gemietet und wollten bis Samstagabend etwas durch Rwanda düsen. Für mich ging es Abend zu Varuns neuer Bude, da er jetzt wie viele andere auch nach Kigali gezogen ist. Dort kamen dann auch noch andere Leute wie Maggi, Helena, Enja, Laurenz und Noah dazu. Einige Möbel haben noch gefehlt, so dass wir die meiste Zeit auf dem Boden saßen. Wir haben etwas gekocht, gequatscht und Karten gespielt und haben anschließend noch eine neue Bar ausprobiert. An dem Abend fing bei mir tatsächlich auch schon ein ganz komisches Gefühl von Unwohlsein an, was die nächsten Tage noch stärker werden sollte.

So auch am Samstag. Eine Mischung aus Kopfschmerzen, Schwindelgefühl und aufgewühlter Nacht hat mich fast den ganzen Tag außer Gefecht gesetzt, so dass ich größtenteils versucht habe zu schlafen. Wirklich ein wierdes Gefühl, dass ich so noch nie hatte. Generell ist Schwindel bei mir nie ein Problem, weshalb ich echt keinen Schimmer habe, was da mit mir los war. Aber nun gut. Abends hab ich mich jedoch nochmal aufgerafft um zum Macoco zu fahren, da Maggi  in der Nacht nach Tanzania zu ihrem Zwischenseminar fahren wollte. Ich hab dort einen Obstsalat bestellt, weil ich ein wenig auf die Vitamine gepokert habe, doch nach kurzer Zeit bin ich doch wieder nach Hause.

Auch der Sonntag war ähnlich, wenn auch schon etwas besser. Nachmittags ging es mit einigen Freunden zu Enja, da wir dort die Bundestagswahl verfolgen sollten. Wir trafen uns schon so um 15 Uhr und bereiteten uns auf das vor, was kommen sollte. Aufgrund der vergangenen Wochen war unser aller Glauben an ein gutes Ergebnis nicht sonderlich hoch, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Schlussendlich waren wir dennoch enttäuscht. Wir haben noch Pizza bestellt aber ich bin dennoch schon wieder früh nach Hause und ins Bett, wirklich gut ging es mir trotzdem noch nicht. Ob das Wahlergebnis damit zu hat? Ich will es nicht ausschließen.

So ging auch diese Woche zu Ende, die vor allem durch Restaurants, Kartenspielen, Kopfschmerzen und der blau-schwarzen Welle im politischen Deutschland geprägt worden ist. Mal sehen, was die nächste Woche so bringt.

Das halbe Dutzend ist voll

Woche 27: 10.01. - 16.02.

Auch diese Woche startete ohne große Vorkommnisse, die Arbeit nahm ihren gemächlichen Lauf und auch danach stand nicht viel an. Mittwoch gab es jedoch Grund zur Freude, da Mutti wieder ein kleines Paket mit lauter Kostbarkeiten, unter anderem Senf, Balsamico-Essig und Spielwürfel, geschickt hat und ich es bei der Post abholen konnte. Insbesondere die Diversität an Kochzutaten erfreute auch Helene immens. Donnerstag hab ich noch ein lang ersehntes Telefonat mit ein paar Freunden aus Deutschland geführt, ansonsten starteten die spannendsten Sachen diese Woche am Freitag. Nachdem ich den Tag zwar auch sehr gemütlich habe angehen lassen, haben wir uns mit einer größeren Gruppe bei Maggi getroffen, um dort zusammen zu Kochen und einfach die Zeit bei einem Glas Wein zu verbringen. Diese Woche war zudem die Freundin von Laurenz dabei, so dass wir etwa zehn Leute an dem Abend waren.

Am Samstag standen verschiedene Punkte auf dem Programm. Mittags ging es erstmal ins Macoco, um dort den Geburtstag von Chrispin, einem unserer engsten local Freunde, zu feiern. Anschließend fuhren Luisa, Helene und ich ins Sole Luna, einem Italiener, um uns selbst zu zelebrieren, denn tatsächlich war unsere Zeit hier mittlerweile zur Hälfte vorbei. Genau vor sechs Monaten, am 15. August, setzten wir das erste mal einen Fuß in dieses wundervolle Land. Ich habe in diesem halben Jahr so unglaublich viel erlebt und kennengelernt, von Menschen über Orte über Essen über Musik zu unglaublich vielen tollen Geschichten. Man könnte wirklich ein Buch darüber schreiben, aber immerhin mache ich das ja im Prinzip in einer sehr abgespeckten Version in diesem Blog. Auch wenn die Floskel abgedroschen ist, aber es ist wirklich erschreckend, wie schnell die Zeit hier bisher vergegangen ist. Vermutlich liegt es an diesem Zusammenspiel zwischen dem ganz normalen Leben das wir hier haben einerseits und den doch immer wieder auftauchenden neuen Erfahrungen andererseits. Es fühlt sich irgendwie genauso an wie ein Alltag in Deutschland, aber irgendwie doch ganz anders. Es ist schwer, das in Worte zu fassen. Vielleicht kriege ich das zu einem späteren Zeitpunkt hin. Was mich an dieser Sache tatsächlich ein wenig traurig stimmt, ist der Fakt, dass ich mittlerweile länger hier war als ich es noch sein werde. Klar, es sind immer noch sechs weitere Monate, aber man hört trotzdem schon die Uhr ticken. Zu Beginn war das Gefühl noch ein ganz anderes. Man ist hier hingekommen, alles war unfassbar neu und viel und man wusste, man hat noch ein ganzes Jahr, um so vieles zu entdecken und die Zeit zu genießen. Doch ehe man sich versah, ist dieses Jahr jetzt schon zur Hälfte geschrumpft. Und ich denke mal, dass es nur schneller und schneller werden wird, je näher das Ende kommt. Insbesondere, da in den nächsten Monaten soviel noch ansteht. Neue Projekte auf der Arbeit, geplante Urlaube, haufenweise Besuche in der Freundesgruppe und vieles mehr. Wenn ich bedenke, was ich bisher alles so erlebt habe, freue ich mich riesig auf die noch kommenden Wochen. Auch wenn die immer weniger werden.
Aber zurück zum Italiener, der ist zwar für etwas höheres Budget angesehen, aber all zu oft werde ich „Halbjähriges in Rwanda“ wohl nicht mehr in meinem Leben feiern, da ist das dann auch okay. Das Restaurant wird auch von einem Italiener in der Küche geleitet, der vor über 20 Jahren nach Rwanda auswanderte. Insofern hatte ich Hoffnung, meine monatelange Suche nach einer richtigen Carbonara an diesem Tag endlich beenden zu können. Nachdem ich, wie der geneigte Blog-Leser weiß, schon in diversen Ländern, Städten und Restaurants auf diesem Kontinent versucht habe, dieses Gericht, welches mich durch mein Studium brachte, zu finden und jedesmal maßlos enttäuscht wurde, darf ich nun verkünden, endlich eine sehr zufriedenstellende Mahlzeit serviert bekommen zu haben. Es war zwar nicht die beste Carbonara meines Lebens, aber definitiv diesen Namen würdig. 8/10 Punkten. 
Nach dem Italiener ging es dann weiter in eine Ausgehmeile namens „Gisiment“. Dort waren wir in unserer zweiten Woche damals, seitdem aber gar nicht mehr. Da wir jedoch neue Restaurants, Bars und Clubs ausprobieren wollten, haben wir entschlossen, wieder mehr dahin zu gehen. Und es ist auch sehr schön da, es ist sehr belebt, man hat eine große Auswahl an Lokalitäten und es sind auch keine Weißen und Touristen da. Wir waren mit locker so 14 Leuten unterwegs, weil noch weitere Freunde sich dazugesellten, unter anderem auch Piet und Sophie, die etwas weiter außerhalb von Kigali wohnen und diese Nacht dann auch bei uns in Kibagabaga schlafen sollten. Nachdem sich zuerst mit Shawarma und Bier gestärkt wurde, ging es in einen Club, in dem echt gute Musik lief, die Stimmung gut und der Laden auch nicht zu voll war, so dass man Platz hatte zum Tanzen. Im Prinzip alles wie man es sich wünscht. Jedoch ist uns auch hier schnell wieder aufgefallen, wie viele Prostituierte in den Clubs in diesem Stadtteil unterwegs sind. Ständig wurden wir Jungs angetanzt, und kaum hat man eine abgewimmelt (welche sich dann an den Kumpel neben dir ranmacht), kommt die nächste. Teilweise sah man auch, wie Männer (offenbar Kollegen oder Chefs) den Damen immer wieder auf „freie Jungs“ von uns hinwiesen, diese anzutanzen. Es zeigt einem auch einfach, wie schlimm das für Mädels sein muss, non-stop von irgendwelchen betrunkenen Typen angemacht und angetanzt zu werden. Allerdings war es für uns Jungs doch recht einfach, sich gegen die Damen zu wehren um nicht weiter belästigt zu werden. Andersrum ist das dann doch sehr viel schwieriger. Nichtsdestotrotz ein guter Club. Mal sehen ob wir da nochmal hingehen oder erstmal die umliegenden Abklappern werden. Da wie in Rwanda ja üblich um zwei Uhr morgens alle Läden schließen, ging es für uns dann auch nach Hause und wir fielen betrunken ins Bett.

Sonntagmorgen gab es erstmal ein klassisches Avocado-Frühstück zu viert, Piet und Sophie sind jedoch auch bereits um elf gegangen, da sie weitere Verabredungen hatten. Kurze Zeit später kam dann Maggi zu uns und wir nahmen ein zweites Frühstück ein, diesmal Pfannkuchen. Ansonsten passierte erstmal nicht viel an dem Tag, wir haben Schlaf nach geholt, mit den Katzen gekuschelt, gequatscht und bei tollem Wetter einfach etwas gefaulenzt. Abends gab es jedoch nochmal, vor allem für Helene, ein Highlight, da ihr Vater für eine gute Woche zu Besuch kommt und er abends am Flughafen gelandet ist. Auch schön für mich ihn zu treffen, immerhin kannte ich ihn bisher fast nur aus Erzählungen oder ab und zu durchs Telefon. Da es jedoch auch schon später war, ging es für mich recht bald ins Bett, die letzten Tage haben dann doch etwas geschlaucht. Immerhin wollte ich mit frischem Elan in meine zweite Hälfte dieses Jahres starten.

Doppelte Würfe

Woche 26: 03.02. - 09.02.

Direkt am ersten Tag der Woche gab es Grund zur Freude, denn wir hatten aufgrund eines Feiertages frei. Genauer gesagt war dieser jedoch nicht am Montag selbst, sondern am vorherigen Samstag. Rwanda hält es jedoch wie einige andere Länder auch, dass Feiertage, die auf ein Wochenende fallen, am darauffolgenden Montag nachgeholt werden. Schön für uns, so war Ausschlafen angesagt. Mittags ging es für mich und die üblichen Verdächtigen erneut auf den Mount Kigali, zum gleichen Spot wie bereits am Samstag. Diesmal hatten wir jedoch auch Essen und Getränke dabei, um bei dem phänomenalen Ausblick die Zeit zu genießen. Einige Stunden saßen wir da, als es langsam Abend wurde haben wir uns erneut auf den Weg nach unten gemacht. Wie so oft ging es natürlich ins Macoco.
Die restlichen Wochentage dümpelten eher vor sich hin, ich habe mich an Pilzfrikadellen probiert (die unglaublich gut geworden sind), wir haben am Donnerstag Barend wieder verabschiedet und ich hab leckere Mohnschnecken als Belohung für meinen Besuch im Gym gegessen. Zusätzlich war Donnerstag auch der letzte Tag, an dem Maggi bei Helene und mir gewohnt hat, da sie nun in eine eigene Bleibe gezogen ist.

Freitag wurden Helene, Helena, Laurenz, Noah und ich dann auch in besagte Wohnung von Maggi zum Brunch eingeladen. Anschließend saßen wir auf der dortigen sehr gemütlich Couch und haben wie so oft kleine Spiele gespielt und gequatscht. Abends bin ich ich noch mit einer Freundin ins Kino, anschließend ging es ins Molato zum feiern. Eigentlich ist der Laden wirklich nice, wir sind ja auch des öfteren da, doch jedes mal frage ich mich, wieso eigentlich. Mittlerweile sind die Abende da doch relativ langweilig und austauschbar. Aber die Club-Szene in Kigali lässt einfach etwas zu wünschen übrig. Wir müssen in nächster Zeit mal wieder mehr andere Lokalitäten suchen.

Nach nur wenigen Stunden Schlaf ging es für mich am Samstagmorgen zur Root Foundation von Helena (das ist dort, wo wir vor zwei Wochen die Wände angemalt haben), um ein wenig Basketball zu spielen. Bevor wir jedoch mit dem Sport anfangen konnten, waren einige Kinder noch mit Übungen für traditionelle Tänze beschäftigt. Sehr schön mit anzusehen, wie solche Traditionen weitergegeben werden. Irgendwann konnten wir jedoch starten. Im Gegensatz zu den Spielen von vor zwei Wochen waren diesmal jedoch Leute dabei, die den Sport wirklich drauf hatten und uns ziemlich zum Schwitzen gebracht haben. Zuerst wurden noch in gemischten Teams die Körbe gejagt, wie so oft wurde zu späteren Zeitpunkten jedoch wieder ein deutsches und und ein rwandisches Team erstellt, welche sich ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten. Gegen Mittag ging es nach Hause, nochmal schnell duschen und frisch machen, da nachmittags ein Empfang am Goethe-Institut stattfand. Diese gibt in vielen Ländern auf der Welt und haben sich das Ziel gesetzt, deutsche Sprache und Kultur zu präsentieren und den Austausch zwischen Menschen zu fördern. So wurden wir deutsche Volunteers eingeladen, um ins Gespräch mit einigen Rwander:innen zu kommen, welche Deutsch lernen oder sich generell für Deutschland interessieren, während wir mehr über Kinyarwanda und das Land hier gelernt haben. Dabei gab es sogar Bratwurst im Brötchen, Kartoffelsalat und Berliner als Verpflegung. Ich schätze mal so 60 Leute waren anwesend und schnell wurden interkulturelle Gruppen gebildet, um sich kennen zu lernen und auszutauschen. So wurde n die Sprachen gelernt, über die Zukunft gesprochen oder einfach kleine Anekdoten erzählt. Mit ein paar Freunden haben wir den Rwander:innen noch den deutschen Volkssport „Flunkyball“ nähergebracht, aber dann war mittlerweile auch schon Abend. Für unsere Freundesgruppe ging es anschließend wenig überraschend fürs Abendessen ins Macoco.

Am Sonntagvormittag wurde die Planung für den Tag angegangen, und nach langem Hin und Her wurde sich spontan für ein kleines Bierpong-Turnier bei Eva und Enja entschieden. In diesem musste ich mich leider im Finale ganz knapp Thomas geschlagen geben, dennoch war es sehr schön. Wäre das hier kein Blog sondern ein Facebook-Post von 2012 wäre, würde ich einfach mal sagen „Wiederholungsbedarf :p“. Anschließend ging es im Süden von Kigali auf einen der vielen Hügel, um zu zusehen, wie der Himmel immer dunkler und die Lichter der Stadt immer heller wurden. Danach ging es ins Macoco.

Besuch, Berge, Basketball

Woche 25: 27.01. - 02.02.

Die Woche startete wie gewohnt sehr regulär, so dass ich tatsächlich erst ab Donnerstag berichten werde. Dieser Tag fing für mich jedoch bereits um vier Uhr an, da um diese Uhrzeit mein Wecker klingelte. Ich schwing mich aus dem Bett, zog mir meine lange Jogginghose und nen dicken Pulli an (nachts kann es momentan tatsächlich etwas kälter werden) und suchte eine ziemlich lange Zeit ein Moto, immerhin fährt um diese Zeit fast nichts. Irgendwann saß ich jedoch endlich auf einem drauf und fuhr zum Nyabugogo Bus Park, da Wiebke aus Kampala dort ankommen würde. Mit etwas Verspätung erreichte ich den Busbahnhof, sammelte Wiebke ein und ohne große Umwege ging es auch nach Hause. Ich hatte noch zwei Stunden Zeit bis ich los zur Arbeit musste, und Wiebke war von der zehn Stunden Busfahrt auch noch k.o., so dass erstmal noch Schlaf nach- bzw. „vor“geholt wurde. 
Auf der Arbeit gab es nicht so viele spannende Anekdoten, außer dass ich jetzt an meinem eigenen kleinen Projekt sitze. Wir sind von artefact angehalten, selbstständig Projekte ins Leben zu rufen und nicht nur von unserer Einsatzstelle Aufgaben bekommen. Dafür kriegen wir auch ein kleines Budget gestellt, um anfallende Kosten zu decken. Bei mir wird es voraussichtlich ein Urban Gardening Projekt werden, welches ich mit Helena und ihrer Einsatzstelle umsetze, um den Kindern dort gesunde, günstige und einfache Ernährung näher zu bringen. Mal sehen, wie genau wir es umsetzen werden.
Der Donnerstagabend ist dann auch etwas kürzer ausgefallen. Die ursprüngliche Überlegung, zu einer Karaokebar zu gehen, fiel aufgrund der Müdigkeit von vielen von uns weg, stattdessen ging es mit den üblichen Verdächtigen wie so oft ins Macoco, immerhin mussten wir Wiebke auch unser Stammrestaurant zeigen, in welchem wir schon so viele Stunden verbracht hatten.

Freitagvormittag bin ich mit Wiebke ins Genocide Memorial gefahren, in welchem wir in unserer ersten Rwandawoche bereits waren und welches den Genozid im Jahr 1994 an den Tutsi und gemäßigten Hutu thematisiert. Sehr gute Darstellung, auch wenn es meiner Meinung nach an manchen Stelle etwas zu schnell ist und wichtige Schritte auslässt. Dennoch ist das definitiv einen Besuch wert und auch ein Muss, wenn man nach Rwanda reist. Anschließend sind wir ins La Galette gefahren, um die anderen zu treffen und Mittag zu essen. Dort gesellten sich auch Freiwillige dazu, die in der Stadt Gisenyi ihr Jahr verbringen. Die Stadt befindet sich direkt an der Grenze zum Kongo und ist aufgrund der militärischen Ereignisse in der dortigen Region in den letzten Tagen sehr gefährlich geworden, so dass sie erstmal einige Tage in Kigali verbringen würden. Danach ging es in die Innenstadt, ein paar neue Schuhe kaufen, bevor ich mit Eva, Enja, Wiebke, Noah und Varun ein Spiel der 1. Rwandischen Basketballliga angeguckt habe. Wie sich herausstellen sollte, war es wie so oft bei Sportveranstaltungen in diese Land so, dass ein Ticket immer für zwei aufeinanderfolgende Spiele gilt. So sahen wir zwei Spiele, und während das erste mit 104 zu 63 recht deutlich war, wurde das zweite Spiel mit einem 64 zu 60 erst in den letzten Sekunde entschieden. Danach war eigentlich noch ein wenig Hausparty bei uns angesagt, aber wirklich Lust hatte dann doch keiner mehr.

Der Samstag startete erst mit einem klassischen Rwanda-Frühstück aus Brot, Ei, Avocado und frischem Obst. Neben Helene, Maggi, Wiebke und mir waren wir jedoch mittlerweile zu fünft, da Barend (ebenso von artefact) aus Uganda am Morgen ankam und einige Tage bleiben sollte. Mittags fuhren wir ins Pelé-Stadion, um ein Spiel der ersten Fußballliga zu sehen, das um 13 Uhr beginnen sollte. Tatsächlich startete um 13 Uhr jedoch ein Pokalspiel der Frauen, so dass wir dieses zuerst sahen, inklusive Verlängerung und Elfmeterschießen. Ich habe keine Ahnung warum, aber das Herrenspiel war um 15 Uhr angesetzt, ohne Pause zum vorherigen. Aufgrund von vielen Verletzungspausen und eben Verlängerung und Elfmeterschießen und zusätzlichem Aufwärmen der Herren konnte dieses Spiel aber erst um 17 Uhr beginnen. Wir waren zu diesem Zeitpunkt nicht mehr im Stadion, da wir auf den Mount Kigali (von dem die Stadt auch ihren Namen hat) gehen wollten, um dort den Sonnenuntergang zu gucken. Das hat im Prinzip auch geklappt, es waren gerade mal 200 Höhenmeter und wir hatten auch einen schönen Sport gefunden, an dem wir was sitzen konnten und ewig lang diskutierten, wo wir abends essen gehen sollten. Die Sonne ging jedoch auf der anderen Bergseite unter, so dass wir nur einen immer dunkler werdenden Himmel sahen. All zu lange saßen wir nicht da, da es recht schnell dunkel wurde und wir immerhin noch absteigen mussten. Während der Hinweg größtenteils durch Waldwege geprägt war, ging es auf dem Weg runter zwar auch durch vegetationsintensive Abschnitte, die kaum 30cm breiten Trampelpfade fielen zu einer Seite jedoch sehr steil und metertief ab. Irgendwie skurril, zum Glück war es dunkel, so dass wir nicht genau sahen, wie weit wir runterfallen würden, falls wir einmal abrutschen sollten.
Nach gar nicht mal so langer Zeit hatten wir diesen Abschnitt aber auch hinter uns und mittlerweile hatten wir uns auch auf ein Restaurant geeinigt, einen Südduanesen, in dem bisher noch keiner war. Das Essen war größtenteils ganz in Ordnung, als ich allerdings nach anderthalb Stunden mal nachgefragt habe, wo mein Essen bleibt, bekam ich die Ernüchterung, dass die Küche dieses vollkommen vergessen hat. Glücklicherweise konnte ich bis dahin jedoch bei diversen Gerichten von meinen Freunden „probieren“, so dass mein Hunger größtenteils doch gestillt worden war. Anschließend fuhr ich mit Wiebke noch kurz zum Busbahnhof, um ein Ticket für Sonntagabend zu kaufen, und dann ging es auch nach Hause.

Der Sonntag war wieder weniger voll, nach Frühstücks-Pfannkuchen fuhren wir zum Kimironko-Markt um diverse Einkäufe zu tätigen, anschließend testete ich mit Wiebke noch ein kleines Café aus, dass schlussendlich hübscher anzusehen war als das es tatsächliche gastronomische Qualitäten aufweisen sollte. Abends ging es wie bereits in der Vorwoche zum Red Handi, um mit indischem Essen den Tag zu beenden. Anschließend brachte ich Wiebke zum Bus, und fuhr nach Hause, um auch relativ schnell im Bett zu landen.

Geburtstagstollerei

Woche 24: 20.01. - 26.01.

Die Woche startete am Montag sehr normal, abends sollte es jedoch ein Novum in meinem Leben geben. Ich weiß, es klingt verrückt, und viele Menschen haben sowas schonmal gemacht, und dass ohne in Ostafrika zu sein, doch für mich ging es das erste mal ins Gym. Und zwar richtig mit Sport machen, nicht so wie meine bisherigen Besuche in solchen Etablissements, bei denen ich mich lediglich an die Bar gesetzt habe. Mit Helene bin ich dann nach der Arbeit zu einem Gym bei uns in der Nähe gegangen, hab mir dort auch einen Coach geschnappt der mich ein bisschen rumgeführt hat. War auch alles gut und hat Spaß gemacht, ich war auch auf Muskelkater eingestellt, dass dieser schlussendlich aber fünf Tage andauern sollte, hat mir dann doch meinen aktuellen Fitnesszustand deutlich gemacht.

Am Dienstagabend haben Helene, Maggi und ich zuhause erstmal Madagascar gesehen und anschließend ne schöne Runde Stadt, Land, Vollpfosten gespielt, was Mutti mir zu Weihnachten geschenkt hat. Immer mal wieder nett.

Donnerstags sind Helene, Maggi und ich zu einem Kneipenquiz gegangen. Die Location war dabei eine Craftbeer-Brauerei, und von allen Anwesenden waren etwa 80% Weiße. Nicht meine Lieblingsmomente, aber immerhin waren wir ja auch da, also who am I to judge. Lustig dabei war dann vor allem, dass wir an einem Tisch mit drei Frauen saßen, zwei von denen waren so um die 50 und aus den USA. Und insbesondere eine war das absolute Paradebeispiel der „Crazy Cat Lady“: Knallpinker Wollpulli mit kitschigen Katzen drauf, erzählt nonstop von ihren Katzen, zeigte dutzende Bilder von ihnen und dann heißt sie selbst auch noch „Kat“. Einfach phänomenal. Wir haben uns dann mit denen zu einer gemeinsamen Quizgruppe zusammengetan und lagen schlussendlich mit 61 Punkten nur knapp hinter dem ersten Platz mit 66. Kleine Anmerkung auch noch zum Craftbeer: Ich bin ja echt kein Fan von „Alles bleibt so wie es ist“. Die Welt und die Gesellschaft sind ständig im Wandel, jeden Tag gibt es neue Entdeckungen, Trends und Entwicklungen. Und das ist gut und richtig So. Aber was ich einfach nicht verstehen kann, sind Craftbiere. Ich will nicht dass mein Bier nach Schokolade, Himbeere oder Basilikum schmeckt. Gebt mir einfach ein gutes Kölsch oder Pils und fertig ist. Ja, jeder soll das machen, was ihm Freude bereitet. Aber jedes Mal, wenn ich mich dran versuche, verstehe ich es weniger. Aber gut, immerhin soll es in diesem Blog nicht um Hopfenkaltschalen sondern um mein Auslandsjahr in Ostafrika gehen, also geht’s weiter im Text. 
Nach dem Kneipenquiz ging es für uns drei weiter ins Macoco, um dort Helena und Noah zu treffen, etwas zu essen, African Tea zu trinken und auf 00:00 Uhr zu warten, denn am Freitag hatte Helena Geburtstag. Nach Glückwünschen und lautem Gesang blieben wir allerdings auch nicht mehr ewig da, es ging dann doch relativ schnell nach hause.

Der Freitag stand dann ganz im Rahmen von dem Geburtstag. Mittags ging es im kleineren Kreise erstmal ins Pasta e Basta, dem Lokal, welches wir auch an Heiligabend besucht haben. Wie auch exakt einen Monat vorher war das Essen wieder phänomenal. Der Kellner kannte uns sogar noch und wir hatten nette Gespräche, so dass Helena ihn kurzerhand zur später stattfindenden Party eingeladen hat. Nach dem Essen wurden aber noch einige Besorgungen gemacht, also wurde sich in kleine Teams aufgeteilt, um ebendiese zu abzuarbeiten. Um etwa 16 Uhr waren dann die meisten in Helenas Wohnung, wo nochmal umgeräumt, aufgeräumt und Essen sowie Bowle vorbereitet wurde. Um etwa 20 Uhr kamen dann die meisten Gäste. Schlussendlich war es eine klassische Hausparty, es wurde viel getanzt, gespielt, gelacht und gequatscht. Etwa um zwei Uhr morgens ging es dann mit allen noch Verbliebenen ins Macoco, um den Abend gemächlich ausgleiten zu lassen. Ein toller Tag.

Der Samstag war dann so, wie man es sich nach einer Partynacht vorstellt. Ich habe bis 14 Uhr ausgeschlafen, dann ging es mit einigen Freunden in ein Café zum Stärken, abends wurde noch etwas durch die Stadt gelaufen, eine neue Bar ausprobiert und wie üblich viel Karten gespielt.

Sonntag ging es wieder etwas früher los. Um zehn Uhr bin ich zusammen mit Maggi losgefahren, um Helena an ihrer Einsatzstelle, der Root Foundation, zu treffen. Auch Laurenz und Noah kamen mit, denn unser Auftrag war es, die Räumlichkeiten dieses Projekts, welches sich für Straßenkinder einsetzt, neu zu streichen. Als wir ankamen schien die Sonne, viele Kinder waren vor Ort und spielten Basketball oder beschäftigten sich anderweitig auf dem Hofgelände. Was allerdings fehlte, waren Pinsel. Als hieß es (wie so oft) erstmal warten. Irgendwann waren jedoch auch noch andere Helfer der Root Foundation eingetroffen und es wurden einige Pinsel besorgt, so dass wir teilweise schon mal starten konnten. Der Plan war, die Mauer des Hofes mit Hügeln und Bergen zu bemalen (eine Anspielung auf Rwanda, das „Land der 1000 Hügel“). Wir fanden zwar andere Bemalungen, wie Buchstaben, Tiere oder sonstige Sachen für die Kinder wertvoller, aber okay, dann eben Hügel. Daaufgrund fehlender Utensilien noch nicht alle gleich mithelfen konnten, schnappte ich mir einen Basketball und fragte einige der Umstehenden nach einer kleiner Partie. Das hat auch wunderbar geklappt, und so habe ich die erste Zeit vor allem damit verbracht. Sehr angenehm dabei: meine Zeit als aktiver Basketballer ist dann doch schon etwas her und meine Fähigkeiten lassen zu wünschen übrig, da meine Mitspieler jedoch auch echt nicht gut waren, fiel das gar nicht auf. Als Zuschauende war es vielleicht etwas traurig mit anzusehen, wenn viermal auf den Korb geworfen werden musste, bis der Ball schließlich drin war, doch wir Spieler hatten sehr viel Spaß dabei. Schlussendlich kamen noch weitere Pinsel dazu, so dass auch die restlichen Helfer, mich eingeschlossen, anfingen, die Wände zu bepinseln. Doch nach einer knappen Stunde mussten wir bereits wieder aufhören, da es zu Regnen begann, und zwar volle Kapelle. Tropische Regenzeit ist wirklich nochmal was anderes als unsere mitteleuropäischen Gewitter. So waren wir für einige Stunden gefangen, vertrieben uns die Zeit wie üblich mit Kartenspielen. Irgendwann regnete es nur noch ein wenig, so dass wir das kleine Zeitfenster nutzen wollten, um nach Hause zu fahren, zu duschen und anschließend beim Inder unseres Vertrauens die Woche mit leckerem Naan-Brot und Mango-Lassie zu beenden. 

Alles beim Alten

Woche 23: 12.01. - 19.01.

Der Urlaub war vorbei, der Alltag hat wieder seinen Weg in unser Leben gefunden. Wie gewohnt ging es für mich morgens ins Büro und es hat mich wirklich gefreut, all die bekannten Gesichter wieder zu sehen. Viele sind auch strahlend auf mich zugekommen und ich weiß nicht wie oft ich von meinen vergangenen Wochen erzählt habe. Doch auch Janvier und Theodore, meine zwei engsten Kollegen, hatten mit der Geburt eines Sohnes bzw. der Hochzeit ebenfalls sehr schöne Tage erlebt. So froh das Ankommen am Arbeitsplatz auch war, sehr schnell war wieder der übliche Trott drin. Auch abends war das Programm die Woche über relativ unspektakulär, immerhin hab ich mir vorgenommen, nach dem doch recht teuren Urlaub Geld zu sparen, was ich bislang auch gut hinbekommen habe. Ich ging also weniger raus, hab mehr Zeit Zuhause verbracht (immerhin mussten auch die ganzen Blogeinträge der letzten Wochen geschrieben werden), mit den Katzen gekuschelt, gelesen oder Filme geguckt, gerade bei Letzterem haben sich auch Maggi und Helene dazu gesellt. Generell ist ja unter der Woche sowieso nicht all zu viel los, ich komme später von der Arbeit und da ich hohen Wert auf genügend Schlaf lege, bin ich meistens auch relativ früh wieder im Bett.

Am Mittwoch stand Heimwerken auf dem Programm, und wie so oft wurde eine Aktion, die normalerweise eine Minute dauert, nahezu abendfüllend. Seit einigen Tagen wackelte der Wasserhahn bei mir im Badezimmer, und eigentlich wollte ich unten nur die Mutter festziehen und gut ist. Das hat jedoch nicht funktioniert, so dass ich das ganze Ding mit Maggis Hilfe abgebaut habe. Wie sich rausstellte, war der Wasserhahn lediglich mit zwei zu kleinen Dichtungsringen befestigt, welche durch die Öffnung der Keramik rutschten und daher keinen Widerstand leisten konnten. Unterlegscheiben mussten her, aber ich hatte keine Lust, welche zu besorgen, erst recht nicht um 21 Uhr. Aber Not macht erfinderisch, aus den Deckeln von Erdnussbutter- und Nutellagläsern konnte ich nach einiger Fummelei einen stabilen Ersatz konstruieren. Irgendwann hat es schlussendlich auch geklappt und das Ding wurde erfolgreich wieder rangeschraubt. Das war aber tatsächlich auch das spannendste an diesem Tag.

Freitag stand dann wieder eine etwas längere Abendgestaltung auf dem Programm. Nach einiger Zeit gab es mal wieder Mac’n’Cheese, diesmal mit roter Beete verfeinert. Eva und Enja waren mittlerweile auch wieder in Kigali anzutreffen und zusammen mit Helenas bestem Freund Noah, der momentan zu Besuch ist, trafen wir uns zuerst ein wenig bei uns, um anschließend in unseren Standard-Club Molato zu gehen. Ein netter, klassischer Freitagabend.

Samstag war ebenfalls ruhig und wurde zu großen Teilen zuhause verbracht. Abends kamen einige Freunde vorbei, wir haben wieder den Friseursalon Haartefact geöffnet und nach erfolgreicher Rasur ging es ins Macoco, um den Abend ausklingen zu lassen. Und auch der Sonntag war entspannt und ohne nennenswerte Vorkommnisse.

Nach den unglaublichen vollgepackten Wochen war diesmal also nicht viel angesagt. Aber das war auch einfach mal schön und wichtig, um durchzuatmen und das Leben zuhause zu genießen. Denn da ist es bekanntlich ja eh am schönsten. 

Keni-Ja!

Woche 22: 06.01. - 12.01.

Am Montag haben wir ein wenig ausgeschlafen, bevor wir um neun Uhr los sind, um mit einem schönen Frühstück den Tag zu beginnen. Nach kurzem Rumlaufen haben wir auch ein nettes Café gefunden, in welchem wir uns mit Pancakes und Iced Coffee gestärkt haben. Wie schon auf Sansibar oder in Dar Es Salaam war hier die Mittagshitze nicht mit dem Wetter in Kigali zu vergleichen. Über 30 Grad und knallende Sonne ließen einen andauernd nach dem nächsten Schattenfleck suchen. Aber gut, nützt ja nichts, immerhin wollten wir Mombasa kennenlernen. Nach dem Frühstück sind wir also durch die Altstadt gelaufen, die ganz in der Nähe unseres Hostels lag. Dort sind wir zuerst zum Gewürzmarkt gegangen, welcher seinem Namen alle Ehre machte. Überall lag dieser Duft der verschiedensten Pulver, Kräuter und Zutaten in der Luft, wir lernten den Unterschied von indischem zu afrikanischem Zimt und kauften Macadamianüsse, Chilli, Mangotee und vieles mehr. Außerdem trafen wir wie auch in Stonetown (hab ich nur vergessen zu erzählen) auf unzählige Straßenkatzen. Egal wo hin man guckt, überall sah man mindestens eine rumlaufen oder viel eher rumliegen. Auf den ersten Blick wirkten sie jedoch relativ gesund und gut genährt. Tatsächlich sah man eher fette als dünne Katzen. Wie viele davon richtig Straßenkatzen sind, ist auch nicht gänzlich klar, da man immer mal wieder die Tiere in oder aus Haustüren gehen sah. Auf jeden Fall immer putzig anzusehen.
Neben dem Gewürzmarkt war direkt der Fleischmarkt. Und auch dieser war so, wie man sich stereotypisch einen Fleischmarkt in Ostafrika vorstellt. Ich habe selten einen so dreckigen und unhygienischen Ort betreten, wie diesen. An gefließten Ständen hangen und lagen diverse Fleischstücke, größtenteils von Rind, Ziege und Kamel, wie ich mir habe sagen lassen. Überall lagen jedoch irgendwelche tierischen fetzen rum, Blut- und Dreckflecken säumten die Stände und den Boden, hunderte Fliegen ergötzten sich ihrem Festmahl und die stickige, sehr intensive Luft war wirklich viel für’s Gemüt. Soweit war es für mich jedoch noch aushaltbar, was sich jedoch mit einigen Schritten in eine der vielen kleinen Abteilungen änderte. Im Gegensatz zum dekadenten Westen, in welchem nur die besten Stücke der Tiere vom Menschen gegessen werden, wird hier alles verwertet. So hingen in besagter Abteilung neben Ziegenklöten auch diverse Kuhmägen. Soweit so gut, nach einigen Schritten hat es jedoch so dermaßen nach Fäkalien gestunken, dass ich mich fast übergeben musste. Daher wieder ein paar Schritte zurück, ganz aus der Markthalle raus und an die frische Luft. Sehr bemerkenswert, wie so vieles hier. 
Wieder draußen bei den anderen sind wir weiter gezogen, um mehr von der Altstadt zu sehen. Wie auch schon Stonetown ist der Kern von Mombasa architektonisch noch sehr von der kolonialen Vergangenheit geprägt. Große Steinhäuser und enge Gassen prägten das Bild der Altstadt, mit kleinen Läden in den Erdgeschossen und Straßenhändler:innen dazwischen. So verbrachten wir einige Stunden mit schlendern, stöbern und gucken. Abends ist Helena dann bereits nach Nairobi aufgebrochen, eine Reise, die wir anderen vier erst am Donnerstag bestreiten würden. So ging dann auch der erste volle Tag in Mombasa vorbei.

Aber nochmal kurz etwas zu Mombasa generell: Die Stadt ist nochmal gänzlich anders als die bisherigen ostafrikanischen Städte, die ich bisher gesehen habe. Gerade der innere Bereich erinnert mich irgendwie an eine heruntergekommen 60er Jahre Stadt aus den USA. Ich weiß nicht genau, wie ich das sonst beschreiben soll. Dazu ist sie extremst dreckig, die Leute sind die nettesten, die ich bislang auf diesem Kontinent treffen durfte, abends sind die Straßen wie schon erwähnt sehr schnell leer und generell sind so extremst wenig Weiße zu sehen. Auch in Rwanda gibt es im Vergleich zu anderen Nachbarländer wie Kenia oder Tansania nur relativ wenig Weiße, aber Mombasa war da nochmal extremer, obwohl uns gesagt wurde, dass die Stadt eigentlich sehr touristisch ist. Am nächsten Tag sollten wir dann herausfinden, woran das lag.

Am Dienstag haben wir nach kurzem Ausschlafen und einem Frühstück in einem sehr interessanten Hinterhofcafé die Reise nach Diani Beach angetreten. Dieser liegt etwa eine Stunde südlich von Mombasa und ist ein touristischer Magnet der Region. Dafür sind wir erstmal mit einem Tuktuk zu einer Fähre gefahren, da das Stadtzentrum, in welchem wir uns auch bislang herumgetrieben haben, auf einer Art Insel liegt, evtl. vergleichbar mit Manhattan oder der Hafencity Hamburg. Das schöne dabei ist, dass Personen kostenlos mit dieser Fähre fahren dürfen, lediglich Fahrzeuge müssen eine kleine Gebühr bezahlen. Auf der anderen Seite angekommen, haben wir uns ein Matatu gesucht. Diese Minibusse habe ich bisher noch nicht angesprochen, sind aber eines der Highlights Mombasas bzw. Kenias. Sie fahren überall rum, sind eine Mischung zwischen Taxi und Bus und vor allem, sie sehen verdammt cool aus. Jeder Fahrer lackiert, tuned und verändert sein Matatu ganz nach seinen Vorlieben, so das jedes Exemplar ein Unikat ist. Manchmal mit lauter Musik, manchmal mit Heckspoiler, manchmal hochgesetzt, manchmal tiefergelegt, aber immer mit knalligen Farben, Lichtern und Bildern auf der Karosserie. Und zwar auf so einem Level, dass es nicht mehr prollig oder angeberisch wirkt, sondern einfach cool und besonders. Was jedoch nicht so cool ist, ist die noch engere Beinfreiheit und Kopfhöhe innerhalb dieser Vans. Generell komme ich mit meinen 1,90m hier oft an meine Grenzen, doch die Matatus waren bisher das anstrengenste Gefährt. Zum Glück ging die Fahrt jedoch nur eine Dreiviertelstunde, so dass mein Kopf in Schieflage nicht allzu lange Nackenschmerzen verursachte. Schließlich sind wir in der Stadt Ukunda angekommen und haben wiedermals ein Tuktuk angehalten, um zum Diani Beach zu gelangen. 
Dort angekommen sahen wir, wie wir es mittlerweile schon fast gewohnt sind, lange weiße Sandstrände, mit Palmen und kleinen Strandbars gesäumt. So schön es war, gab es dennoch eine Ernüchterung: das Meer war sehr ruhig, kaum Wellen waren vorhanden. Ursprünglich war unser Plan gewesen, hier Surfen zu gehen. Nachdem ich das schon im Pazifik und Atlantik gemacht habe, wollte ich im Indik (ja, so heißt das) den dritten Ozean in Angriff nehmen. Die Wellen wollten das jedoch nicht, so dass wir einen neuen Zeitvertreib gebraucht haben. Helene und Laurenz haben sich erstmal eine Kokosnuss gegönnt, dann sind wir ein wenig am Strand entlang spaziert. Hier haben wir auch gesehen, wieso Mombasa als touristisch gilt, jedoch kaum Weiße zu sehen waren. Sie sind alle am Diani Beach. Diverse Hotels und Ressorts befinden sich hier am Strand, in welchen die Leute mit dem nötigen Kleingeld einige Tage bzw. Wochen im All-Inclusive-Urlaub verweilen. Tatsächlich sah man jetzt Unmengen an weißen Personen, vor allem im Alter von 50+. Nach nur wenigen Metern haben wir unser Lager an ein paar Strandliegen aufgeschlagen, unmittelbar in der Nähe eines solchen Ressorts. Laurenz und ich haben uns erstmal ein Bierchen geholt und an der Rezeption nach einem Volleyball gefragt, da draußen am Strand ein dafür vorgesehenes Feld zu finden war. Wir haben auch alles bekommen und sind sofort sportlich reingestartet. Nach kurzer Zeit kamen jedoch noch drei Bedienstete und Animateure des Ressorts zu uns, um mitzuspielen. Sie sahen sichtlich erleichtert und freudig aus, uns da spielen zu sehen, was ich anhand der anderen Gäste nur zu gut nachvollziehen konnte. Nach mehreren gemischten Runden haben wir als Finale Kenia vs. Deutschland gespielt, was wir nach einer sehr denkwürdigen Schlussphase knapp mit 25:27 gewinnen konnten. Es hat sehr viel Spaß gemacht. Danach mussten die drei jedoch wieder an ihre reguläre Arbeit, Helene hat sich mittlerweile mit einem Buch auf eine Liege gelegt, während wir drei Jungs endlich ins Meer sind. Nach klassischen Beschäftigungen dort haben wir entschlossen, am Strand erstmal ein Loch zu buddeln und anschließend eine Burg zu bauen. Was man halt so macht. Irgendwann wurde es jedoch dann doch dunkel und wir müde, so dass wir wieder zurück nach Mombasa in unser Hostel gefahren sind.

Der Donnerstag war unser letzter voller Tag in Mombasa. Helene und ich sind vormittags schon raus, Varun und Laurenz haben ausgeschlafen. Die beiden sollten wir auch erst spätabends wiedersehen. Zu zweit sind wir in das Frühstückscafé vom ersten Tag gegangen, um dort Barend zu treffen. Er ist ebenfalls mit artefact unterwegs, wir kennen uns also von den Vorbereitungsseminaren, allerdings ist seine Einsatzstelle in Uganda. Wir der Zufall es so wollte, waren wir jedoch zeitgleich in Mombasa, so dass ein Treffen sich angeboten hatte. Nach dem Frühstück sind wir wieder etwas rumgelaufen, haben ein hinduistisches Gotteshaus besucht, Bustickets für Barend besorgt (er wollte über Nacht mit dem Bus nach Nairobi fahren) und das Fort Jesus erkundet, die alte portugiesische Befestigungsanlage der Stadt. Diese war zwar sehr schön zu begehen, jedoch kaum mit Informationen ausgestattet. Nach einem schnellen Mittagessen in einem kleinen Lokal sind wir in den Norden von Mombasa gefahren, da dort auch ein Strand war. Ich wollte mich vom Meer verabschieden, da ich dieses nun mindestens einige Monate nicht mehr erleben werde. Am Strand waren auch mehrere Dromedare zu sehen, auf welchen man am Strand entlang reiten kann. Arme Viecher. Aber ich finde es immer mal wieder interessant, dass es einige Tiere gibt, die in der Realität einfach größer sind, als man es so im Kopf hat. Und bei Kamelen denke ich normalerweise etwa an eine Pferdegröße, aber als das Ding an mir vorbeigelaufen ist, hatte es etwas von Sonnenfinsternis. Naja, wie dem auch sei, etwa zwei Stunden haben wir da am Strand gechillt und beobachtet, wie es minutlich dunkler wurde. Relativ früh haben Helene und ich uns dann von Barend verabschiedet und uns zum Hostel begeben, da am nächsten Morgen der Wecker um sechs Uhr bereits klingeln sollte.

Und das tat er auch. Wir vier, nun wieder zusammen, standen schnell auf, haben die Taschen gepackt und sind losgefahren zum Bahnhof von Mombasa. Denn tatsächlich gibt es eine recht moderne Zugverbindung zwischen dieser Stadt und Nairobi. Es war mein erster und wahrscheinlich auch einziger Zug, den ich während dieses Freiwilligenjahres betreten habe und werde, da es in Ostafrika so gut wie keine Strecken gibt. Umso mehr haben wir uns also auf den Zug gefreut. Doch nicht nur die Zugfahrt als solche hat die Vorfreude geschürt, auch die Zeiteinsparung (nur sechs Stunden, statt zehn Stunden mit dem Bus), der erheblich bessere Reisekomfort sowie die Möglichkeit, diverse Tiere vom Fenster aus beobachten zu können, da ein Großteil der Strecke durch Savanne und Nationalparks führt. Es war im Grunde auch alles gut, nur leider saß ich auf der falschen Fensterseite. Immerhin mehrere Termitenhügel und einen Elefanten konnte ich sehen. Dennoch würde ich die Fahrt jedem empfehlen, der diese Reise unternimmt. Für uns sehr ungewohnt waren jedoch die extremen Sicherheitsvorkehrungen am Bahnhof, die noch strenger waren, als an den meisten Flughäfen. Mehrere Gepäck- und Passkontrollen, außerdem eine Drogenuntersuchung. Wir wurden in Gruppen von ca. 50 Personen in einer Reihe aufgestellt, sollten unsere Gepäckstücke vor uns hinlegen und zurücktreten, bevor zwei Hunde nach verbotenen Substanzen gerochen haben. Wobei das Bild der beiden Hunde sehr amüsant rüberkam, da der eine ein wirklich fies aussehender, großer Schäferhund war, der locker auf den Namen Rex oder Brutus hören könnte, während der andere ein etwas in die Jahre gekommener, dicklicher und müder weißer Labrador war, der eher die Kategorie Bello oder Mr. Snuffels war. 
Schließlich kamen wir in Nairobi an, der Bahnhof war jedoch etwas außerhalb. Mit einem weiteren Zug, der stark einer deutschen S-Bahn ähnelte, kamen wir schließlich ins Zentrum der Hauptstadt. Dort namen wir ein Uber zu unserem AirBnB, welches wir für die letzten zwei Nächte unserer Reise gemietet hatten. Und während der Fahrt staunten wir nicht schlecht aus dem Fenster. Als wir durch Downtown fuhren erstreckte sich ein Hochhaus neben dem anderen, wir fuhren an mehreren Malls und unzähligen Geschäften vorbei, die Menschenmassen und der Verkehr waren auf dem höchsten Level, welches ich auf diesem Kontinent gesehen habe. Es sah wirklich aus, wie eine amerikanische Großstadt. Und so starrten wir aus dem Fenster, während wir uns alle paar Sekunde mit „Guck mal da!“- oder „Als wenn die das hier haben!“-Rufen gegenseitig auf den neuesten Stand brachten. Wir wirkten wirklich so wie vier Dorftrottel, die zum ersten mal aus ihrem Kaff rauskamen.
Als wir bei unserer Unterbringung vorfuhren, begrüßte und bereits Helena, die kurz vorher eingetroffen ist. Unser AirBnB war eine klassische Wohnung, wie wir es auch aus westlichen Ländern gewohnt waren. Zwei Zimmer, offene Küche mit Wohnbereich, Balkon und tatsächlich sogar zwei Bädern. Es war die wahrscheinlich modernste Wohnung, die ich in den letzten fünf Monaten gesehen habe. Und das zum selben Preis, wie das Hostel in Mombasa. Nachdem wir uns kurz eingelebt haben, sind wir auch schon raus gegangen, um die Stadt zu erkunden. Und gerade als Fußgänger fiel einem der immense Verkehr, die Lautstärke und die schiere Menschenmasse nochmal mehr auf als im Uber. Unsere Wohnung war sehr zentral, so dass wir nur 20 Minuten zur Innenstadt laufen mussten. Und gerade auch in den Nebenstraßen erkannte man dann doch stark die Dualität der Stadt, die noch extremer ist als in Rwanda. Durch meine Eindrücke der Hochhäuser, Bahnstrecken und unserer modernen Wohnung erschien vielleicht der Eindruck, dass Nairobi eine unglaublich entwickelte und moderne Stadt ist, jedenfalls im westliche Sinne. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Natürlich, es gibt diese Elemente, jedoch auch, und auch zu definitiv größeren Teilen, das genaue Gegenteil. Man erkennt sehr schnell, dass Armut die prägende Konstante in vielen Leben hier ist. Auf der S-Bahnfahrt vom Bahnhof zur Stadt fuhren wir minutenlang am größten Slums Afrikas entlang. Diese großen Gegensätze, die einem in Rwanda schon sehr auffallen, ist hier mindestens auf dem gleichem Niveau. In der Stadt haben wir erstmal für Varun ein Busticket nach Kigali besorgt, da er am nächsten Morgen bereits weiter fahren wollte bzw. musste. Danach sind wir zum Abendessen in ein kleines Restaurant gegangen. Dort haben wir auch Marie (mit der wir Weihnachten gefeiert haben) wieder getroffen. Anschließend ging es zu uns nach Hause und haben auf dem Flatscreen im Wohnzimmer Harry Potter geguckt. Dann ging es auch schon ins Bett.

Am Freitag stand ich schon etwas früher auf. Die anderen schliefen aus, aber da wir zusammengerechnet nur zwei volle Tage hier hatten, wollte ich möglichst viel von Nairobi sehen. Denn wer weiß, ob ich hier nochmal in meinem Leben hinkommen werde. Ich verabredete mich mit Marie in einem netten Café, in welchem hauptsächlich Taubstumme arbeiteten. Tolles Essen, toller Service, tolles Ambiente, wenn auch etwas teurer. Aber es ist ja nun mal Urlaub. Nach einiger Zeit kamen die anderen tatsächlich noch nach, und als alle schließlich satt und zufrieden waren, ging es um die weitere Tagesplanung. Ursprünglich war unsere Idee, nochmal kurz nach Hause zu fahren und dann zu Fuß zum Nationalmuseum zu gehen. Zuhause angekommen haben wir uns jedoch dermaßen verquatscht, dass es zeitlich nicht mehr hingehauen hätte. Also verschoben wir den Museumsbesuch auf den Samstag. Gegen 17 Uhr sind wir wieder nach Downtown gelaufen, um dort mit Marie auf den KICC zu gehen, einem hohem Aussichtsturm, um einen Blick über die Stadt zu erhaschen. Das hat auch gut funktioniert, und oben auf dem Turm hatten wir auf einem ehemaligen Hubschrauberlandeplatz tatsächlich einen 360-Grad Umblick über die kenianische Metropole. Sehr beeindruckend, wie riesig diese Stadt ist (immerhin 4,4 Mio. Einwohner:innen). Zudem ist uns nochmal die große Anzahl an Hochhäusern deutlich geworden, so dass man von oben herab wirklich denkt, wir wären in den USA. Anschließend besuchten wir Maries Gastfamilie, schließlich ist sie momentan als Au-Pair hier. Ihre Familie lebt in einer Gated Community, und als wir durch das streng bewachte Tor auf das Areal fuhren, fühlten wir uns wie in einer deutschen Vorstadtsiedlung. Überall Einfamilienhäuser, zwei Autos vor den Garagen, gepflasterte Straßen, ein kleiner Spielplatz an einer Stelle. Wir haben lange gebraucht, diesen Moment mit dem Moment vor einer Minute zu vergleichen und zu verarbeiten. Es war wie in Narnia, sobald man durch das Tor ist, erstreckt sich eine gänzlich neue Welt. Sehr lieb wurden wir von Maries Familie empfangen, unterhielten uns eine Weile und sahen uns das auch innerlich sehr westliche Haus an. Anschließend wollten wir los in eine Mall, um Bowling zu spielen, bevor es danach zu einem Club gehen sollte. Und die Mall hat uns sprachlos gemacht, so modern und hübsch, dass keine europäische Mall da mithalten kann. Als wir gemerkt haben, dass doch der Hunger wieder da ist, haben wir uns nach reichlicher Diskussion für ein Steakhouse entschieden. Und ähnlich wie damals unser Weihnachtsessen im italienische Nudelrestaurant war es hier so schön, wie alle Kellner sich auskannten und eine gute Ausbildung genossen haben. Ich glaube ich kann für alle sprechen, wenn ich sage, wie sehr wie diese kleinen traditionellen local Restaurants lieben, aber ab und zu ist es einfach toll, in schönem und edlen Ambiente zu sein. Sogar unsere Weingläser wurden vorgekühlt! Da ich mich ja bekanntlich auf Sansibar in Blauschimmelkäseburger verliebt habe, und es in diesem Etablissement ebenfalls welche gab, hab ich diesen bestellt. Ich fand ihn sehr gut, wenn auch nicht so phänomenal wie auf Sansibar. Nach dem Essen waren wir alle jedoch so müde, dass wir weder zum Bowling noch in einen Club, sondern direkt nach Hause uns ins Bett gingen.

Am Samstag mussten wir um zehn Uhr aus der Bude sein, wir packten unsere Taschen und marschierten etwas nach Norden in, Überraschung, eine Mall, um dort zu frühstücken. Normalerweise bin ich kein Fan von Malls, da diese einfach nur auf kapitalistischen Konsum getrimmt sind, alle sehr gleich mit den gleichen Läden. Absolut nicht meine Welt. Hier ist es jedoch was anderes, vielleicht lag es im Zusammenhang mit dem Urlaub, der Erkundungsfreude oder einfach dem Gefühl, mal einen kleinen Abstecher in den Westen zu machen. Und wie bereits erwähnt, sind die Malls hier (jedenfalls die in Nairobi) einfach echt schön anzusehen, was die Architektur und Gestaltung betrifft. Mit vollem Magen ging es dann in das Nationalmuseum ganz um die Ecke. Dieses war wirklich voll von diversen Themen, es gab einen Abschnitt über Naturkunde (ähnlich des Museum König in Bonn), einem anthropologischen Teil über die Evolution des Menschen (immerhin haben wir unsern Geburtsort in dieser Region der Welt), die Historie Kenias wurde dargestellt, eine Ausstellung über die Biene und noch vieles mehr. So viel, dass man irgendwann nicht mehr aufnahmefähig war. Aber so viel Zeit hatten wir eh nicht mehr, da unser Flug in wenigen Stunden zurück nach Kigali gehen sollte. Also noch von Marie verabschiedet und ab ins Uber, die letzten Kilometer Kenias erleben. Ab dann war alles relativ unspektakulär, am Flughafen und im Flug selbst hat alles geklappt. So waren wir nach knapp 2,5 Wochen und unzähligen neuen Erfahrungen um 19 Uhr wieder auf rwandischem Boden. Helene und ich fuhren nach Hause, wurden sowohl von Megatron und Von Mautzen als auch Maggi (sie ist momentan noch bei uns) herzlichst begrüßt. Nach kurzem Austausch ging es für mich aber auch weiter ins geliebte Macoco. Dort waren schon einige andere, und es hat sich echt wie nach Hause kommen angefühlt. Neu in der Runde: Hannah. Als neue Freiwillige für sechs Monate lebt sie jetzt mit Luisa in Kamuhoza, Rio ist aufgrund eines Projektwechsels nur noch am Wochenende in der Stadt und lebt jetzt weiter südlich in Ruhango, dort, wo z. B. auch Varun wohnt. Eine schöne kleine Runde, dann ging es aber auch nach Hause, der Tag war ja dann doch etwas anstrengend und lang.

Der Sonntag war dann absolut ruhig und klassisch, wir haben uns zuhause wieder in Ruhe eingelebt und die Zeit ohne viel Hektik genossen.

Kommen wir also zu einem kleinen Fazit: Diese zweieinhalb Wochen waren unbeschreiblich. Wie schon mal erwähnt, bilden diese Berichte gerade mal einen ungefähren Überblick über das ab, was passiert ist. So viele kleien Anekdoten und Details finden in so einem Blog einfach keinen Platz. Über Dar Es Salaam, Stonetown, Bwejuu, Tanga, Mombasa und Nairobi hab ich soviel erlebt wie kaum zuvor in meinem Leben. Unzählige Menschen habe ich kennengelernt, neue Städte gesehen, neues Essen probiert, in neue Kulturen eingetaucht, so viel gelacht, getanzt und erzählt. Es ist so schön und erstaunlich die Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten zwischen den Ländern und Städten zu sehen. Trotz der ein oder anderen Strapaze war es wirklich sehr einzigartig und wunderschön. Kaum zu glauben, dass das alles in so kurzer Zeit passiert ist. Ich bin so froh, das gemacht zu haben und freue mich noch mehr auf das, was noch kommt.
 

Probiers mal mit Gemütlichkeit (ins neue Jahr)

Woche 21: 30.12.24 - 05.01.25

Der Montag startete gar nicht mal so spät wie man es vermuten lässt. Etwa um neun Uhr bin ich fürs Frühstück aufgestanden, wohlgemerkt mit körperlichen Beeinträchtigungen vom Vorabend. Daher hab ich mich anschließend wieder hingelegt, um Schlaf nachzuholen und die Kopfschmerzen loszuwerden. Aufgrund der immensen Temperaturen war über die Mittagsstunden eh nicht viel mehr zu tun als im Schatten zu liegen. Erst ab ca. 16 Uhr war es wieder möglich, in der Sonne zu sein. So haben wir alle auch die nächsten Tage erst am Nachmittag gestartet, davor war einfach relaxen und ausruhen angesagt. So nun mal auch am Montag. Nach einer kleinen Erfrischung im Pool ging es für uns nach Paje, einer nahe gelegenen Stadt, um dort etwas zu essen. Anschließend haben wir den Strand besucht, saßen in Sitzkissen auf dem Boden und so mancher hat sich den Abend mit einem Gläschen Aperol versüßt. Auch die Gruppe von Eva und Enja (aufgrund des Standorts ihrer Entsendeorganisation in Münster auch „Münstis“ genannt) hat sich dazu gesellt. Als das Strandlokal um 23 Uhr geschlossen wurde, sind wir die drei Kilometer nach Hause schön am Strand entlang gelaufen. Zuhause ging es für mich und andere nochmal in den Pool, aber dann auch schnell ins Bett, immerhin sollte der folgende Tag auch recht lang werden.

Der letzte Tag des Jahres startete sehr früh tatsächlich, da einige von uns um halb sechs aufgestanden sind, um ins Meer zu springen und dort den Sonnenaufgang zu beobachten. Aufgrund vieler Wolken am Horizont hat das leider nicht vollumfänglich funktioniert, dennoch ist es einfach schön so früh morgens ins Meer zu gehen. Vor allem, da das Wasser dann noch nicht gänzlich warm, sondern noch ein wenig kühl war. Anschließend wurde früh in der Gruppe gefrühstückt, bevor wir uns dann einige Stunden in Betten, Hängematten oder Poolliegen der Hitze und Sonne entzogen haben. Abends haben wir dann eine Poolparty veranstaltet, mit vielen Cocktails und lauter Musik. Mit Tobi und Maggi habe ich dann noch Dinner for One und anschließend Dinner op Kölsch geguckt, bevor wir uns zu unserer Partylocation für Silvester aufmachten. Kuba hat uns eine Strandbar empfohlen, welche eine große Party hostete. Zusammen mit den Münstis sind wir um etwa 22 Uhr dort auch eingetroffen und waren sehr beeindruckt, sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Der Laden an sich war sehr schön, halbgeschlossen, halboffen, teilweise mit festem Boden, größtenteils aber Sand. Auffällig jedoch: die absurd hohen Preise für Getränke und Snacks, sowie einem astronomischen Anteil an weißen, älteren Personen. Klar, wir waren auch nur Touristen auf Sansibar und das auch noch an Silvester. Dennoch gibt es viele Clubs und Bars, wo auch mehr Einheimische und vor allem Menschen in unserem Alter sind. Nichtsdestotrotz hatten wir trotzdem Spaß, haben getanzt und Bierchen getrunken. Sehr schön war zudem die obligatorische direkt Verbindung zum Strand, welcher etwa 15 Meter Luftlinie von der Tanzfläche lag. Daher wurde sich auch viel in Sand gesetzt, das dunkle Meer angeguckt und gequatscht. So wurde es später und später, bis es schließlich kurz vor Mitternacht war. Etwa zehn Minuten vorher sind alle Partygäste zum Strand gegangen, haben versucht ihre Freunde wiederzufinden und gemeinsam den Countdown runterzuzählen. Bei großem Jubel und zahlreichen Umarmungen gab es noch ein kleines, aber schönes Feuerwerk, welches von einem Boot auf dem Meer entzündet wurde. Der Großteil der Gruppe blieb jedoch nicht mehr lange da und ist nachhause gegangen. Irgendwie war man doch sehr müde, außerdem war die Musik nicht mehr die beste. Mit Helene, Lotti sowie den Münstis bin ich allerdings noch weiter in einen anderen Club gegangen. Dort war die Musik auch besser und das Publikum etwas jünger. Schlussendlich war ich jedoch auch dort nicht mehr vollends bei Kräften, so dass ich nach einer Stunde dann auch nach Hause gefahren und etwas in den Pool gesprungen bin, bevor ich mich ins Land der Träume begab.

Auch der erste Tag des neuen Jahres startete wie gewohnt. Kurz zum Frühstück aufgestanden, dann wieder hingelegt und nachmittags in den Pool. Abends sind wir wieder zum Strand, um an einer winzigen Bar um ein Lagerfeuer im Sand zu sitzen, aus Kokosnüssen zu trinken und, wie soll´s auch anders sein, ein wenig auf der Ukulele zu spielen. So verbrachten wir einige schöne Stunden, bevor wir abends um elf wieder nach Hause gingen, denn es war noch ein Filmabend geplant. Dank eines Beamers konnten wir nach langer Abstimmung und Diskussion dann das Dschungelbuch gucken. Ich saß dabei klassisch in einem XXL-Donut mitten im Pool, ein paar andere taten es mir gleich.

Der Donnerstag startete wie die Vortage. Abends sind wir in einen Foodcourt am Strand gegangen, in welchem es sehr touristisches und westliches Essen gab, auf das wir mal wieder Lust hatten. Das hatte natürlich auch seinen Preis, aber das Essen war einfach grandios. Selten habe ich etwas so leckeres gegessen wie den Gorgonzola-Burger, den ich mir bestellt habe. Während die meisten anschließend nach Hause gefahren sind, bin ich mit Helene, Kathi und Lotti noch weiter zu den Münstis gefahren, um mit denen feiern zu gehen. Ein schöner, aber nicht überaus spektakulärer Abend.

Unser letzter ganzer Tag am Freitag war für Helene und mich relativ einsam. Die anderen sind tagsüber zum Schnorcheln gefahren, und da wir das schon eine Woche vorher gemacht haben, sahen wir keinen Grund, noch mehr Geld auszugeben. So hatten wir etwas Ruhe, die wir auch genutzt haben, um die kommende, letzte Woche unseres Urlaubs zu planen: den Trip durch Kenia. Unter anderem haben wir nach Hostels geguckt, Unternehmungen geplant und Zug(!)tickets gebucht. Abends, als wir wieder komplett waren, sind wir wie am Vorabend ins gleiche Lokal gegangen und ich hab auch das gleiche wieder bestellt. Anschließend wollten wir in eine Karaokebar, jedoch hat sie relativ früh zu gemacht. Also ging es wie so oft einfach wieder in den Pool, um diesen Luxus ein letztes mal zu genießen.

Am Samstag hieß es dann Abschied nehmen von unserem grandiosen Domizil. Helena und Laurenz sind bereits um sieben Uhr morgens losgefahren, Helene und ich sind um etwa zehn Uhr gestartet. Für uns vier ging es weiter nach Dar es Salaam und weiter nach Kenia, während die anderen bereits wieder nach Kigali fliegen und sich erst etwas später aufmachen würden.
So sind wir also erstmal wieder nach Stonetown gefahren und haben anschließend die Fähre zur tansanischen Hauptstadt genommen. Dort aßen wie erstmal etwas, bevor wir nach einem Bus Richtung Mombasa gesucht haben. Das war sehr viel komplízierter als angenommen und nach ewigem suchen, telefonieren und hin- und herfahren hatten wir schließlich etwas gefunden. Am Bus trafen wir dann auf Helena und Laurenz sowie Varun. Die nächsten Tage sollten wir größtenteils zu fünft verbringen. Um 19 Uhr stiegen wir dann in den großen Reisebus. Das Ziel war jedoch nicht direkt Mombasa, da alle Busse schon voll waren. Stattdessen fuhren wir nur die halbe Strecke in ein kleines Örtchen namens Tanga, in welchem wir die Nacht verbringen und am nächsten Morgen weiter nach Mombasa fahren wollten. Die Fahrt war an und für sich zwar ganz solide, aber irgendwie ist es in ostafrikanischen Ländern der Fall, dass auch bei Nacht der Busfahrer mit voller Lautstärke Musik oder Fußballspiele ablaufen lässt. Für die meisten ist da an Schlafen oder Ruhe nicht zu denken. Gott sei Dank kann ich jedoch fast überall einschlafen, ganz zum Neid meiner Mitreisenden, so dass es für mich kein allzu großes Problem ist. Nachts um halb zwei sind wir dann in Tanga angekommen, sind durch die dunkle Stadt gelaufen, um nach einer Bleibe für die Nacht zu suchen. Glücklicherweise fanden wir diese auch sehr schnell. Da wir alle keine Lust hatten, viel Geld auszugeben, haben wir nur zwei kleine Zimmer gebucht, eins für die Mädels und eins für uns drei Jungs. Wir hatten zwar nur ein 1,40m Bett in dem Raum, weswegen wir uns quer drauf gelegt haben zum schlafen, dennoch war die Nacht angenehm und wir alle haben gut geschlafen.

Am Sonntag sind wir um acht Uhr aufgestanden, um den nächsten Bus nach Mombasa. Wir haben auch schnell einen gefunden, allerdings fuhr dieser erst um elf Uhr los. Also hatten wir noch Zeit, etwas durch die Stadt zu gehen und die Märkte zu besuchen. Man hat nach Dar Es Salaam und Sansibar sofort gemerkt, dass Tanga kein touristischer Hotspot ist. Die Preise waren viel niedriger, außerdem wurde man kaum von irgendwelchen Leuten angesprochen, die etwas verkaufen möchten. So genehmigten wir uns ein wenig frische Wassermelone sowie Mango, aßen ein paar kleine Teigteilchen und tranken frisch gepressten Saft. Mit nur einer halben Stunde Verspätung fuhren wir dann allerdings auch los, etwa sechs Stunden Fahrt plus die Wartezeit an der Grenze lagen nun vor uns. Auch hier war die Fahrt größtenteils unspektakulär. Ungefähr neun Kilometer vor der Grenze wurde der Bus jedoch durch einen lauten Knall durchzogen, das direkt folgende flappernde Geräusch machte unmissverständlich einen geplatzten Reifen als Ursache klar. Nach einer kurzen Pause, in der der Reifen nicht gerettet werden konnte, sind wir im Schritttempo bis zu Grenze gefahren. Während alle Passagiere dort durch die ganzen Visum- und Reisepassetappen mussten, konnte der Reifen ausgetauscht werden. Für uns war die Gepäck- und Passkontrolle jedoch ein weiteres Beispiel für die Sonderbehandlung Weißer. Während sich dutzende Passagiere in langen Schlangen vor den Schaltern tummelten, wurden wir in das Büro hinter den Schaltern geführt. Dort hatten wir auch sehr nette Gespräche mit den Angestellten und dem vermeintlichem Chef, haben unsere Pässe gezeigt sowie die Gebühr für das Visum bezahlt und waren sofort wieder draußen. All zu viel hat uns das jedoch auch nichts genutzt, immerhin mussten wir jetzt draußen am Bus warten, bis unsere anderen Mitfahrenden fertig waren. Dennoch war es mal wieder ein beklemmendes Gefühl, nur wegen der Hautfarbe eine Sonderbehandlung im „positiven“ Sinne zu bekommen. Während der Wartezeit haben wir nebenbei zum ersten Mal eine riesige Tausendfüßlerart gesehen, welche mehr als einen Zentimeter Durchmesser hatte und locker 30cm lang war. In den folgenden Tagen sollten wir diese Dinger noch des öfteren sehen. Nach etwa einer Stunde Zwischenhalt konnten wir weiter fahren, so dass wir Mombasa nach drei weiteren Stunden erreicht haben. Wir waren dann auch relativ fertig von der Reise, außerdem war es mittlerweile bereits dunkel geworden. Wir hatten jedoch noch keine Bleibe für die Nacht, kein Bargeld und erst recht keine kenianische SIM-Karte, einfach googlen ging also nicht. Wir sind dann in eine nahegelegene Mall gegangen, um dort zuerst am ATM Geld zu holen sowie das kostenlose WLAN zu nutzen. So haben wir in der Nähe ein Hostel gefunden, zu welchem wir auch hin sind. Das Hostel an sich war das absolut mindeste was man haben konnte, doch der Chef und der Angestellte waren unglaublich herzensgute Menschen, so dass wir uns dort sehr wohlgefühlt haben. Das Hostel bestand aus gerade mal drei Räumen, einem großen Gemeinschaftsraum mit acht Betten, einem abgetrennten Zimmer mit zwei Betten sowie einem ranzigen Bad. Es war wirklich das rudimentärste was es so gab, aber es war absolut ausreichend. Dafür lag es auch sehr gut und zentral. Nachdem wir unsere Sachen abgelegt hatten, sind wir nochmal raus gegangen, die Stadt erkunden und etwas zu essen. Auffällig: Mittlerweile war es etwa 21:30 Uhr und die Stadt war komplett leer. Selten hat man nochmal Autos oder andere Menschen gesehen. Sehr bemerkenswert, wie es auch in den folgenden Tagen bestätigt werden sollte. Abends wird es sehr schnell leer und leise, was ich so bisher noch in keiner anderen Stadt kennengelernt habe. Irgendwann ging es dann wieder zurück und ab ins Bett nach dieser doch sehr vollen, aber unglaublich schönen Woche.

Sandweiße Weihnachten

Woche 20: 23.12. - 29.12.

Kurz vorweg: in den folgenden Tagen bzw. Wochen ist sehr viel passiert. Alleine darüber könnte man schon ein Buch schreiben, wenn man es ausführlich erzählen würde. Ich halte mich hier deswegen sehr kurz, ich glaube die Texte werden dennoch sehr lang. Wie immer gilt, wenn es spezifische Fragen gibt oder ihr etwas genauer erfahren möchtet, kann ich das gerne extern noch weiter ausführen. Für das bessere Leseverständnis hier daher nur die Kurzform.

Die Weihnachtswoche stand vor der Tür und direkt am Montag wurde sogar schon gefeiert. Klar, es war rein theoretisch ein Tag zu früh, schließlich wird in der Regel nicht bereits am 23.12. Weihnachten zelebriert. Unser Plan war jedoch, mit einigen Freiwilligen in Kigali zu feiern und da einige von uns die folgenden Tage mit der jeweiligen Einsatzstelle feierten, legten wir unser Fest einen Tag vor. Bereits um 13 Uhr haben wir uns in Kamuhoza in Luisas Wohnung mit insgesamt 15 Leuten getroffen. Auch wenn Luisa ein schönes und nicht allzu kleines Wohnzimmer hat, mussten wir doch sehr kuscheln und auf Matratzen auf dem Boden ausweichen, um alle unter zubekommen. Zusammen wurde dann geschnippelt, gebraten und gekocht, um alle etappenmäßig mit leckerem Weihnachtsessen zu versorgen. Großer Dank geht dabei vor allem an Luisa und Tobi, die das alles organisiert haben und auch den Großteil der Zeit in der Küche standen. Die große Auswahl an leckeren Speisen hat sich absolut sehen lassen. Von Pesto-Balsamico-Bruschetta über Kartoffelbrei und Spätzle mit diversen Soßen und weiteren rwandischen Spezialitäten war für jeden Geschmack etwas dabei. Wie so oft an den Weihnachtstagen war man zwar irgendwann längst satt aber hat dennoch weiter gegessen. So wurde der Großteil des Tages mit Essenszubereitung, dem Verzehren ebendieser Speisen sowie vielen Gesprächen und Gelächter verbracht. Wie man es halt kennt. Gegen Abend wurde dann gewichtelt, wobei die Kreativität der Geschenke wirklich schön war. Es gab Gewürze, Süßigkeiten, Fotos, Schmuck, Stoffe, Souvenirs und vieles weitere, so dass glaube ich jeder auch zufrieden war. Ich persönlich habe von Kathi einen schönen Wein sowie eine silbern-bronzene Krawatte mit sehr elegantem Muster bekommen. Ich weiß noch nicht, wann und wozu ich diese anziehen werden, aber ich habe mich mega gefreut. Anschließend gab es noch Kekse und Glühwein, zudem haben Laurenz und ich mithilfe von etwas Wodka und Gewürzen aus der übrig gebliebenen Tomatensoße Mexikaner hergestellt, welcher auch schnell weg war. Zu guter Letzt wurde noch Der kleine Lord geguckt und so gegen 23 Uhr ging es dann auch nach Hause. Der Tag war zwar schön, aber mit so vielen Leuten auf so engem Raum waren die meisten auch gut ausgepowert.

Am Dienstag wurde erstmal ausgeschlafen und gemächlich in den Tag gestartet. Nachmittags bin ich mit Maggi und Laurenz nochmal zu Luisa gefahren, um dort mit ihr sowie Kathi und Tobi Harry Potter zu gucken. Abends sind dann wiederum Helene, Marie, Maggi, Laurenz und ich in ein schickes Restaurant gegangen, welches sich auf diverse Nudelgerichte spezialisiert hatte. Das war zwar sehr teuer, das Essen, der Service und das Ambiente waren es allerdings absolut wert. Es war sehr schön, in einem edlen, sehr westlichen Restaurant zu sein. Selten habe ich etwas so leckeres gegessen und auch der Wein war unglaublich gut. Ein sehr schöner 24. Dezember. Auf dem Nachhauseweg sind wir tatsächlich gelaufen. Die Temperaturen lagen bei angenehmen 20 Grad und nach einer guten Stunde waren wir auch zuhause. Auf dem Weg haben die meisten von uns mit den Familien in Deutschland telefoniert, so dass die Zeit auch sehr schnell um war. Wir sind dann auch schnell ins Bett, schließlich ging es am am nächsten Tag für einige von uns schon los nach Tansania.

Der Mittwochmorgen war wie so oft ruhig. Helene und ich haben unsere Taschen zu Ende gepackt, die Wohnung aufgeräumt und uns von Megatron und Von Mautzen verabschiedet. Die Wohnung blieb dennoch erstmal nicht leer, da Maggi für einige Tage bei uns wohnen blieb. Zusammen mit Marie und Laurenz sind Helene und ich dann Mittags zum Flughafen gefahren, um nach Dar Es Salaam (bzw. in Maries Fall nach Nairobi) zu fliegen. Das verlief auch ohne große Probleme. Besonders atemberaubend war dabei der Blick auf den Kilimandscharo, den man wunderbar aus dem Flugzeug sehen konnte. Wirklich faszinierend, wie sich so ein Koloss in den Himmel reckt. Abends um 20 Uhr sind wir gelandet und wurden erstmal von der enormen Hitze und Luftfeuchtigkeit erschlagen. Das Wetter in Rwanda ist bekanntlich sehr angenehm, nicht zu heiß, nicht zu schwül und einfach schön zum leben. In der Millionenmetropole an der Ostküste Tansanias ist das jedoch ganz anders. Auch die folgenden Tage sollten wir uns nur bedingt an die neuen klimatischen Gegebenheiten gewöhnen. Helene und ich fuhren dann mit einem Motorradtaxi in unser Hostel, Laurenz in ein anderes. Unsere Unterkunft war sehr simpel, aber absolut pragmatisch gestaltet. Und da wir dort ja auch nur schlafen, war Luxus nicht von Nöten. Vom finanziellen Unterscheid mal ganz abgesehen. So waren wir um 22 Uhr schließlich in unserer temporären Unterkunft, hatten jedoch noch den Drang, etwas zu essen. So sind wir ein wenig um die Häuser gezogen, um nach einem kleinem Imbiss oder Restaurant Ausschau zu halten, jedoch war so gut wie gar nichts mehr offen, was teilweise an der Uhrzeit lag, teilweise auch an Weihnachten wie uns berichtet wurde. Schließlich fanden wir jedoch noch ein Lokal, dessen Küche noch nicht geschlossen hatte. Zwar gab es nur noch ein Gericht, aber das haben wir voller Erwartung bestellt. Als es dann kam, waren wir allerdings unschlüssig, was wir davon halten sollte. Es gab eine (auf den ersten Blick) klassische Rinderbrühe und dazu einige Knochen zum abknabbern. Das Ding war nur, dass an den Knochen lediglich Fettreste waren. Ausgekocht und gelblich durchsichtig war das dann doch etwas zu viel und wir konnten das nicht wirklich essen, geschweige denn genießen. Die Brühe war an sich ganz in Ordnung, jedoch schwammen auch einige Fleischstückchen in dieser herum, die wir nicht wirklich zuordnen konnten. Zuerst dachte ich, es wären Stücke vom Magen oder vom Darm, wie es auch in Rwanda manchmal der Fall ist, allerdings waren manchmal auch noch Haare oder Borsten an den Stücken, so dass es irgendwie auch irgendwelche Haut war? Wir konnten es nicht ganz identifizieren, tranken die Brühe weitestgehend und ließen leider vieles wieder zurück gehen. Zwar bin ich im Regelfall nicht so pingelig was Essen angeht, auch mit Insekten habe ich eigentlich keine Probleme, aber das war dann doch etwas zu viel. Unser Hunger war also nur spärlich vertrieben worden, jedoch waren wir so müde, dass wir einfach ins Bett wollten. Auch wenn unsere erste Begegnung mit Local Food in Tansania also eher semi-erfolgreich war, war die Erfahrung dennoch einfach faszinierend. Spät abends in einem dunklem Restaurant auf quietschenden Drehstühlen an der Theke sitzen, unter flackerndem Licht und mal mehr, mal weniger funktionierenden Ventilatoren an der Decke war das Essen zusammen mit einigen Gesprächen mit den wenigen anderen verbleibenden Gästen sehr einprägsam und auf skurrile Weise schön. Momente wie diese sind mit die interessantesten die ich so erlebe. Momente und Orte, in die man einfach reinstolpert und 15 Minuten vorher noch nicht weiß, dass man in dieser Situation landet. Ich liebe es.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag ging es für Helene und mich erstmal in eine nahegelegene Mall, um uns SIM-Karten für Tansania zu holen. Anschließend sind wir in die Innenstadt gefahren, um uns dort mit Laurenz zu treffen, Mittag zuessen, auf den Markt zu gehen und uns die Stadt einfach anzugucken. So haben wir ein Lokal am Straßenrand gefunden, bei welchem wir einmal quer etwas von der Karte in kleinen Portionen bestellt haben, um noch mehr die tansanische Küche auszuprobieren. Teilweise war es auch mit der rwandischen Küche zu vergleichen (viel Reis, Ugali, Bohnen, Fleischspieße), jedoch war es mehr gewürzt. Dort ist uns auch nochmal aufgefallen, dass, so lecker das Essen in Rwanda auch ist, es nur sehr spärlich gewürzt ist. Hat uns in Tansania nochmal besser gefallen irgendwie. Außerdem hatte ich dort meine erste Begegnung mit einer Sache, die mich die nächsten Tage und Wochen ständig begleiten sollte: Frisch gepresster Saft von diversen Früchten, meistens jedoch Mango, Ananas oder Passionsfrüchten. Mein absoluter Favourite ist allerdings Zuckerrohr. Die Stangen werden mehrmals durch eine elektrische Presse gegeben, mit etwas Limette und Ingwer verfeinert und serviert. Unglaublich lecker, erfrischend und einfach toll. Ein weiteres Highlight: Ich habe zum ersten Mal auf diesem Kontinent jemand getroffen mit einem Trikot des glorreichen 1. FC Kölns. Generell sieht man pausenlos Leute mit Fußballtrikots rumlaufen, in der Regel jedoch von den großen englischen und spanischen Klubs sowie von Dortmund oder den Bayern. Köln zu sehen hat mich absolut geflashed und natürlich wurden Worte gewechselt und Fotos gemacht.

Nach dem Essen ging es dann für uns drei weiter an einen Strand, denn wir wollten endlich ins Meer und das gute Wetter genießen. Es waren so um die 30 Grad und die Sonne schien ohne Ende, so dass wir uns nach dem kühlen Nass sehnten. Hier kam dann auch gleich eine weitere Besonderheit Tansanias zu Tage: Tuktuks. Im Gegensatz zu Rwanda, in denen man lediglich die Motos als günstige Fortbewegung hat, kann man in Tansania auch mit Tuktuks fahren. Dort passen im Regelfall bis zu vier Passagiere rein und man kann ruhig und im Schatten durch die Stadt cruisen. Wirklich toll und wir alle wünschten, dass es das auch in Rwanda geben würde. Es ist einfach günstiger, man ist dem Wetter nicht ausgesetzt und kann sich gut unterhalten. Dafür ist man nicht ganz so schnell und mobil wie auf einem Moto, aber das ist es einem in der Regel dann schon wert. Nach einer langen Fahrt (Dar Es Salaam ist einfach riiiiiiieeesig) sind wir an einem schönen Strand angekommen. Es war herrlich, das Meer, die verschiedenen Strandbars und die vielen Menschen zu sehen. Schnell umgezogen ging es sofort los in Wasser. Dieses war jedoch unglaublich warm und überhaupt nicht erfrischend. Klar war es schön und toll, aber als jemand, der die Kühle und Rauhaftigkeit der Nordsee kennt und genießt war es einfach was komplett anderes. Doch man hat sich schnell an die Wärme gewöhnt und so genossen wir die Zeit. Was uns erst im Wasser auffiel: obwohl der Strand auch als touristisch eingestuft wurde, waren wir die einzigen Weißen am ganzen Abschnitt und schnell lagen alle Blicke auf uns. Mit der Zeit kamen auch immer mehr Menschen auf uns zu, umkreisten uns nahezu schon. Mit einigen haben wir auch gequatscht und Spaß gehabt, aber irgendwann wurde es dann doch zu viel. Nach gut zwei Stunden sind wir auch aus dem Wasser wieder raus, haben uns an die Strandbar gesetzt, die Vielfalt des tansanischen Bieres erkundet und uns schließlich umgezogen. Abends sind wir noch was durch die Stadt gelaufen, am Strand entlang, haben was gegessen, getrunken und die Zeit genossen. Zwar haben wir noch kurz überlegt, feiern zu gehen, haben es aber aufgrund der Müdigkeit in unseren Knochen dann doch sein gelassen.

Am Freitag haben Helene und ich einen Ausflug zu einer kleinen Insel gemacht, um dort zu entspannen und schnorcheln zu gehen. Laurenz war nicht dabei, ein unglaublich starker Sonnenbrand vom Vortag setzte ihn etwas außer Gefecht. Die Insel und auch die Bootsfahrt auf einem winzigen Schiff waren zwar sehr schön, das Schnorcheln war jedoch auch eher mittelmäßig erfolgreich. Wir haben nur kaum Fische gesehen und es war vieles einfach grau in grau. Da es mein erstes Mal richtig Schnorcheln war, war es jedoch dennoch eine interessante Erfahrung. Abends haben wir uns nochmal mit Laurenz getroffen, waren etwas essen und sind wieder halbwegs früh ins Bett gegangen um 23 Uhr, da Helene und ich am nächsten Tag früh raus mussten.

Am Samstag ging nämlich um halb neun unsere Fähre nach Sansibar. Wir kamen gerade noch rechtzeitig an, 10 Minuten bevor sie losfuhr. Die Fähre war sehr modern und unglaublich runtergekühlt, so dass man anfangs dachte, man holt sich eine Erkältung. Alle Sitzplätze waren schon voll, so dass wir uns auf den Boden setzten oder raus aufs Deck gingen. Nach knapp zwei Stunden Fahrt sind wir auch auf Sansibar, besser gesagt in der „Hauptstadt“ Stonetown, angekommen. Unser Plan war es, einen Tag noch diese Stadt zu erkunden, bevor es am Sonntag an die Ostküste nach Bewjuu gehen sollte, wo wir weitere Freunde treffen wollten. Wir gingen zu unserem Hostel für die Nacht, durch einen Buchungsfehler wurden wir jedoch kurzerhand in ein anderes geschickt, was für uns auch kein Problem war. Unglaublich spannend war während des Wartens auf das neue Zimmer dabei die Begegnung mit einem älteren Herrn, ich schätze mal so 70 Jahre alt, aus Belgien. Wir unterhielten uns gut eine halbe Stunde und er erzählte von seinem Leben, was wahrscheinlich das spannendste Leben war, von dem ich jemals persönlich gehört hab. Er war Lehrer, ist mehrmals um die Welt gereist, hat lange in den USA gelebt und gelehrt und war bereits in den 1970er Jahren in Ostafrika. Wie man sich vorstellen kann, waren die Länder vor 50 Jahren noch gänzlich unterschiedlich mit den heutigen Zuständen. So viele kleine Geschichten, Lebensweisheiten und Tipps haben wir während dieses Gesprächs erhalten. Wirklich eine tolle Konversation.
Nachdem wir in unserem neuen Hostel eingecheckt haben, sind wir los gegangen um Stonetown zu erforschen. Der hauptsächliche Part der Stadt ist dabei sehr klein, in 20 Minuten schafft man es locker zu Fuß, diese zu durchqueren. Sansibar/Stonetown hat eine sehr große Historie in den vergangen Jahrhunderten gehabt, was man überall auch erkennt. Viele Gebäude kommen noch von der englischen Kolonialzeit, aber auch den Einfluss der arabischen und indischen Kultur konnte man überall sehen. Die meisten Straßen sind winzig, verwinkelt, überall gibt es kleine Läden und Shops. Erstaunlich, wenn auch nicht überraschend war dabei der große Einfluss des Tourismus. Dutzende Souvenir-Läden oder Touristenrestaurants säumten die Straßen, sehr viele Weiße (vor allem Deutsche, Skandinavier, Briten und Amis) liefen durch die Stadt und auch an den Preisen hat man das gemerkt. Das soll jetzt keine Beschwerde sein, immerhin sind wir schließlich auch Touristen dort, sondern lediglich eine Beobachtung. Rwanda ist in dieser Hinsicht sehr viel weniger davon geprägt, so dass es uns einfach stark auffiel. Neben klassischen Touristenmagneten wie dem alten Fort, dem Freddie-Mercury-Museum und der Strandpromenade haben wir uns jedoch vor allem in die kleinen Nebenstraßen geschlagen, um der großen Maße aus dem Weg zu gehen. Sehr schön war es dann vor allem abends so ab ca. 20 Uhr, da dann kaum noch Touristen zu sehen waren und sich das Stadtbild änderte. Die klassischen Touri-Märkte waren weg, statt dessen gab es neue Stände und Shops, an denen vor allem die mutmaßlichen Einheimischen zu sehen waren. So konnten wir mehr in das „echte“ Stonetown eintauchen, günstiges und uns bisher unbekanntes Essen und neue Getränke kennengelernt sowie mehr mit den Menschen in Kontakt treten. Wir sind dann mit zwei Jungs in unserem Alter rumgelaufen, welche uns nochmal ein paar Tipps geben und schöne Shops und Stände zeigen konnten. So ging ein langer, aber unglaublich schöner und interessanter Tag voller neuer Erfahrungen zu Ende.

Am Sonntag ging es nach dem Frühstück nochmal etwas durch die Stadt, bevor wir um die Mittagszeit zu den Bussen aufmachten, um nach Bwejuu zu fahren. Mittlerweile sind auch Laurenz sowie Helena auf Sansibar angekommen, mit denen Helene und ich die Stunde Fahrt angehen wollten. Durch kleine Absprechungsfehler landeten wir schließlich in anderen Bussen, was jedoch kein großes Problem war. Die Fahrt zu Ostküste war schön zu erleben, zuerst sind wir durch Wohnviertel, dann durch Wälder, dann durch Grasland und Felder gefahren, bevor wir schließlich ankamen. Mit insgesamt elf Leuten haben wir uns ein Bungalow-Hotel genommen. Auf dem Grundstück gibt es sieben Bungalows, von denen wir sechs gemietet haben, so dass wir das ganze Grundstück fast für uns alleine hatten. Und das Areal war einfach traumhaft. Relativ klein aber mit einer schönen Bar samt Sitzbereich sowie einem perfektem Pool in der Mitte. Optisch alles mega schön mit toller Architektur, Sand, Lichterketten und Palmen. So wie man es sich vorstellt und wünscht. Unsere beiden Gastgeber waren Veronika und Kuba, zwei polnische Auswander um die 30, die auch in den folgenden Tagen jegliche unserer Wünsche erfüllt und uns Tipps und Hinweise für Veranstaltungen und ähnliches gegeben haben. Man kann gut und gerne behaupten, dass wir nahezu wunschlos glücklich im Paradies gewohnt haben.

Jedenfalls sind Helene und ich etwa um 14 Uhr dort angekommen, haben uns Bungalows ausgesucht und 20 Minuten später waren Laurenz und Helena auch schon da. Die restlichen sieben Leute würden am Abend nachkommen, da sie im Gegensatz zu uns bis zu diesem Tag noch in Rwanda waren. Nach einer Verkostung der Flüssigkeiten hinter der Bar gingen wir auch in den Pool und blieben bis 20 Uhr (dann kamen die anderen an) auch darin, mit kleinen Pausen zum Essen oder ähnlichem.

Auf den Tipp von Kuba hin sind wir dann zuerst zu viert in eine Bar gefahren, um dort Livemusik zu hören, Bierchen zu trinken und Karten zu spielen. Generell sind Kartenspiele, insbesondere „Schwimmen“; „Lügen“ und „Arschloch“ eine absolute Lieblingsbeschäftigung von uns allen hier. Da wir ja doch relativ oft ins Macoco gehen, oder jetzt im Urlaub auch in andere Restaurants, und man in Ostafrika gerne mal lange aufs Essen wartet, wird extrem viel Karten gespielt. 
Laurenz, Helene und Helena waren von der Livemusik und dem eher älteren Publikum nicht sehr angetan, Helena ist schließlich auch schon wieder zurück nach Hause gefahren. Die anderen beiden konnte ich noch etwas zum Bleiben überreden, schließlich sollte um zwölf Uhr die Bar samt Livemusik einem Club mit DJ weichen. Zum Glück haben wir noch gewartet, denn die anschließende Party war sehr stark. Neben einigen anderen von uns, die nachgekommen sind, haben wir nach einigen Wochen auch Eva und Enja wieder getroffen. Die beiden sind mit einigen aus ihrer Entsendeorganisation im Dezember durch Ostafrika gereist, um nun so wie wir (und ganz viele andere Volunteers) Silvester auf Sansibar zu verbringen. Die Wiedersehensfreude war groß und es war schön, die anderen Freiwilligen ihrer Orga kennen zulernen. Manche kannten wir schon vom Nyege Nyege Festival in Uganda im November, mit denen wir uns das AirBnB geteilt haben, so dass es auch schön war, hier altbekannte Gesichter wiederzusehen. Sehr schön nebenbei, wie bei der großen Begrüßung von allen einige der Mädels mich mit „Du musst Leo sein, oder?“ begrüßt haben. Ob das jetzt gut oder schlecht gemeint ist sei mal dahin gestellt, auf jeden Fall hatten wir eine echt schöne Partynacht. Insbesondere Laurenz und ich hatten haben die Zeit sehr genossen, mit Eva und Enja kann man eh immer gut Party machen und die anderen aus deren Organisation sind auch ausnahmslos coole Leute. Eventuell war es sogar die beste Club-Experience die wir in Ostafrika bisher hatten. Der Abend ging so lange, dass Eva, Enja, Laurenz und ich die allerletzten waren und schlussendlich sogar vom Clubeigentümer höchstpersönlich mit dem Auto kostenlos nach Hause gefahren wurden. Um fünf Uhr morgens waren wir schließlich im Bett und meine bisher aufregendste Woche auf diesem Kontinent ging zu Ende.

Der nächste Besuch

Woche 19: 16.12. - 22.12.

Die letzte Arbeitswoche vor dem Winterurlaub hat angefangen. Ich habe beschlossen, in einem Café in der Nähe vom Büro jetzt Stammkunde zu werden. Der Kakao ist einfach extrem lecker, bei der Dachterrasse hat man einen wundervollen Ausblick über Kigali und es ist einfach sehr schön eingerichtet zum quatschen, entspannend und arbeiten.
Am Mittwoch bin ich bereits um halb 6 aufgestanden und zum Busbahnhof gefahren, denn in Person von Marie kam ein neuer Besuch an. Marie kennen Helene und ich über den artefact-Freiwilligendienst, auch wenn sie diesen schlussendlich nicht antrat ,sondern auf eigene Faust für einige Monate in Kenia als Au-Pair arbeitet. Für die Woche über Weihnachten kommt sie nun nach Kigali, um auch Ruanda kennezulernen und mit uns die Feiertage zu verbringen. Nachdem ich sie vom Busbahnhof abgeholt habe, hat sie sich nochmal nach der langen Fahrt ausgeruht und ich bin auf zur Arbeit gefahren.
Abends habe ich ihr das Macoco gezeigt, um ins lokale Kigalileben einzutauchen. Dazu gesellten sich noch Luisa und Thomas, außerdem noch Maggi, die auch noch einige Tage bei uns blieb.
Auch am Donnerstag ging es für mich zur Arbeit, Marie und Maggie haben den Tag anderweitig verbracht. Abends ging's dann nochmal in ein Restaurant, außerdem konnte ich vorher noch mein Wichtelgeschenk für die geplante Weihnachtsfeier von uns Freiwilligen fertig machen. Zudem hab ich Schokolade und Cornflakes im Rabatt gekauft, um mich an Schokocrossies zu probieren.

Freitag stand dann ein großer Tag im Hause Kibagabaga an, denn der Tierarzt kam vorbei, um Megatron zu kastrieren. Vor einigen Wochen habe ich schon etwas ausführlicher über so eine Operation gesprochen, als Helenas Katze Smirnoff das gleiche Schicksal ereilte. Diesmal war die Narkose jedoch wirksamer und Megatron hat nur sehr selten gezappelt. Im Großen und Ganzen ist also alles gut verlaufen. Am Nachmittag und Abend wurde vor allem dann darauf geachtet, dass Megatron sich von den Strapazen erholt. Mittlerweile ist auch Helene aus Uganda wieder angekommen, war abends aber direkt auf der Weihnachtsfeier ihrer Einsatzstelle. So haben wir zu dritt einen ruhigen Abend bei Gesprächen und Spielen auf der Couch verbracht. Übrigens: Morgens habe ich mich an den Schokocrossies versucht, aus Versehen jedoch viel zu viel Cornflakes in die Schokolade geschüttet. Schlussendlich war das daher nur sehr loses Schokomüsli. Ziel verfehlt, aber war trotzdem sehr lecker.

Samstag war auch etwas ruhiger, teilweise wegen Megatron, teilweise weil mich auch ein starker Husten und Schnupfen heimgesucht hat. Morgens bin ich mit Marie tagsüber was durch die Stadt gelaufen und habe Einkäufe genacht (unter anderem habe ich ein maßgeschneidertes Hemd mit Weste und Hose in Auftrag gegeben), bevor wir mit Helene und Maggi in ein Café zum Brunchen gefahren sind. Anschließend ist Maggi wieder zu ihr nach Hause gefahren und wir zu uns. Abends ging es für mich auf nen kleinen Jungsabend mit Laurenz und Tobi. Wir haben lecker Bierchen gekauft, Pizza bestellt und diverse Filme gesehen. Simpel, aber gut.
Der Sonntag war auch wieder sehr ruhig gehalten und galt der Entspannung sowie der Vorbereitung für die nächste Woche, die es in sich haben sollte wie noch keine davor.

Lachshäppchen und Sturmfrei

Woche 18: 09.12. - 15.12.

Wie gewohnt startete die Woche sehr ruhig. Mittwoch stand allerdings ein besonderes Event auf dem Programm, da ich mit der Arbeit auf einem Nachhaltigkeits-Forum war. Expliziter Gegenstand des Termins war dabei die Bedeutung von Bergen und Gebirgen für die Natur und den Menschen, aber auch wie stark diese unter den Folgen des Klimawandels leiden und ihre wichtige Rolle in Ökosystemen gefährdet wird. Bei dem Event in einem sehr schicken Hotel in Kigali waren diverse Organisationen und Experten eingeladen, so dass unter den ca. 80 Teilnehmenden 15 Nationen vertreten waren. So habe ich mich bei den Gesprächen zwischendurch unter anderem mit Leuten aus Malawi angefreundet, etwas über Guinea gelernt, Erfahrungen mit einer Uganderin ausgetauscht und mit einem Professor aus der Schweiz geredet. Hauptsächlich standen aber natürlich Vorträge, Reden, Talkrunden und Preisverleihungen auf dem Programm. Abseits dieser eigentlichen Punkte muss ich auch noch die kulinarische Verpflegung erwähnen. Bei der Kaffeepause am Vormittag gab es herrlich frische Gebäcke, von klassischen Amandazis über Donuts bis zu Kuchen. Dazu gab es noch frisches Obst in Form von Mango, Ananas, Papaya und Wassermelone. In der Mittagspause gab es ein sehr großes Buffet, bei welchem neben traditionell rwandischem Essen auch Spezialitäten aus anderen Ländern waren. Unglaublich lecker und auch der Desserttisch mit einer Vielzahl an unglaublich tollen Speisen (unter anderem einer kleinen Version von Schwarzwälderkirschtorte!) war einfach toll. Ich hoffe, man hat nicht gesehen, wie oft ich dahin gegangen bin. Und auch der Abend, als die eigentliche Veranstaltung schon vorbei war und man zu Getränk und Fingerfood den Tag ausklingen lassen konnte, sollte dem in Nichts nachstehen. Obwohl Kellner:innen mit Tabletts  unterschiedliche kleine Häppchen angebaten, konnte ich mich nur auf eines davon fokussieren. Kleine törtchenartige Schalen aus Mürbeteig waren gefüllt mit frischem Lachs und dezenter Senfsoße. Ein Traum. Ich weiß nicht wie viele ich davon gegessen habe. Es war einfach so gut. Zeitgleich war noch eine kleine Live Band vor Ort, so dass die meisten nach ein bis zwei Bier/Wein/Sekt auch kräftig am Singen und Tanzen waren, mich natürlich mit eingeschlossen. Abseits dessen gab es allerdings noch ein weiteres Highlight an dem Tag, nämlich einem traditionellen Tanz von schätzungsweise 20 Frauen und Männern in diversen traditionellen Kleidern und Trachten. Wirklich erstaunlich und schön mit anzusehen. Teilweise wurden einige von uns Gästen sogar aufgefordert mit noch vorne zu kommen und mitzutanzen. Ich hoffe sehr, dass ich mich nicht allzu sehr blamiert habe dabei. Aber Spaß hat es auf jeden Fall gemacht. 

Kleiner, sehr schöner Moment nebenbei: Als ich mich in einer Runde von vier Leuten vorgestellt habe und meinte, dass ich aus Deutschland komme, meinte ein Kollege von mir der dabei stand und mit dem ich viel auf der Arbeit mache, dass ich mein zweites Herkunftsland vergessen habe und ruhig sagen kann, dass ich ja auch aus Rwanda kommen. Nur ein kleiner Kommentar, der mir jedoch viel bedeutet hat und den ich mit Sicherheit nicht vergessen werde. Ich fühle mich hier wirklich wohl und einfach wie zu Hause.

Als ich gegen 21 Uhr zurück in den eigenen vier Wänden war, haben mich jedoch nur Megatron und Von Mautzen begrüßt. Helene ist nachmittags für eine gute Woche nach Uganda gefahren, so dass ich ein paar Tage sturmfrei hatte. Um es aber gleich vorwegzunehmen: nein, es gab keine große Hausparty. Vielmehr habe ich den Großteil, den ich zu Hause verbracht habe, sehr ruhig angehen lassen, viel entspannt, gelesen, Filme geguckt, an meinem Wichtelgeschenk gesessen und mit den Katzen gekuschelt. Allzu viel Zeit war das jedoch nicht, da ich wie so oft dann doch andere Pläne hatte. So zum Beispiel auch direkt am Donnerstag, als es für mich nach der Arbeit direkt zu Helena ging. Dort haben wir mit acht Leuten Glühwein gemacht und Kekse gebacken. Mariah Carey und Wham! in Endlosschleife durften natürlich auch nicht fehlen.

Samstag stand der letzte Sprachkurs dieses Jahres an und abends ging es für mich mit einigen Arbeitskolleg:innen feiern. Zuerst haben wir einer Bar Ambenzi gegessen, einer Pfane aus unglaublich lecker gewürztem Scheinefleisch (was es hier unten ja nur selten gibt) mit Kartoffeln oder Bananen. Sehr lecker, muss ich unbedingt ein paar Leuten zeigen. Später ging es in eine zweite Bar, haben dort zu lecker Bierchen der Musik zugehört und schließlich natürlich auch getanzt. Schon länger habe ich mich innerlich aufgeregt, dass ich in meiner Freizeitgestaltung fast nur etwas mit den anderen deutschen Volunteers mache und extrem wenig mit Locals. Das wollte ich daher ändern und habe auf der Arbeit rumgefragt, ob wir nicht mal in eine Bar etwas trinken gehen wollen, was auch auf großen Anklang traf. Toller Abend und definitiv anders als die meisten Freitagabende. Generell habe ich in letzter Zeit immer mehr Kontakte aus Rwanda kennengelernt, was wirklich schön ist. So bin ich kommenden Samstag auch spontan auf eine Weihnachtsfeier eingeladen worden von einer Gruppe, die ich auf dem Nachhaltigkeits-Forum kennengelernt habe.

Samstag stand dann ENDLICH eine Runde meines heißgeliebten Pen&Paper-Rollenspiels an. Mit Helena, Luisa, Kathi, Rio und Varun haben wir so einen doch sehr lustigen Nachmittag verbracht. Ich könnte das jeden Tag machen und es ist glaube ich tatsächlich mein größtes Hobby geworden. Anschließend ging es für Varun und mich dann in ein Café mit angeschlossener Buchhandlung und Dachterasse. Viele anderen waren schon da, wir haben es zum ersten mal besucht. Und es ist wirklich schön da. Da es fußläufig von meiner Arbeit ist, werde ich da glaub ich in Zukunft öfter hingehen. Anschließend sind wir erst noch in eine Bar zum Cocktails und Wein trinken gegangen, bevor wir schlussendlich mit Helena, Rio und Idrissa in einem American Diner gelandet sind und Burger gegessen haben. Es war im Prinzip ein perfekter Samstag, alles extrem entspannt, eine Mischung aus geplanten und spontanen Aktivitäten mit tollen Leuten. Auch wenn der Tag unterm Strich sehr viel mehr gekostet hat, als ich eigentlich gedacht hatte, war er es dennoch wert. Und sowas macht man auch nicht alle Tage.

Der Sonntag war dann unglaublich entspannt, habe Wäsche gewaschen, viel in der Hängematte gelegen und besagte, oben bereits beschriebene „Aktivitäten“ unternommen. So ging es mit sehr viel Gelassenheit und ohne Stress in die neue Woche. Auch hier noch eine kleine Anmerkung: Am Sonntag hatten wir unser „4-Monatiges“. Ein Drittel unserer Zeit in diesem wundervollen Land ist damit schon zu Ende, was wirklich viel ist. Klar, ich habe so viel in dieser Zeit kennengelernt und erlebt. Dieser Blog zeigt ja auch nur einen kleinen Teil meines Lebens. Aber dennoch kommt es wie so oft vor, als sei man gerade mal 2,3 Wochen hier. Ich freue mich tierisch auf die nächsten Monate, auch wenn einem bewusst wird, dass einfach schon 33% der Zeit um ist, was mich dann doch sehr traurig macht. Aber immerhin sind es ja noch acht Monate.

 

 

Kommentar am Ende: Bisher habe ich nicht all zu sehr darüber gesprochen, aber gerade am Mittwoch mit dieser doch sehr edlen Veranstaltung ist es mir einmal mehr wieder bewusst geworden. Die finanziellen Unterschiede hier im Land sind einfach extrem und viel stärker als in Deutschland. Durchgehend treffe ich hier Leute welche viel Geld haben und im „Pound for Pound“-Vergleich hier besser leben als ich in meiner Heimat. Zeitgleich trifft man jedoch auch viele (und auch deutlich mehr) Menschen, welche in Situationen leben, die mit der unseren in Deutschland nicht mal vergleichbar ist. Diese Dualität im tagtäglichen Leben ist sehr stark, weil jede Sekunde dieser Switch ist. Ich glaube ich bin auch noch mehr geprägt davon, da ich in einer Organisation mit Leuten arbeite, die alle studiert, teilweise promoviert haben und einen gänzlich anderen Lebensstandard haben als die meisten. Und auch die Stadtteile wo ich wohne bzw. wo das Büro liegt, sind sehr modern und gelten halbwegs als Reichenviertel. Man darf aber nicht vergessen, so fortschrittlich und modern Rwanda in vielen Bereichen auch ist, ist es manchmal eben auch nur mehr Schein als Sein. Es ist immer noch eines der ärmsten Länder der Welt, über 50 % der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Gerade als weiße Person wird man daher auch oft nach Geld gefragt. Und gerade dieser starke Kontrast zwischen heiler Welt und bitterer Realität lässt einen immer wieder Zweifeln. An dem Freiwilligendienst, der „Fairness“ auf der Welt, der Chancenungleichheit und generell dem Leben. Gerade wenn man Lachshäppchen verspeist und 20 Minuten später auf der Straße von einem Kind nach Essen gefragt wird.

Streichholzschächtelchen und ein sehr dünner Weihnachtsbaum

Woche 17: 02.12. - 08.12.

Diese Woche war, um es gleich vorneweg zu nehmen, sehr ruhig. Sowohl auf der Arbeit als auch in der Freizeitgestaltung ist nur wenig wirklich nennenswertes passiert. Einige nette Anekdoten gibt es aber natürlich doch.
Im Büro war alles wie üblich und wechselte zwischen Meeting, Kartenerstellung, Excel, Mittagspause und dem Schnack zwischendurch. Sehr lustig war dabei die Lunchzeit am Donnerstag. Wie gewohnt isst das Office zusammen auf dem Firmenglände bei der kleinen Küche. Das Hauptgesprächsthema heute: die deutsche Sprache. Immer mal wieder wird man, sobald man erwähnt, dass man aus Deutschland kommt, mit deutschen Wörtern zugeworfen. Dabei handelt es sich um die klassischen „Guten Morgen“, „Guten Tag“, „Dankschön“, „Mein Name ist..“ usw. Irgendwoher war zwei Kolleginnen der Begriff des Streichholzschächtelchen zu Ohren gekommen und wollten es unbedingt lernen. Die Aussprache, egal wie oft ich es gesagt oder sogar aufgeschrieben habe, sollte jedoch nie richtig gelingen. Aber wer soll es ihnen verübeln, auch ich hatte nach einigen Wiederholungen einen Zungendreher. Trotzdem war es sehr schön zu sehen, wie sie sich bemüht und für das Wort begeistern konnten. Ebenfalls ein großer Liebling: Die Zahl Fünf. Insbesondere in größeren Zahlen wie 55 oder 555. Wirklich lustig und einfach herrlich anzusehen. Übrigens kleiner „Funfact“: Sehr oft wird unser Heimatland hier nicht „Germany“ sondern nur „German“ genannt und unsere Sprache nicht „german“ sondern „dutch“. Wie genau diese Verwechslung stattfindet, weiß ich noch nicht genau. Natürlich, dutch klingt sehr stark wie deutsch. Aber wie sehr die Ruander:innen mit dem Begriff „deutsch“ Kontakt haben, entzieht sich aktuell noch meiner Erkenntnis.

Abseits des linguistischen Mittagessens hat am Donnerstag ein weitere Sache mein Stimmung beträchtlich nach oben geschraubt. Nach gut zwei Wochen Lieferung kam das Care-Paket von Mutti an. Mit Keksen, Katzenleckerlies, Adventskalender und Schinken (Carbonara kann kommen!) wird die Lebensqualität hier nochmal erhöht. Vor allem die Kekse stärken da noch etwas das kaum vorhandene Adventsgefühl. Außerdem gab es einen Weihnachtsbaum für die Wand, der nur darauf wartet, geschmückt zu werden. Mal sehen, wie wir uns da austoben werden.

Aber nochmal zurück zum Advents- und Weihnachtsgefühl im generellen. Durch Erzählungen, Fotos und Social Media bekomme ich hier einen guten Eindruck über den Dezember in Deutschland. Logischerweise habe ich ja auch einige davon mitgemacht. Durch Weihnachtsmärkte, geschmückte Wohnungen und das klassische deutsche Wetter wird immer wieder deutlich, wie unterschiedlich gerade meine Welt hier mit der in Deutschland ist. Hier ist einfach gut und gerne mal über 25 °C, man läuft in kurzen Klamotten rum, die Sonne strahlt und den „Christmas Spirit“ sucht man vergebens. Auch wenn bei uns in der Freundesgruppe die Planungen, wie wir Weihnachten verbringen, gestartet sind, bin ich tatsächlich so gut wie kaum in Weihnachtsstimmung. Da hat selbst der (deutsche) Weihnachtsmarkt am Wochenende nicht viel dran geändert, welchen wir besucht haben. Dieser war aufgebaut wie eine Art Bazar in einem großen Zelt mit vielen kleinen Ständen, an denen Seife, Essen, Holzarbeiten, Souvenirs und vieles Weiteres verkauft wurde. Dabei waren nahezu alle Stände aus Kigali bzw. Rwanda, auch wenn das ganze Unterfangen offiziell mit „German Christmas Market“ beworben wurde. Ganz falsch ist das dennoch nicht, immerhin gab es zwei Stände, welche Currywurst, Schnitzel, Christstollen und Glühwein angeboten haben. Diese haben wir natürlich auch einmal quer durchprobiert, manches war besser (Currywurst), manches aber auch sehr enttäuschend (Schnitzel mit Sauerkraut). Aber gut, das kann man auch verstehen. Ein äußerst interessantes Gefühl war da wirklich einfach an einem Glühwein zu nippen, im Hintergrund Mariah Carey zu hören und auf die Hüpfburg in der Sonne außerhalb des Zeltes zu gucken. Das zu verbinden war wirklich schwer für mein Gehirn. Wenig später wurde die Weihnachtsplaylist noch durch ein Album von Bruno Mars ausgetauscht (keine Ahnung warum) und schlussendlich muss man sagen, dass das schon eine lustige Idee war, es aber wirklich nichts an der aktuellen Situation ändert. Während ich diese Zeilen schreibe, gucke ich raus auf die grünen Palmen. Da ändert auch ein Glühwein nichts dran. In diesem Sinne verbleibe ich dennoch mit weihnachtlichen Grüßen in den Norden. Mal sehen, was die nächste Woche bringt…

Nachtrag: Ach ganz vergessen, am Mittwoch ist Helenes Schwester Hannah wieder zurück nach Deutschland geflogen. Die Wohnung ist also wieder etwas leerer geworden.

Die grüne Hölle

Woche 16: 25.11. - 01.12.

Der Anfang der Woche hielt sich, was neu und erzählenswert ist, in Grenzen. Langweilig ist es natürlich nicht, nur möchte ich die meisten Sachen lediglich nicht andauernd wiederholen. Um allmählich die Weihnachtszeit einzuläuten haben Helene, Hannah und ich am Mittwochabend Milchreis mit Nutella und frischen Mangos gemacht und diese bei einem der grandiosesten Filme aller Zeiten genüsslich verspeist: Love actually. Einfach ein schöner, wenn auch natürlich kitschiger Film, aber das ist ab und zu ja auch mal erlaubt. Gerade an Weihnachten. 

Wirklich spannend sollte es dann ab Donnerstag werden. Nach der Arbeit gings für mich nochmal kurz nachhause, um abends zusammen mit Helene, Hannah und Varun in den Norden Rwandas zu fahren. Dort an der Grenze zu Uganda und der DR Kongo ist ein aus mehreren Vulkanen bestehendes Gebirge, welches an diversen Orten bestiegen werden kann. Mit ein wenig Glück kann man sogar Berggorillas sehen, die es nur noch in dieser Region gibt. Leider habe ich den Bus nach Ruhengera verpasst, so dass ich eine Stunde nach den anderen drei dort ankam. Die Fahrtdauer hielt sich mit zwei Stunden ziemlich in Grenzen, so dass ich um 22 Uhr schließlich ankam. Es ging noch schnell in eine Milchbar, anschließend aber recht schnell ins Bett bei unserer gebuchten Unterkunft, da wir am nächsten Morgen um sechs Uhr von unserem Driver abgeholt wurden. Voller Motivation fuhren wir dann auch los zum „Headquarter“ oder sowas ähnlichem, um uns dort für die Wanderung anzumelden, unseren Guide für den Tag kennen zu lernen, noch einen Tee zu trinken und ggf. noch notwendige Ausrüstungen zu bekommen. Bei Letzterem ging es größtenteils um Gummistiefel. Zuerst gab es keine in meiner Größe, so dass ich mich schon drauf eingestellt habe, einfach in meinen normalen Schuhen zu laufen. "Ist ja nur eine kleine Wanderung, da geht das ja wohl klar". Schlussendlich gab es jedoch doch noch welche in meiner Größe, auch wenn bei diesen eine um drei Nummern kleine Größe angegeben wurde. Wie sich herausstellen sollte, war das eine grandiose Rettung. Aber dazu später mehr. Um halb sieben oder acht ging es schließlich los, zuerst fuhren wir noch ne Weile mit dem Auto zu unserem Startpunkt. Dort stiegen wir vier mit unserem Guide aus und es gesellten sich noch drei bewaffnete Soldaten dazu, welche auf uns aufpassen sollten. Abseits von möglichen Bergorillas gibt es auch Elefanten und Wasserbüffel in dem Gebiet, welche gefährlich werden könnten. Natürlich wird versucht, den diversen Tieren aus dem Weg zu gehen, im unwahrscheinlichen Falle eines direkten Aufeinandertreffens ist es jedoch gut, durch Luftschüsse gefährliche Situationen zu vermeiden. Im Laufe des Tages sollten die Soldaten auch keine große Rolle spielen. Um halb neun ging es schließlich los, zuerst über einige Wiesen und Felder, die Steigung hielt sich dabei noch in Grenzen. Unser Guide hat uns dabei auch viel über Pflanzen, Feldfrüchte und sonstige nennenswerte Sachen erzählt. Sehr bemerkenswert war da nebenbei auch schon, dass man am Horizont (!) unseren Vulkan gesehen hat, den wir hochsteigen sollten. Alleine dieses Bild war für uns am Anfang schon so unwirklich, da dieser soweit weg aussah und auch einfach gigantisch groß war. Noch gar nicht erwähnt: Es sollten 1000 Höhenmeter bis zum Gipfel werden, welche sich besonderes auf das letzte Drittel fokussieren. Im Nachhinein hätte uns da schon klar sein müssen, auf welches waghalsige Projekt wir uns da eingelassen haben. Nach gut einer Stunde hatten wir diese erste Etappe auch geschafft und es ging in den mittleren Teil. Ab hier waren wir im Regenwald unterwegs und die Steigung wurde teilweise schon stark, aber noch gut machbar, auch dank unserer Wanderstöcke. Und direkt am Anfang wurde mir klar, wie dankbar ich für die Gummistiefel war. Ab sofort war man quasi nonstop in Matsch, Schlamm, Mooren, Pfützen und kleinen Bächen unterwegs. Mit den Gummistiefeln kein Problem und (anfänglich) auch sehr lustig, hätte ich meine normalen Schuhe noch gehabt - die hätte ich hinterher wegschmeißen können. Gerade durch die Regenzeit war einfach alles nass, feucht, rutschig und wie gesagt schlammig. Um es schonmal vorwegzunehmen, während unserer Wanderung haben wir keinerlei Großwild gesehen, dafür die breiten Schneisen, welche Elefanten beim Durchwandern des Waldes hinterlassen haben (hat mich sehr an Colonel Hathis Marsch aus dem Dschungelbuch erinnert) sowie andere Arten von Hinterlassenschaften. Ab und zu hat man im Schlamm auch Fußspuren von Wasserbüffeln gesehen, bei denen man sich gefragt hat, wie und vor allem warum diese großen Tiere so kleine, enge und steile Hänge an einem Vulkan hochlaufen. Aber gut, Mutter Natur wird sich schon was dabei gedacht haben. Nach so einer weiteren Stunde haben wir ein kleines Zwischenplateau auf einer Lichtung gefunden, auf welcher wir uns bei Tee, Brot und Kuchen ein wenig gestärkt haben. Durch die schwüle Hitze, die Steigung sowie das ewige Einsinken im Matsch waren wir auch gut am schwitzen und bereits ein wenig k.o. Besonders ärgerlich: Mein linkes Knie hat bereits angefangen zu schmerzen. Normalerweise passiert das nur nach sehr langen Tagen, aber offenbar war die Anstrengung bereits ausreichend, um sich mal zu melden. Wenn ich wieder in Deutschland bin, muss ich wohl mal zum Orthopäden.Die Hälfte der Strecke hatten wir nun, doch die schwerste und steilste Etappe lag noch vor uns. Hätten wir gewusst, was noch kommt, so wären wir höchstwahrscheinlich sogar umgedreht. So ging es jedoch weiter, noch ca. eine Stunde im bisher normalen, dichten, schlammigen Regenwald mit noch moderater Steigung. Irgendwann sollten wir jedoch zum „steep part“, also dem steilsten Part kommen, und lecko mio, der Name sollte recht behalten. Im Prinzip wurde alles nur noch mehr. Noch mehr Pflanzen, noch engere Wege (wobei es keine wirklich Wege waren, lediglich ca. 30-50 cm breite Flussrinnen, welche vom Regen in den Stein geschliffen wurden) und vor allem, noch mehr Steigung. Nonstop waren neben den Füßen auch die Hände im Einsatz, entweder um an Steinen hochzuklettern, sich an Bäumen entlangzuziehen oder den Wanderstock als Stütze zu nehmen. Mittlerweile mussten wir auch alle 20 Minuten Verschnaufpause machen, es war einfach derbe anstregend. Mein schmerzendes Knie und die immer dünner werdende Luft taten ihr übriges. Irgendwann jedoch, nach 4,5 Stunden, haben wir es endlich geschafft und haben den Gipfel erklommen. Zwar war schon ein Gefühl des Sieges vorhanden, welches jedoch stark durch die Schmerzen, das Luftholen und vor allem dem bald einsetzenden Regen gemindert wurde. Aufgrund dichter Wolken hatte man zudem absolut keine Aussicht. Gerade auf die habe ich mich sehr gefreut, da die diese wohl unbeschreiblich sein muss. Gerade an so einem Drei-Länder-Eck. Aber es sollte nunmal nicht sein. 

Nachdem wir kurz Fotos und uns gestärkt haben, ging es auch schon wieder runter. Dabei jedoch mit dem bereits erwähnten Regen. Und das ist dann auch kein klassischer Niederschlag wie wir es meistens in Deutschland gewöhnt sind, sondern absoluter tropischer Regenzeit-Regen. Nach nicht mal fünf Minuten waren wir bis auf die Socken nass, auch der Rucksack und jeder Inhalt war einfach nass. Die Regenjacken haben zwar etwas abgehalten, was jedoch nicht so relevant war, weil wir durch den Schweiß sowieso klatschnass waren. Und nun begonnen fünf Stunden Abstieg, die ich ungelogen zu meinen wahrscheinlich schlimmsten Stunden meines Lebens dazuzähle, auf jeden Fall was die physische Situation anging. Das hatte mehrere Gründe: Unsere Kräfte waren beim Aufstieg schon zu großen Teilen verbraucht gewesen, den ganzen Weg wieder herab zu steigen war gerade beim steilen Part extrem anstrengend. Durch den neuen Regen war alles nur nochmal viel nasser, rutschiger, matschiger und hat einem jegliche Lust genommen. Die nassen Klamotten haben einen zusätzlich wortwörtlich runter gezogen. Und bei mir war einfach wirklich das Knie der absolute Killer. Ich weiß, ich klinge als wäre ich bereits 70, aber es war einfach nur die Hölle. Ich konnte mein linkes Bein im Prinzip gar nicht mehr belasten, was bei so einem Abstieg im Prinzip das schlimmste ist, was passieren kann. So oft habe ich mir gedacht, das beste was passieren könnte, wäre einfach ein Ausbruch des Vulkans, dann hat der Schmerz immerhin ein Ende. Schlussendlich gab es allerdings keinen anderen Weg, als einfach weiter zu gehen. Schritt für Schritt weiter runter. Immer näher ans Ende. Ich habe versucht, an alle möglichen Sachen zu denken, bisschen Lieder zu pfeifen oder ich weiß nicht was, um den Schmerz zu überspielen und einfach weiterzugehen. Nach jeder Kurve hoffte ich, die Lichtung zu sehen und irgendwann die Felder. Doch meistens war nur mehr Schlamm, mehr Steilhang und mehr Pflanzen, die die die Hände und Kleidung zerkratzten. So ging es Schritt für Schritt weiter, irgendwann wurde der Regenwald lichter und schließlich ging es nur noch die Etappe über die Felder zurück zum Auto. Abends um 18 Uhr oder so waren wir dann endlich am Auto, die grüne Hölle war endlich vorbei. Über 21 km Weg und über 2000 Höhenmeter rauf und runter, durch dichten Regenwald, steile Felsvorsprünge, tiefe Schlammsenken und nasse Pfade lagen hinter uns. Ein absolute Horrorphase war zu Ende.

Als ich dann im Auto saß, immernoch mit klatschnassen Klamotten, einem schmerzenden Körper, aber wenigstens im Trocknen, dachte ich mir nur: Was war das für ein geiles Abenteuer. Klar, während des ganzen Trips wollte ich einfach nur dass es aufhört, doch als es zu Ende war, war es ein wundervolles Gefühl. Schlussendlich kann ich sagen, ohne das Knie wäre es wahrscheinlich einfach nur sehr anstregend gewesen, aber aushaltbar. Auch wenn das jetzt vielleicht ein anderes Ende nimmt, als es der Text vermuten lässt, aber ich kann jedem nur empfehlen, so etwas mal zu machen. Es war unbeschreiblich, sowas habe ich vorher einfach noch nicht gemacht, so eine Wanderung der Superlative. Ja, viele werden wahrscheinlich darüber lachen und das ist auch okay so, aber diese Vulkanbesteigung war schon etwas besonderes. Dass wir weder Gorillas, Elefanten oder sonst was nicht gesehen haben, ist dabei komplett egal. Wobei das auch nicht ganz stimmt, ab und zu haben wir Chamäleons gesehen. Immerhin. Ob ich sowas nochmal mache? Vielleicht. Wenn, dann aber definitiv in der Trockenzeit. Das soll dann doch nochmal was angenehmer sein. Was mich außerdem, gerade auf dem Hinweg immer wieder aufgemuntert hat, waren die teilweise sehr verschiedenen Landschaften, auch wenn manche nur 200 m lang waren. Zusammen mit dem Wanderstock habe ich mich gefühlt wie Frodo, der den einen Ring in den Schicksalsberg schmeißen muss. Bringt mir jetzt noch ein Lächeln ins Gesicht.

Als wir im Auto saßen, fuhren wir ohne große Umwege nach Hause, um uns zu duschen, aufzuwärmen und vom Tag auszuruhen. Wir haben noch etwas Essen bestellt, aber dann ging es auch schon schnell ins Bett. Am Samstag war eigentlich geplant, weiter nach Westen nach Gisenyi an den Kivu-See zu fahren und dort andere Freiwillige zu besuchen. Da ich jedoch immer noch kaum richtig laufen konnte, entschied ich mich, bereits nach Kigali zurückzufahren, während die anderen drei die geplante Reise fortsetzten. Zuhause angekommen hab ich mich was auf die Couch gelegt, Herr der Ringe geschaut und einfach etwas das Wochenende genossen. Es ging für mich ebenfalls wieder früh ins Bett, so dass ich am Sonntag recht früh wach war. Nach einem kleinen morgendlichen Einkauf gab es Spiegelei mit Guacamole auf Toast und der zweite Herr der Ringe-Film wurde gesehen. Beim Einkauf wollte ich eigentlich noch Kerzen kaufen, um mit Palmenblättern einen tropischen Adventskranz zu basteln, jedoch habe ich noch keine gefunden. Werde ich demnächst dann nachholen. Abends gab es dann nochmal Mac’n’Cheese als Soulfood und dann ging es auch schon wieder ins Bett.

Der erste Besuch

Woche 15: 18.11. - 24.11.

Die Zeit im Reisebus von Kampala zurück nach Kigali hat fast den gesamten Tag eingenommen. Morgens um viertel vor acht haben Helene und ich uns bei unseren Freunden verabschiedet und sind zum Busterminal gefahren. Dort gab es noch einen kurzen Snack, damit wir die folgenden Stunden gut überlebten. Nach fast zwölf Stunden Fahrt ohne große Ereignisse kamen wir schließlich müde und mit wackeligen Beinen in Kigali an, direkt nach Hause fuhren wir jedoch noch nicht. Zuerst ging es noch in ein Restaurant, in welchem wir bereits einige Freunde von uns trafen, denn heute war ein besonderer Tag: der Geburtstag von Luisa. Zwar sollte die richtige Party noch folgen, dennoch war ein kleines Treffen am richtigen Ehrentag im kleinen Kreis natürlich trotzdem nett. Als ersten Besuch aus Deutschland haben Helene und ich dann auch Helenas Vater kennen gelernt, welcher für zwei Wochen hier ist und während unserer Zeit in Uganda angekommen ist. Nach dem Essen ging es aber immer noch nicht nach Hause, da wir einen kleinen Abstecher zur Helenas und Thomas’ Wohnung machten, da sich die beiden dankenswerterweise um unsere Katzen Megatron und Von Mautzen gekümmert haben. Nach dem Einsammeln ging es aber schließlich endlich nach Hause, wo es auch relativ schnell ins Bett ging.

Am Dienstag hieß es wieder „Ab ins Büro!“ und eigentlich war es auch ein recht gewöhnlicher Arbeitstag, bis nachmittags zu einem Zusammentreffen aller Leute vor Ort gerufen wurde. Die meisten waren relativ verwundert was passiert und ich dachte es gibt einfach ne kleine Mitteilung zu einem bestimmten Projekt oder so, spätestens als drei Kolleginnen mit Kuchen durch die Tür kamen, wusste niemand, was gerade passiert. Wie sich herausstellte, wurde (zum ersten mal im Büro) der Internationale Männertag gefeiert. Es wurden kurz ein paar Reden gehalten und viele Umarmungen verteilt, nach knapp 30 Minuten ging es auch wieder zurück an die Arbeit. Zwar habe ich mich über den Kuchen gefreut, die Wichtigkeit eines solchen Tages wage ich jedoch zu bezweifeln. Immerhin war es relativ schnell und ohne Schall und Rauch vorbei.

Abends ging es recht früh ins Bett, da ich mitten in der Nacht wieder aufstehen musste. Um viertel nach Eins ging der Wecker und zusammen mit Helene fuhr ich zum Flughafen, um dort ihre Schwester Hannah abzuholen. Sie bleibt ebenfalls für zwei Wochen hier. Das Abholen war recht unspektakulär und um viertel nach Zwei befand ich mich wieder im Land der Träume.

Mittwoch und Donnerstag waren wieder ohne große Vorkommnisse, lediglich Donnerstagabend waren wir erneut im Envision Café, um zu Live-Musik und kalten sowie warmen Getränken ein wenig Zeit zusammen zu verbringen. Mittlerweile wird bei uns in der Gruppe recht häufig „Halt mal kurz!“ gespielt, ein Kartenspiel der Kanguru-Chroniken. Wer es nicht kennt, einfach mal googlen und ausprobieren, sehr spaßig und witzig.

Freitag stand nach dem Sprachkurs Kino auf dem Programm. Mit sechs Leuten oder so haben wir Gladiator 2 gesehen. Ich hatte schon Befürchtungen, dass nach dem großartigen, ersten Teil die Fortsetzung verhauen wird, und ich sollte recht behalten. Absolute 08/15-Story, bei der man am Anfang schon das Ende weiß, schwache Charaktere und dumme, Hollywood-eske Action- und Handlungsszenen. Auch die teilweise sehr gute Besetzung konnte da nicht viel dran ändern. Wer plumpe, belanglose Action in der Antike möchte, ist zwar richtig bedient, aber gerade im Vergleich zum Vorgänger ein Film der in allen Belangen enttäuscht. Pluspunkte gibt’s von mir lediglich, weil ich ein Faible für die Römer hab. 3/10 Punkten. Nach dem Kino ging es noch ins Molato ein bisschen feiern, ewig alt wurde ich aber nicht.

Der Samstag startete recht langsam und entschleunigt bevor es abends zu Luisas Geburtstagsfeier ging. Mittlerweile war auch Maggi da, eine befreundete Freiwillige (aus Köln!), die dieses Wochenende bei uns übernachtete. Full House also bei uns. Luisas Geburtstagsfeier fand ich sehr gelungen und die Mischung aus Pferderennen, Tanzfläche, Schubkarrenrennen und Geographie-Quiz hat eine tolle Zeit beschert. Auch der Sonntag wurde ruhig gehalten, mittags ging es nochmal in ein Restaurant mit der ganzen Truppe (natürlich wurde wieder „Halt mal kurz!“ gespielt) und abends ging es für mich dann auch wieder früh ins Bett, neue Kraft tanken für die kommende Woche.

Welcome to Nyege Nyege

Woche 14: 11.11. - 18.11.

Der Montag war ähnlich gestrickt wie der vorherige Tag. Wir haben lange geschlafen und uns viel zuhause ausgeruht. Dabei muss aber auch gesagt werden, dass Paul und Wiebke eine echt schöne, große Wohnung haben, sogar mit Terasse und großem Garten. Da kann man es sich schon mal gut gehen lassen. Absolut nichts tun wollten wir jedoch auch nicht, daher ging es am Mittag los um Helene und mir SIM-Karten kaufen und Schawarma zu essen. Nachmittags wollte Paul mit uns zu dem Bahai Temple ganz in der Nähe, wir mussten jedoch feststellen, dass dieser am Montag geschlossen ist. Ein anderes Mal dann. 
Was für andere vielleicht unspektakulär wirkt, war für mich am Abend aber ein absolutes Highlight der vergangenen Wochen. Mit Wiebke bin ich zusammen in ein gutes japanisches Restaurant gefahren um ENDLICH nach gefühlten Jahren an Abstinenz wieder Sushi zu essen. Und ich muss sagen, dass ich selten ein Essen so genossen habe wie dieses. Es war einfach perfekt. Absolut top und dabei noch zu halbwegs erschwinglichen Preisen. Wobei wir uns auch für die vegetarische Option entschieden haben, auf Lachs musste ich verzichten. Die Preise sind einfach nicht einfach so zu stemmen, da viele Sachen importiert werden müssen. Aber dennoch ein unglaubliches Essen. Dazu habe ich zum ersten Mal Stoney probiert, eine Ginger-Limonade, die meiner Meinung nach große Ähnlichkeiten zu dem auch in Deutschland erhältlichen Bundaburg hat. Finde ich sehr gut, zum Sushi hat es sowieso wunderbar gepasst. Stoney wurde in den folgenden Tagen auch zu meinem Go-To-Getränk, denn es gibt einen weiteren großen Unterschied zwischen Uganda und Rwanda: Es gibt dort einfach keine Fanta Citron. Diese flüssige Gottesmaterie ist bekanntlich unser Stammgetränk seit drei Monaten, und in meiner Zeit in Uganda hab ich gemerkt, wie ich wirklich eine gewisse Sucht nach dieser Limo entwickelt habe, so oft wie ich „och, jetzt eine Fanta Citron..“ dachte und das Verlangen selbst mit Stoney nur unzureichend stillen konnte. Nach dem Sushi ging es dann ab nach Hause, denn am nächsten Tag stand unser Trip nach Jinja an.

Am Dienstag wurde abermals ausgeschlafen, wenn auch nicht ewig, denn Mittags wollten Helene und ich aufbrechen. Eigentlich war geplant, mit einem Taxibus den Weg nach Jinja anzutreten, jedoch konnten wir bei Sera, einer local Freundin aus Kampala, liebenswerter Weise mitfahren. Wir wurden im Vorfeld bereits gewarnt, dass die Strecke trotz ihrer weniger als 100 Kilometer gut und gerne mal vier Stunden dauern kann, je nach dem, wie stark der Verkehr ist. Tatsächlich waren wir auch über vier Stunden unterwegs, bevor wir an der Wohnung von Adrian und Johann, unserem Domizil für die erste Nacht, angekommen sind. Nach dem Ablegen unseres ganzen Gepäcks sowie einer kleinen Roomtour und einem kurzen Durchschnaufen ging es auch gleich los ins „Bourbon“, einer Bar ganz in der Nähe. Das Schöne an dieser ist, dass man direkt an den Nil kann. Den Fluss haben wir bei Fahrt nach Jinja schon überquert, was sehr überwältigend war, aber dann wirklich gerade mal einen Meter von Nil entfernt zu sein, ist schon ein krasses Gefühl. Bisher waren viele Länder, Städte und Orte zwar mehr oder weniger bekannt, aber den Nil kennt man gefühlt seit man denken kann. Diesen historischen, mystischen und magischen Fluss mit eigenen Augen mal zu sehen ist dann einfach nochmal auf einem anderen Level. Ich kann es auch nicht wirklich in Worte fassen, aber vielleicht kann man sich das Gefühl ja vorstellen. Es ist halt einfach der fucking Nil. 
Natürlich haben wir nicht nur den Fluss angeguckt, sondern haben noch ein wenig Billiard gespielt und Burger gegessen (es gab ein „Buy 1, Get 1 Free“-Angebot!), bevor es dann auch schon was früher ins Bett ging, Kraft tanken für die nächsten Tage.

Diese haben wir auch bereits am Mittwoch gebraucht, als wir Adrian zu seinen Einsatzstellen begleitet haben. Jinja ist trotz seiner 300.000 Einwohner:innen extrem ländlich geprägt. Es ist sehr grün, weiträumig und ruhig, insbesondere, wenn man den großen Kontrast zu Kampala heranzieht. Ein schönes Städtchen, dessen Straßen und Architektur im Stadtzentrum stark an Städte aus Western-Filmen erinnern. Aufgrund der großen Distanzen sind Helene und ich auch mehr als 20 Minuten mit dem Boda durch die Stadt und schließlich durch viel Natur zu einem Vorort gefahren, in welchem wir erst eine Schule und dann ein Waisenheim besucht haben, in welchen Adrian arbeitet. Die Sonne im Zusammenspiel mit dem Spielen mit den Kindern hat einen dann jedoch auch sehr ausgelaugt, so schön es auch war. Neben den Einsatzstellen hat mich auch die Umgebung einfach komplett umgehauen, so unglaublich schön und idyllisch das alles herkam. Kleine zersiedelte Dörfer und Höfe zwischen Wäldern, Wiesen und Feldern, ab und zu sieht man Ziegen oder auch eine Kuh. Ein schönes Bild. Wobei man da natürlich auch stark betonen muss, dass ich das mit meiner privilegierten Sicht im ersten Moment so sehe. Die meisten Menschen dort leben in absoluter Armut, haben oftmals kein Geld um ihre Kinder zur Schule zu schicken oder wenn, dann erst mit z. B. elf Jahren. So ergab sich wieder dieses gemischte Gefühl zwischen der Schönheit des Moments mit der bitteren und harschen Realität, wie ich es oft habe in den letzten drei Monaten. Dennoch ein äußerst interessanter Tag, der mir lange in Erinnerung bleiben wird. Abends stand zudem das Treffen mit Freunden aus Kigali auf dem Zettel, die mittlerweile auch in Jinja angekommen waren. Wie bereits erwähnt wollten Helene und ich noch Zeit mit unseren artefact-Freunden in Kampala und Jinja verbringen, bevor Nyege Nyege Festival losging. Am Mittwoch sind dann Eva, Enja und Varun aus Kigali angetroffen und mit drei weiteren Freiwilligen der Organisation der beiden Mädels haben wir uns zu acht eine Unterkunft gebucht, um für die Zeit des Festivals auch einen Schlafort zu haben. Diese haben wir dann bezogen, bevor wir uns ins Bourbon begeben haben, da dort noch eine Quiznight angesetzt war. Das hat auch echt Spaß gemacht, bei einigen Fragen („Welche Volksgruppe wohnte traditionell in einem bestimmtem Gebiet in Uganda?“) mussten wir jedoch gänzlich auf unsere local Freunde hoffen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten wurden wir jedoch immer besser, so dass wir schlussendlich knapp hinter dem Ersten auf Platz zwei ins Ziel trudelten. Nach der Quiznight haben sich viele bereits nach Hause verabschiedet, mit einer kleinen Gruppen sind wir jedoch noch in zwei weitere Bars/Clubs gezogen, so dass ich entgegen meiner Planung auch erst um halb vier morgens im Bett lag.

Am Donnerstag haben wir acht uns dann um zwölf Uhr mit Sera und weiteren Freunden getroffen, um die Bändchen für das Festival zu besorgen, welches abends losgehen sollte. Dort angekommen stellte sich jedoch raus, dass wir erst ab 15 Uhr welche bekommen. Da wir größtenteils auch noch nichts gefrühstückt hatten, haben wir uns kurzerhand entschieden, in der Nähe und direkt am Nil in ein Restaurant zu gehen. Ich habe eine erneuten Versuch gewagt, Spaghetti Carbonara zu bestellen, was sich jedoch als großer Fehler herausstellen sollte. Ich bekam zuerst einen Teller mit Tomatensoße vorgesetzt und als ich fragte, ob das wirklich eine Carbonara sei, wurde mit einem zögerlichen „Ja“ geantwortet. Schließlich bekam ich eine Bolognese und da ich keine Lust auf weitere Diskussionen und Enttäuschungen hatte, habe ich schlussendlich diese gegessen. Immerhin war sie tatsächlich sehr lecker. Anschließend holten wir uns wir uns die Bändchen, und während die Mädels nochmal nach hause wollten, sich etwas ausruhen, beschloss ich mit Varun, schon mal das Festival-Gelände zu erkunden. Bei Tageslicht und kaum Gästen wollten wir einen ersten Überblick erhaschen, um später bereits zu wissen, wo Getränke, Bühnen, Toiletten und sonst was ist. War auch sehr schön, jedoch wurden noch überall Schilder gestrichen, Bühnen aufgebaut und Soundchecks gemacht. Im ersten Moment waren wir etwas überrascht wie viel noch gemacht werden muss, aber so hat man ein weiteres Beispiel für diese entspannte Lebensweise in Ostafrika bekommen, was uns auch nochmal einige Locals, mit denen wir gesprochen haben, lachend bestätigt haben. Dann ging es aber auch für uns zurück, nochmal kurz ausruhen und schließlich fertigmachen. Um etwa 21 Uhr ging es dann los zum feiern, tanzen und Spaß haben. An sich war es auch sehr schön, wir haben viele verschiedenen Bühnen abgecheckt und von den diversen kulinarischen Angeboten gekostet. Es war jedoch noch nicht all zu viel los, da die meisten Gäste erst am Freitag kommen sollten. Für uns aber kein Grund zur Langeweile, wir hatten trotzdem Spaß, auch wenn wir nicht so lange feierten wie an den Folgetagen.

Am Freitag wurde lange geschlafen bevor wir in einem netten kleinen Laden gefrühstückt haben. Anschließend ging es in ein Nile Resort, in welchem man abseits von klassischen Café-Aktivitäten auch per Seil in den Nil springen kann, um ein paar Runden im kühlen Nass zu drehen. Aufgrund des an diesem Tag eher bewölkten und regnerischen Wetters hatten wir da jedoch weniger Lust drauf, so dass wir größtenteils Karten gespielt haben. Schließlich haben Helene, Varun, Adrian und ich uns jedoch entschlossen, trotz Regen in einen anliegenden Pool zu springen, was auch ganz schön war, solange man nicht außerhalb des Wasser war. Durch das Wetter war mittlerweile Pullover und lange Hose angesagt, die Momente beim Abtrocknen und sich wieder anziehen waren daher nicht unbedingt die schönsten.
Abends sollte das Wetter jedoch besser werden, so dass wir mit voller Energie wieder zum Festival gingen. Ähnlich des Vortages wurde viel getanzt, gegessen, getrunken und gefeiert, viele Bekannte getroffen und neue Freundschaften geschlossen. Es waren auch merklich mehr Menschen da, was den allgemeinen Vibe auch nochmal verbessert hat. Das Nyege Nyege Festival ist ein äußerst diverses Festival. Auf den unterschiedlichen Bühnen wird Afrobeats, Techno, Reggae, Pop, Gospel und noch weiteres gespielt, es gibt internationale Kulinarik zum Testen, viele Spiele werden angeboten und es gibt große Bereiche für andere Kunstformen abseits der Musik. Das Angebot war echt bombastisch, so dass man manchmal auch überfordert war, weil man alles sehen und erleben wollte. Diesmal blieben wir daher auch bis in die frühen Morgenstunden, so dass wir uns bei den ersten Sonnenstrahlen auf den Weg ins Bett machten.

Am Samstag haben wir bis ca. 14 Uhr geschlafen und nachdem wir langsam in den Tag gestartet sind, entschieden für uns für ein Restaurant in welchem ich einen erneuten Anlauf in meinem persönlichen Projekt, eine gute Spaghetti Carbonara hier zu finden, in Angriff nahm. Tatsächlich war ich positiv überrascht. Zwar war es nicht wirklich die italienische Spezialität, aber die Nudeln in Sahne-Schinken-Sauce kam dann doch mit Abstand am nächsten im Vergleich zu dem, was ich bisher bekommen habe. Beim Warten haben wir noch ein wenig Karten gespielt, da gerade in größeren Gruppen man doch relativ viel Zeit hat zwischen der Bestellung bis zum eigentlichen Eintreffen des Essens. Anschließend wurde sich jedoch nochmal hingelegt, um mit viel Kraft in den letzten Festivalabend zu starten. Auch diesmal wurde wieder alles gegeben und noch mehr getanzt als die letzten Tage und einfach die Zeit nochmal komplett genossen. Diesmal ging es nur so bis vier/fünf Uhr morgens.

Lange schlafen war allerdings nicht angesagt, da wir am nächsten Morgen um etwa 10:30 Uhr auschecken mussten. Das hat allerdings auch alles gut geklappt, und nach einem letzten Frühstück in Jinja hieß es zum einen Abschied nehmen von einigen Menschen und zum anderen auf den Weg zu den Taxibussen zu machen, um zurück nach Kampala und von dort weiter nach Kigali zu fahren. Was die großen Reisebusse für internationale Reisen an Komfort bieten, fehlt den kleinen Taxibussen allerdings komplett. Die Fahrzeuge, bei denen man sich fragt, wie sie überhaupt noch fahren können, haben die Größe von einem klassischen VW Bulli, in welchen etwa 13 Fahrgäste passen. Man kann sich denken, dass Beinfreiheit oder Platz im generellen absolute Fremdwörter und Mangelware sind. Zum Glück haben wir jedoch lediglich knappe zwei Stunden für die Fahrt nach Kampala gebraucht, so dass ich meine Beine kurz vorm Absterben bewahren konnte. In Kampala ging es dann weiter zum Bus Terminal, an welchem ich mich von Eva, Enja und Varun verabschiedete. Ursprünglich war geplant, dass auch ich schon über Nacht nach Kigali fahre, hab mir jedoch noch einen Abend in Kigali gegönnt, wenn man schonmal da ist, sollte man es auch bis zum letzten Rest ausreizen. Helene kam später erst mit anderen Freunden nach Kampala, uns so haben wir kurzerhand entschlossen, erst am Montag nach Kigali zu fahren. Nach dem Verabschieden bin ich dann weiter zur Wohnung von Wiebke und Paul gefahren, und mit Erstgenannter ging es tatsächlich nochmal ins Sushi-Restaurant vom Montag. Alles solide soweit, bei der Heimfahrt habe ich jedoch doch noch Kontakt mit der (k0rrupt3n) Polizei gemacht. Obwohl es absolut üblich ist, mit zwei Leuten auf einem Boda zu fahren, ist es offiziell verboten. In der Regel wird dem nicht nachgegangen, wenn jedoch zwei Weiße auf einem Boda gesehen werden, wittern die Polizisten das gute Geld. Und so war das schließlich auch bei uns. Wir wurden an einer Kreuzung raus gewunken uns mussten dem Beamten in ein kleines Kabuff folgen. Dort wollte er unbedingt unsere Reisepässe sehen und spielte sich logischerweise als der große Mann auf. Nach ewigem hin und her, was ich hier mache und so weiter, wollte er dann, dass wir ihm und seinen Kollegen Tee kaufen. Wiebke hat ihm schlussendlich 30K Ugandische Schilling (7,50 €) gegeben und wir konnten weiter. Wohlgemerkt zu zweit, auf dem selben Boda. Das sagt im Prinzip schon alles aus. Zuhause angekommen wurde nicht mehr viel gemacht und es ging relativ schnell ins Bett, am nächsten Tag stand immerhin die lange Heimreise an.

Apropos: Am Donnerstag in dieser Woche sind wir mittlerweile schon drei Monate hier. Das ist dann doch schon eine kleine Zeit, 25 % Prozent um genau zu sein. Die Zeit geht hier unten einfach so schnell rum, und zukünftig wird das wahrscheinlich noch mehr. Und gerade die letzte Woche hat gezeigt, was die nächsten Monate hier noch zu bieten haben. Wir freuen uns. 

Die Perle Afrikas

Woche 13: 04.11. - 10.11.

Der Montag startete noch relativ ruhig, was sich im Laufe der Woche jedoch stark ändern sollte. Nach der Arbeit, bei der nichts außergewöhnliches passiert ist, ging es mit den üblichen Leuten ins Macoco zum gemeinsamem Abendessen. Am Dienstag ging es dann mit einigen Arbeitskollegen auf einen Field Trip, welcher uns an diverse Orte in Kigali gebracht hat. Dabei ging es um Standorte für neue Baumpflanzungen, um bspw. Erdrutsche zu verhindern, kühlende Bereiche für das städtische Mikroklima zu schaffen oder neue Baugebiete mit grünen Bereichen zu bestücken. Ein langer, aber spannender Tag. Der Mittwoch war wieder etwas ruhiger und ist als klassischer Arbeitstag zu betiteln. Abends habe ich dann Bustickets für das folgende Wochenende gebucht, aber dazu später mehr.

Am Donnerstag ging es mit nahezu dem ganzen Kigali-Staff zu einem großen Event in den Ngororero District im Nordwesten von Rwanda. In der Nähe war ich bereits bei einem anderen Projekt in der Vorwoche. Dort wurde bei einem größeren und schon länger laufenden Projekt der Anfang der Tree Planting Season gefeiert, bei dem neben ARCOS auch weitere Organisationen anwesend waren. Bei einem größeren Dorf wurden dabei Bäume gepflanzt, Reden gehalten und gemeinsam gegessen. Auch wurde ein Theaterstück gespielt, welches die Notwendigkeit des Projektes im Mittelpunkt hatte, dieses aber sehr humorvoll darstellte. Um das ganze Büro (ca. 40 Leute) dorthin zu bekommen, wurden drei Busse gemietet. Während die Hinfahrt relativ ereignislos verlief, war die Rückfahrt um einiges amüsanter. Dort bin ich mit lediglichen fünf weiteren Kolleg:innen in den Bus gestiegen und zu lauter Musik und guter Stimmung haben wir in den drei Stunden Rückfahrt getanzt, gesungen und gelacht. Teilweise kam ich mir vor wie in einer gemieteten Limousine bei einem Junggesellinnenabschied. Einfach schön.

Der Freitag sollte dann etwas länger werden. Nach dem obligatorischen Sprachkurs ging es zum Mittagessen ins Macoco nochmal etwas essen, denn abends stand Helene und mir eine lange Fahrt bevor: der langersehnte Trip nach Uganda, auch „Perle von Afrika“ genannt. Unser Plan war zuerst einige Tage in Kampala, der Hauptstadt von Rwandas Nachbarland, bei unseren Freunden und Mitfreiwilligen von artefact zu verbringen, bevor es weiter nach Jinja geht, ebenfalls Freunde treffen und das Nyege Nyege Festival besuchen.

Abends um acht ging es schließlich los mit unserer Fahrt in einem großen Reisebus wie man es auch in Europa kennt. Dies war an und für sich ohne große Probleme, lediglich ein etwas korpulenter Mann direkt hinter uns hat mit seinem lauten Schnarchen durch die Nacht begleitet und den Schlaf erschwert. Nach etwa zehn Stunden Fahrt sind wir aber schließlich in Kampala angekommen, aufgrund der Zeitverschiebung war es bereits sieben Uhr morgens. Netterweise wurden wir von Adrian abgeholt, welcher uns in Wiebkes und Pauls Wohnung gebracht hat, unser Domizil für die nächsten Tage. Auf der Fahrt dahin hat man bereits große Unterschiede zwischen Kigali und Kampala gemerkt. Zum einen ist es ganz normal, mit zwei oder sogar drei Gästen auf einem Boda (Motorradtaxi) zu fahren, und das auch ganz ohne Helm. Zum anderen wurde schnell deutlich, wie viel krasser die Stadt in fast jeder Hinsicht ist. Es ist voller, lauter, stressiger, einfach „mehr“ von allem. Eine absolut irre Stadt, welche viel mehr dem Bild einer stereotypischen „afrikanischen“ Stadt, wie man es als Europäer vielleicht hat, entspricht, als das im Verhältnis doch eher ruhigere und geordnetere Kigali. Der Eindruck hat sich in den folgenden Tagen auch weiter bestätigt.

In der Wohnung angekommen und nach einer herzlichen Begrüßung der anderen anwesenden Leute wurde sich erstmal hingelegt, um etwas Schlaf nachzuholen. All zuviel war das jedoch auch nicht, da wir Mittags erst in ein kleines Café frühstücken und anschließend nach Downtown wollten, um uns die Stadt anzugucken, auf den Markt zu gehen und einfach Uganda in uns aufzusaugen und zu erleben. Und auch hier wurde abermals deutlich, wie viel chaotischer, hektischer und größerer Kampala einfach ist. Wir haben schon viel davon gehört, aber natürlich ist es aufregend, das schließlich auch selbst zu erleben. In der Innenstadt angekommen haben wir diverse Obstsorten gekauft, uns modisch neu versorgt und durch die Stadt treiben lassen. Auch haben wir frittierte Heuschrecken probiert und anschließend gekauft, ein kleiner Snack, der geschmacklich Ähnlichkeiten mit KFC-Hühnchen aufweist. Sehr schön war da ein kleines Gespräch von Helene, mir und einer Marktverkäuferin, welche ursprünglich aus Rwanda kommt und momentan zum Arbeiten in Uganda ist. Als wir uns dann ein wenig auf Kinyarwanda unterhalten haben, hat sich diese Sprache, Kigali und Rwanda extrem wie Zuhause angefühlt und ich hab gemerkt, wie toll ich diese Stadt, das Land und mein Leben hier mag. Gerade dieses Gefühl, dorthin zu gehören, hatte ich in dieser Form dort zum ersten Mal. Ein schönes, warmes Gefühl der Geborgenheit irgendwie. Nachmittags ging es wieder zurück, ein wenig ausruhen, denn abends stand natürlich der nächste Punkt auf dem Programm.

Zuerst ging es mit bereits genannten aber auch weiteren Freiwilligen sowie deren local Freunden ins Kabalagala, dem ugandischen Pendent zu unserem Macoco. Dort haben wir lecker gegessen, Bierchen getrunken und Billard gespielt. In den nahezu drei Monaten, die ich bereits aus Deutschland fort bin, passieren jeden Tag so viele Dinge, dass die meisten Sachen komplett normal sind. Ich versuche mich daher darin, mir wieder mehr der teilweise doch skurrilen Situationen bewusst zu werden. So auch beim Abendessen im Kabalagala. Dieses sehr traditionelle Lokal befindet sich halbwegs versteckt in einem kleinen Hinterhof bzw. einer kleinen Stichstraße. Da die Toilette nur bedingt zu empfehlen ist, hab ich einen der local Freunde nach einem passenden Ort gefragt. Wir sind darauf los, um einen Block weiter vor einer Schranke zu stehen. Dort bewachte ein Guard mit Maschinengewehr den Eingang, meine Begleitung überreichte im 2000 ugandische Schilling (ca. 50ct), und der Guard nahm mich mit in ein kleines Treppenhaus, in dem eine Toilette zu finden war. Und es war von vorne bis hinten ganz normal. Nachts um elf in einer fremden Stadt in einem fremden Land von einem höchstbewaffneten, geschmierten Typen in einen weiteren Hinterhof neben einem Casino auf Toilette begleitet zu werden. Diese Erfahrungen und kleine Geschichten die man hier sammelt sind einfach besonders. 
Nun aber weiter im Text. Nach dem Stärken für den Abend ging es ins Safari Maze zu einer Pre-Nyege Nyege-Party. Ein sehr interessanter Abend, bei dem wie so oft viele neue Menschen, neue Musik, neue Kultur und weiteres kennengelernt wurde. Das war so amüsant, dass es um etwa fünf Uhr morgens in den nächsten Club ging, in welchem wir aber nicht all zulange blieben. Um sieben Uhr morgens ging es noch in einen dritten Club, der einfach mal 24/7 geöffnet hat. Da dies jedoch meine mittlerweile zweite Nacht in Folge mit kaum bis gar kein Schlaf war, blieb ich nicht mehr lange und fuhr ich nach kurzer Zeit bereits nachhause.

Der Sonntag bestand größtenteils aus bisschen ausruhen, rumdösen und quatschen. Es ist einfach schön, wieder alte Freunde zu treffen und sich über Gott und die Welt auszutauschen. Hinzu kam, dass Helene und ich noch keine ugandische Nummer und daher kein Internet hatten. So hatten wir zwei Tage größtenteils digital detox, was auch einfach sehr angenehm war und uns noch mehr das Gefühl nach einer Auszeit aus dem Alltag und Urlaub gegeben hat. Abends haben wir noch eine Runde Fußball auf einem angrenzenden Platz gespielt, bevor es ab ins Bett ging.

Hohe Berge, Deutsche Botschaft

Woche 12: 28.10. - 03.11.

Dem klassischen Start am Montag folgte ein anstrengender Dienstag. Ich bin früh aufgestanden, um bereits um sechs Uhr morgens am Büro zu sein und meine Kollegen Janvier und Charles zu treffen. Zu dritt ging es los in den Ngororero District im Westen von Kigali. Die Fahrt hat etwa drei Stunden gedauert, insbesondere am Anfang in den frühen Morgenstunden war das Wetter angenehm kühl und die Straßen schön leer, so dass die Fahrt eine willkommene Tour durch Rwanda darstellte. Am zwischenzeitlichen Ziel angekommen, haben wir uns mit weiteren Kolleg:innen von ARCOS selbst und Partnerorganisationen getroffen und sind anschließend über 30 Minuten auf absoluten Feldwegen und Pisten über Hügel und Berge gefahren, um bei unserem ersten Halt für den Tag anzukommen. Diese Strecken sind wirklich heftig, trotz Geländewagen mit Allradantrieb und guter Federung wird man durchgeschüttelt wie sonst was, während sich der Wagen die Strecken hochkämpft. Das Schöne dabei ist abermals dieser unbeschreibliche Ausblick auf die anderen Berge, die Felder und die überall verteilten Häuser und Dörfer. Teilweise hat das etwas von einer Art Miniaturwelt, die man von weiter weg begutachtet. 
Mit einer Gruppe von etwa zehn Leuten sind wir schließlich beim ersten Halt an den Hängen der Berge entlanggelaufen, um uns Bananenplantagen und Felder mit anderen Früchten bei den dortigen Kleinbauern anzugucken und mit diesen zu reden, inwiefern Fortschritte zu spüren sind. Letzteres fand logischerweise auf Kinyarwanda statt, so dass mein Anteil an dem Gespräch abseits meiner Vorstellung gen Null tendierte. Das war aber auch okay, denn diese sehr steilen Hängen, bei denen man teilweise fast die Hände dazu nehmen musste, sowie die knallende Sonne haben mich auch schon so außer Puste gebracht, so dass ich Zeit zum durchschnaufen hatte. Dieses Prozedere haben wir an einigen weiteren Stellen weiderholt, so dass wir schlussendlich über acht Stunden mit Wandern, Klettern, Reden, Gucken und vor allem Schwitzen beschäftigt waren. Am Ende des Tages gab es noch einmal eine große Versammlung in einem Dorf, bei welcher wir die Ehrengäste waren. Es wurden einige kurze (was in diesem Land eigentlich nie stattfindet) Reden gehalten, und dann ging es für uns auch schon ins Hotel, da zwei Tage bei diesem Field Trip eingeplant waren. In meinem Zimmer angekommen habe ich mich erstmal ins Bett geschmissen und am liebsten wäre ich auch einfach bis zum Morgen liegen geblieben. Doch natürlich gab es noch Abendessen und Janvier hat für uns alle jeweils Tilapia bestellt, einen großen Süßwasserfisch, welcher hier gerne verspeist wird. Gegessen haben wir diese traditionell mit unseren Händen, was sehr gut und wahrscheinlich auch besser als mit Besteck geklappt hat. Der Fisch war jedoch so groß, dass ich zu kämpfen hatte, alles aufzuessen. Ich bin schließlich auch schnell ins Zimmer, um mich von diesem Tag zu erholen und für den nächsten genug Kraft zu haben.
Das hat dann allerdings auch nur mit Abstrichen funktioniert, da ich unglaublichen Durst hatte, es verdammt heiß war und ich nicht wirklich schlafen konnte. Irgendwann habe ich dann sogar aus dem Hahn getrunken, was man eigentlich nicht machen sollte, aber mein Durst war unerträglich.
Am nächsten Morgen bin ich daher leicht gerädert zum Frühstück gekommen und auch während des ganzen Tages war ich manchmal leicht neben der Spur, wirklich schlimm war es jedoch nie. Der Tag ähnelte dem vorherigen, wir sind wieder auf Berge gefahren und anschließend gelaufen, diesmal jedoch nicht in so extremen Weisen. Da wir wirklich abseits von Städten und „mitten im Nirgendwo“ waren, reagierten viele Dorfbewohner:innen auch mit großen Augen, als sie mich sahen. Ich würde mir wiedermal anmaßen, die erste weiße Person seit mindestens einigen Jahren dort gewesen zu sein. Die Reaktionen und Blicke waren zu Beginn meist sehr zurückhaltend und verwundernd, nachdem ich jedoch einige Sätze auf Kinyarwanda gesagt habe schwand die Reserviertheit aber großer Freude und Lachen. Es ist einfach immer wieder schön mitzuerleben. An diesem Tag waren wir bereits um 16 Uhr soweit fertig, dass wir wieder zurück nach Kigali fahren konnten. Um etwa 19 Uhr war ich schließlich zuhause und ging ohne größere Umstände ins Bett.

Doch auch diese Nacht konnte ich wegen Hitzewallungen, Durst und Magenkrämpfen kaum schlafen. Vielleicht war es die viele Sonne mit den Anstrengungen, vielleicht der Fisch mit der interessanten Würzung, vielleicht aber auch meine Erfrischung am Wasserhahn in der Nacht davor - wie auch immer, mir ging es so dreckig, dass ich mich am nächsten Tag sogar auf der Arbeit krank gemeldet hab. Dabei hätte ich eh nur den halben Tag im Büro gebracht, denn nachmittags stand ein neues Highlight auf dem Programm: eine Einladung der Deutschen Botschaft in Kigali.

Jedes Jahr veranstaltet die Botschaft im Herbst einen Empfang, zu dem alle aktuellen Freiwilligen eingeladen werden. Also hab ich mich aufgerafft, schick gemacht (sogar mit Fliege!) und bin mit Helene zur Lokalität gefahren, in welcher das diesjährige Treffen abgehalten wurde. Abseits der Freiwilligen waren logischerweise die Botschafterin selbst sowie einige Angestellte der Botschaft anwesend. Nach knappen Reden zu Beginn gab es ein Buffet und einige Tische, so dass man mit allen ins Gespräch kommen konnte, so denn man denn wollte. Wie auch in den vergangenen Jahren kamen an diesem Donnerstag etwa 45 Freiwillige zusammen. Die meisten kannte ich zwar schon, dennoch waren auch neue Gesichter unter den Gästen. Meine ursprünglich große Motivation auf den Abend legte sich dann auch schnell, ich glaube mein Bedarf an Deutschen hier ist wahrlich gedeckt. Nach dem Empfang ging es noch in die WG von den ASC-Leuten für eine Hausparty, bei welcher ich jedoch nicht allzu lange blieb. Mein Bett und die Ruhe zuhause war dann doch zu verlockend, immerhin war ich gesundheitlich doch noch etwas angeschlagen.

Freitag war wie gewohnt Sprachkurs. Die Fahrt von uns Zuhause dorthin dauert jedoch gut und gerne mal 30 Minuten und da sich am Vormittag die Regenzeit von ihrer besten Seite zeigte, kamen Helene und ich klitschnass dort an. Tatsächlich war es der erste Tag, der auch wirklich kalt war. Nach der Stunde bin ich schnell nach Hause, habe mir eine lange Jogginghose und einen Pulli angezogen und habe gemütlich im Bett dann Serien geguckt und den Tag so verbracht.

Samstag war dann wieder etwas aktiver, nachmittags bin ich mit Eva, Varun und Laurenz Tennis spielen (das erste in meinem Leben, ist tatsächlich echt spaßig) gewesen, bevor wir uns abends in einer größeren Runde in der Wohnung von Eva und Enja getroffen haben, um erstens Lasagne zu kochen und zweitens Evas Braids aufzuknüpfen. Letzteres hat auch gute acht Stunden gedauert, obwohl eigentlich immer mindestens drei Leute gleichzeitig zu Gange waren. Der Sonntag war dann wieder ein absolut fauler Tag, welcher viel mit schlafen, dösen und Serien schauen zu tun hatte. Im Prinzip ein ideales Ende für eine dann doch sehr aufregende und bewegende Woche.

Viva la Kigali

Woche 11: 21.10. - 27.10.

Ruhig in die Woche gestartet und nach langen Arbeitstagen ging es am Dienstagabend mit Helene in einer der oft vorhandenen Milchbars. Ein großes kulinarisches Angebot gibt es dort nicht, im Prinzip kriegt man einen aus einem gigantischen Fass abgezapften halben Liter Milch im Glas und bei Bedarf noch ein einfaches Törtchen oder Amandazi (eine Art Mutze/Quarkbällchen). Sehr simpel, aber sehr lecker, da es zwar überall Milch zu kaufen gibt, diese jedoch immer behandelt und haltbar ist. Für einen vollmundigen, frischen Geschmack muss man sich daher in jene Etablissements bewegen. Anschließend ging es noch weiter zu Freunden, Fußball gucken.
Donnerstag war abends endlich der Karaokeabend angesagt, den wir seit Wochen machen wollten, es aber irgendwie nicht geschafft haben. Mit einigen Freunden ging es daher in eine Rooftop Bar, so dass wir bei herrlichem Ausblick über Kigali zu verschiedensten Lieder trällern konnten. Natürlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, einige Stücke zum besten zugeben, so dass Elvis, Coldplay, John Travolta uvm. durch den Nachthimmel schallten. Sehr schön soweit, jedoch war die Erfahrung überraschenderweise anders als in deutschen Karaokebars, da tatsächlich nur kaum mitgesungen wurde und generell die positive, unterstützende Stimmung nicht wirklich da war. Das hat uns trotzdem nicht gestört und wir hatten jede Menge Spaß.

Am Freitag ging es abends auf eine Hausparty von der Näherin von Eva und Enja, bei der wir vielen Rwandern Rage Cage und Flunkyball beigebracht haben. Generell ein feuchtfröhlicher Abend mit wie so oft vielen neuen Leuten, vielen Lachern und interessanten Gesprächen. Samstag wurde entspannt angegangen, ich hab viel in der Hängematte gelegen und das Wetter bei Hörspielen und Podcasts genossen. Abends ging es mit einigen Leuten ins Macoco, unserem Stammrestaurant vor Ort mit traditionellen und sehr preiswerten Speisen.
Der Sonntag war im Prinzip ein freier Tag, wie er im Buche steht. Erst wurde ein wenig ausgeschlafen, dann bei Sonnenschein und gutem Wetter Helenes Banana Pancakes mit frischer Mango und Honig gefrühstückt, anschließend bin ich zu Helena gefahren, um auf dem neusten Gossip-Stand zu bleiben bevor es zu Esperance ging Volleyball spielen, bevor der Tag mit selbstgemachten Pesto und interessanten Gesprächen endete. Ein rundum gelungener Tag, einfach herrlich. So war ich wunderbar erholt, um in die neue Woche zu starten…

Der ganz normale Alltag 2

Woche 10: 14.10. - 20.10.

Die Woche ist wie gewohnt erstmal etwas gemächlicher gestartet, sowohl auf der Arbeit als auch sonst. Mittlerweile hab ich allerdings das Gefühl, dass ich manchmal die Stadt besser kenne als einige Moto-Fahrer. Gerade auf dem Weg zur oder von der Arbeit stehe ich oftmals in der Rush Hour, die die eigentlich kurze Fahrt auf über 30 Minuten strecken kann. Das ist aber vor allem der Fall, wenn die Motos die Hauptverkehrsstraßen nehmen, auf denen nur Stau herrscht. Überall gibt es kleine Nebenstraßen, die völlig frei sind. Ich muss mal schauen, wie ich den Fahren sagen kann, dass es noch alternative Wege gibt, denn so ist es einfach sehr nervig und anstregend.

Des Weiteren kam endlich die ersehnte Einladung der deutschen Botschaft in Kigali. Es ist üblich, das im Oktober jedes Jahres alle deutschen Freiwilligen in Rwanda in die Botschaft eingeladen werden und so noch weiter Kontakte geknüpft werden können. Wir haben uns gefragt, wann die Einladung wohl kommen mag. Ich schätze mal, dass aufgrund der Marburg-Virus-Situation im Land erst diverse Aspekte beachtet werden mussten, nun aber wohl alles geklärt ist.

Am Mittwoch haben Helene und ich bei uns zuhause ein paar Freunde zum gemeinsamen Kochen eingeladen, was auch sehr schön war. Donnerstags war mit einem Spieleabend dann sofort die nächste abendliche Beschäftigung bei geplant, allerdings wurde trotz diverser Mitbringsel nichts gespielt. Vielmehr wurde sich gegenseitig auf die neuesten Gossip-Stände gebracht, außerdem ging der Friseursalon „Haartefact“ in seine nächste Runde.

Der Sprachkurs ist die Woche aufgrund Vorsichtsmaßnahmen ausgefallen, Helene und ich haben den verregneten Morgen daher ganz in Ruhe mit den Katzen auf der Couch gestartet. Mittags ging es dann allerdings in die Stadt zum Shoppen (wir haben jetzt ENDLICH einen Pfannenwender und einen Stabmixer), bevor wir abends in die WG von Mitfreiwilligen gefahren sind, um den wenige Tage vorher besprochenen Star Wars-Filmmarathon zu starten. Für mich ging es tatsächlich aber schon nach Episode 1 wieder woanders hin, da ich ebenfalls der kleinen Hausparty bei Rio und Luisa zugesagt hatte. Dort wurde noch ein wenig getanzt und wir haben versucht, Chrispin und Idrissa, zwei local Volunteers, Polka, Discofox und Walzer beizubringen, was mal mehr, mal weniger gut geklappt hat.

Samstags haben wir uns mit einigen Leuten bei Eva und Enja getroffen, um erneut zu quatschen, Karten zu spielen und Brownies zu backen. Ein sehr ruhiger und chilliger Tag. Mit dem gleichen Vibe war auch der Sonntag versehen, hier wurde aber noch viel über unsere Pläne bezüglich Weihnachten und Silvester diskutiert. Mal sehen, was jetzt final entschieden wird.

In der Kuchenbäckerei

Woche 9: 07.10. - 13.10.

Die ersten ersten Tage habe ich damit verbracht, Präsentationen vorzubereiten und zu halten. Zielgruppe sind die sogenannten Südfreiwilligen, also Ruander:innen, welche demnächst für ein Jahr nach Deutschland gehen, um ein Freiwilligenjahr zu absolvieren. Ziemlich genau wie ich, nur eben andersrum. Dabei habe nicht nur ich Vorträge gehalten, sondern auch Helene und weitere deutsche Volunteers. Die Präsentationen gingen allesamt über verschiedene Themen in Deutschland, so dass wir unter Anderem über ÖPNV, Supermärkte, Lebensumstände, Politik und Jahreszeiten geredet haben. Aufgrund von vielen Rückfragen hatten wir einen stundenlang Austausch, was sehr viel Spaß gemacht hat. Insbesondere, weil man Aspekte vorstellt, die einem selbstverständlich vorkommen, wie bspw. die Unterschiede zwischen Sommer und Winter oder welche Münzen und Scheine es im Euro gibt.

Freitag galt es nach dem Sprachkurs einen Großeinkauf zu machen, da abends bei Helena und Thomas ein gemütliches Beisammensein geplant war. Zuerst gab es im kleineren Kreis schöne Spaghetti Bolo, später dann wieder Pizza mit den anderen. Aufgrund des Marburg-Virus wollten wir die nächsten Wochen erstmal nicht mehr klassisch feiern gehen, sondern uns eher privat treffen. 
Samstag war erstmal nichts angesagt, was sehr entspannt war. Meistens sind die Tage doch sehr lang und anstrengend, und einfach mal nix machen ist da schon eher eine Seltenheit. Nachmittags ging es allerdings los, Kuchen backen für Kathi. Sie feierte in ihren Geburtstag am Sonntag rein, und da darf ein Geburtstagskuchen natürlich nicht fehlen. Aufgrund fehlender Zutaten sowie Küchenutensilien hab ich zwar offiziell nach Rezept gebacken, zu großen Teilen wurde aber stark nach Gefühl und mit viel Improvisation das Werk vollbracht. Gefeiert wurde in Rio und Luisas Wohnung, da Kathi nicht in Kigali wohnt, sondern nur an den Wochenenden hier hinkommt. Die Party war ein großer Erfolg würde ich sagen, über 30 Leute sind gekommen und eine schöne Zeit miteinander verbracht. Wie üblich wurde viel getanzt, gelacht und gequatscht. Tatsächlich ging es bis zum morgen, so dass wir zum ersten Mal einen richtigen Sonnenaufgang erlebt haben. Ein sehr schöner Moment. Um kurz nach sechs lag ich dann aber auch im Bett. Mittags ging es mit Kater noch zum Brunch mit einigen Freunden, um nochmal Kathi zu feiern und anschließend das Wochenende in der Hängematte ausklingen zu lassen.

Apropos Kater: ein kleiner Nachtrag zu letzter Woche. Die Kibagabaga-WG hat ein neues Mitglied. Damit Megatron sich alleine nicht langweilt, haben wir eine weitere Katze bekommen, die wir feierlich Von Mautzen getauft haben. Zu Beginn haben die beiden sich zwar viel gekabbelt, nach wenigen Tagen fingen sie aber bereits an, miteinander zu kuscheln. Es ist einfach sehr schön nach Hause zu kommen und von beiden empfangen zu werden.

Vampire und Urlaub

Woche 8: 30.09. - 06.10.

Diese Woche wurde das Büro saniert, so dass Home Office angesagt war. Da wir jedoch kein WLAN zuhause haben, tendierten meine Arbeitsmöglichkeiten gegen Null. Wirklich viel Freizeit hatte ich jedoch nicht, da ich die ersten Tage mit rotem Hals und laufender Nase nur im Bett oder auf der Couch lag und mich auskurierte. Helene war ebenfalls gesundheitlich etwas angeschlagen, so dass die Woche bei uns in Kibagabaga gemächlich startete. Dennoch gab es in der Zeit mit anderen Freiwilligen häufige und hitzige Situationen, wie wir mit der Situation des Marburg-Virus umgehen sollen, da die Fallzahlen zwar langsam, aber dennoch stetig stiegen. Die Lage ist zwar noch entspannt, aber wie wir alle in den letzten Jahren gelernt haben, kann sich das jederzeit mit unbekannten Auswirkungen ändern und das gesellschaftliche sowie private Leben auf den Kopf stellen. Insbesondere bei so einem gefährlichen und tödlichen Virus. Wir standen daher auch mit der deutschen Botschaft in Kontakt, welche jedoch noch entspannt auf die Umstände blickt. Wir werden sehen wie es weiter geht.

Dem eher ruhigen und fast schon langweiligen Anfang der Woche sollte das genaue Gegenteil folgen. Helene, Helena, Varun und ich wollten endlich mal Laurenz in Rusizi/ Cyangugu (die Älteren erinnern sich: Dort in der Nähe war ich in Woche drei bereits mit der Arbeit) besuchen und so einen kleinen Mini-Urlaub machen. Um möglichst viel von diesem Wochenende zu haben, insbesondere durch die stundenlange Hin- und Rückfahrt, haben wir uns dazu entschlossen, den Bus am Freitag um zwei Uhr morgens zu nehmen. Auf diese Weise würden wir morgens um 9 ankommen und hätten den ganzen Tag noch vor uns. So in etwa hat das auch geklappt, die Fahrt allerdings war (jedenfalls für mich) echt nicht angenehm. Zwar hatte ich kein Problem mit Reiseübelkeit, aufgrund der engen Sitze und diversen Taschen und Rucksäcken hatte ich jedoch keinerlei Bewegungsfreiraum. Da wir auch ohne Pause durchgefahren sind, saß ich daher sieben Stunden in der exakt gleichen Position, ohne mich bewegen zu können. Selbst die Füße hatten lediglich einen Spielraum von 2-3 Zentimetern. Nach spätestens fünf Stunden taten Gelenke, Füße, Hintern und sonstwas alles weh. Auch Schlafen war trotz der Tageszeit aufgrund der genannten Umstände kaum möglich. Dennoch war das alles bei Ankunft schließlich vergessen und die Freude auf das Wochenende überdeckten die grauen Erinnerungen an die Fahrt.

Bei strahlendem Sonnenschein stiegen wir schließlich erleichtert aus dem Bus aus und wurden von Laurenz nach einer kleiner Fahrt mit dem Moto in Empfang genommen. Er zeigte uns seine Wohnsituation und unsere Zimmer, bevor wir aufbrachen zu seiner Einsatzstelle. Laurenz arbeitet in einem Zentrum für körperlich und geistig beeinträchtigte Kinder. Dort haben wir Physiotherapeuten und Schwestern kennengelernt, aber auch die Kinder und ihre Mütter. Sprachlich konnten wir uns zwar nur rudimentär verständigen, was uns jedoch nicht davon abgehalten hat, mit ihnen zu tanzen. Das ist schließlich universal und international.
Anschließend sind wir etwas in die Stadt gefahren und haben in einem Restaurant zu Mittag gegessen. Auch wenn ich meine Zweifel hatte, wollte ich unbedingt einmal Spaghetti Carbonara ausprobieren, die Mahlzeit, die mich durch mein ganzes Studium gebracht hat. Ich habe zwar nur wenig erwartet, wurde dennoch maßlos enttäuscht. Im Prinzip war mein Gericht eine große Portion Spaghetti, welche gewürzt waren wie klassische chinesiche Bratnudeln, auf welcher drei Streifen Hühnerbrust gelegt wurden bevor sie mit ein wenig Cheddar überbacken serviert wurde. Immerhin hat es satt gemacht.

Nach dem Restaurantbesuch waren wir auf diversen Märkten schlendern. Dabei haben wir eine Ananas, Passionsfrüchte, Bananen und eine Wassermelone für das Abendessen zuhause gekauft. Wieder zurück gab es erstmal eine Runde Mittagsschlaf, die Nacht ist schließlich dann doch nicht spurlos an uns vorbeigegangen. Nachmittags wurde bei einer kleinen Weinschorle noch über Gott und die Welt geredet, unter anderem auch über das Wochenende und was wir so machen werden. Abends ging es dann in eine Bar an den Hängen des Kivusees und haben die nächtliche Schönheit des Sees sowie die Lichter des angrenzenden Kongos genossen. Zu Fuß auf dem Rückweg, wir wollten eigentlich nur ein kleines Gruppenfoto machen, hielt plötzlich ein Auto neben uns am Straßenrand an. Heraus stieg ein Mann, den wir am Tag schon kurz bei Laurenz Einsatzstelle kennengelernt haben. Zuerst dachten wir, wir würden ihn falsch verstehen, auf Nachfrage stellte sich jedoch heraus, dass wir ihn schon beim ersten Mal richtig verstanden haben: Er ist ein Mörder und möchte uns umbringen, außerdem sei er noch ein Vampir. Die Situation war sehr skurril, das Gespräch überaus merkwürdig und komisch. Es war von ihm wohl eine ganz eigenartige Form des Humors und der Konversation. Wir hatten zwar nicht direkt Angst, ungewöhnlich und befremdlich war das ganze jedoch schon. Irgendwann konnten wir ihn abwimmeln und sind weiter nach Hause gegangen.

Am nächsten Morgen, als wir die Früchte vom Vortag und Rührei frühstückten, kam der Mann jedoch wieder und quatschte mit uns. Wir hatten zu dem Zeitpunkt allerdings keinen Bock mehr auf den Dude, dass wir uns auch deutlich zu erkennen gegeben haben, keinen Kontakt mit ihm zu wünschen. Als es etwas lauter und auch leicht handgreiflich wurde, hat er es dann schlussendlich auch eingesehen. Es ist schwer, diese Momente in Worte zu fassen, wenn man nicht dabei gewesen ist. Jedenfalls sind wir nun mal wieder um eine sehr spezielle Erfahrung reicher.

Nach dem Frühstück sind wir los Richtung Kivusee, da wir dort gerne eine kleine Bootstour machen wollten. Da Rwanda und insbesondere Rusizi jedoch nicht auf dem touristischen Level der Nachbarländer ist, haben wir jedoch kein klassisches Bootstourunternehmen gefunden. So sind wir auf eigene Faust los und sind schließlich an einen kleinen Hafen gekommen, wo Schiffe be- und entladen, Schweißarbeiten und sonstige Aktivitäten durchgeführt wurden. Als die dortigen Arbeiter uns sahen, kamen dutzende zu uns und wollten wissen, wieso da fünf Weiße auf einmal sind. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, an diesem abgelegenen, industriellen Ort die ersten „Mzungus“ seit Jahren zu sein. Nach kurzen Gesprächen und Verhandlungen haben wir ein kleines Holzboot gefunden, mit welchem wir für ein wenig Geld über den See schippern konnten. So sind wir ca. eine Stunde übers Wasser gepaddelt und haben die Zeit genossen.

Nach dem Bootsausflug stand das eigentliche Highlight auf dem Programm. Da aufgrund von möglichen Krankheiten dringlich davon abgeraten wird, in Rwanda in Gewässern zu schwimmen, wir jedoch ein starkes Verlangen nach dem kühlen Nass hatten, haben wir uns dazu entschlossen, in ein nahes Hotel zu fahren und dort etwas in den Pool zu gehen. Als wir dort ankamen haben wir uns gefühlt wie die Schönen und Reichen in Monaco. Präzise, saubere Architektur, Eleganz und Design in allen Sachen, ein schöner Pool mit wahnsinnigem Ausblick über den See und den Kongo und und und. Wir waren so geflashed von dem ganzen „Luxus“, bis uns nach einiger Zeit und nachdem wir die ersten Eindrücke verarbeitet hatten auffiel, dass es im Prinzip einfach ein ganz normales, europäisches Hotel ist. Objektiv betrachtet war es tatsächlich nichts allzu besonderes, es zeigte uns jedoch einfach nochmal die dann doch starken Unterschiede von Deutschland und Rwanda. Nichtsdestotrotz haben wir die Zeit dort genossen, waren im Pool, haben Beachvolleyball gespielt und getrunken und gegessen. Das hat zwar für hiesige Verhältnisse viel gekostet, aber man gönnt sich ja sonst nichts. Immerhin war es ja auch als Urlaub angedacht. Satt, müde und glücklich sind wir anschließend eine knappe Stunde nach Hause gelaufen, da keine Motos mehr gefahren sind.

Am Sonntag haben wir Obst, Rührei und selbstgemachtes Naan gefrühstückt und sind mittags um eins zum Busbahnhof, um wieder zurück nach Kigali zu kommen. All zu Spannendes ist auf der Rückfahrt nicht passiert, lediglich ein weiteres Vorkommnis mit dem White Privilege: Irgendwann wurden wir von einem Polizisten mit Gewehr rausgewunken und alle, abgesehen von uns Deutschen, mussten den Bus verlassen damit der Beamte diesen kurz durchsuchen kann. Die ganze Sache war nach zwei Minuten fertig und es kam einem nach einer ganz normalen Situation vor, dennoch wurden wir mal wieder extra behandelt, was sich wirklich nicht gut anfühlt.

Um 21 Uhr waren wir schließlich wieder in Kigali, fuhren nach Hause und sind schnell ins Bett.

Willkommen in der Regenzeit

Woche 7: 23.09. - 29.09.

Auch diese Woche startete ohne nennenswerte Ereignisse, der Montag war ein klassischer Office-Tag. Dienstag allerdings ging es spontan raus auf einen Field Trip, wobei dieser daraus bestand, mit einigen Kolleg:innen diverse Orte in Kigali anzufahren, um dort über die Neuanpflanzung von Bäumen zu reden. Da jedoch sehr lange in Kinyarwanda über die Art, Anzahl und exakte Positionierung diskutiert wurde, stand ich größtenteils nur daneben und musste die Koordinaten der Orte in einer GPS-App markieren. In den sechs Stunden, die der Trip dauerte, habe ich so sechs mal aufs Handy getippt. Wie effizient das nun war, das ich extra dafür mitgekommen bin, sei mal dahingestellt, aber so konnte ich mal wieder neue Ecken von der Hauptstadt entdecken. Abends sind Helene, Helena und ich noch in ein kleines Kulturcafé gefahren, da dort an diesem Tag ein Brettspielabend angesetzt war. Wie üblich haben wir auch dort neue Bekanntschaften getroffen, Mensch ärgere dich nicht und Uno gespielt (es gab sogar eine deutsche Monopoly-Version (vielleicht nächstes mal)) und die Kunstwerke begutachtet, die dort ausgestellt waren.

Am Mittwoch ging ich nur halbtags zur Arbeit, da ich nachmittags nochmal in das Immigration Office musste, um meine Resident ID zu beantragen. Diese ist zwar nicht für meinen Aufenthalt hier notwendig, ermöglicht aber unter Anderem viele finanzielle Vorteile in kulturellen Bereichen. Der Vorgang auf dem Amt hat mich jedoch sehr in die bekannte Asterix-Szene „Passierschein A38“ erinnert, da ich jedes mal von Schalter zu Schalter laufen musste, um fehlende Formblätter und ähnliches zu bekommen. Schlussendlich hat jedoch alles funktioniert und war abgesehen der Rennerei nicht problematisch.

Nach dem Sprachkurs am Freitag stand ein ganz besonderer Termin an: die Kastration von Smirnoff, Helenas Katze. Dafür sind zwei Ärzte zu ihr nach Hause gekommen, wir haben den großen Küchentisch desinfiziert und in den Hof getragen und den beiden Ärzten bei ihrer Arbeit mehr oder weniger zugeguckt, je nach dem wie viel wir ertragen konnten. Nun ist es so, dass ich nicht weiß, wie diese Standardprozedur in Deutschland durchgeführt wird, das Vorgehen kam mir jedoch ein wenig martialisch vor. Smirnoff wurde betäubt und schließlich an allen vier Pfoten und auf dem Rücken liegend an den Tisch gebunden. Soweit so gut, hätte sie trotz Narkose nicht mehrmals miaut und sich versucht zu winden. Wohlgemerkt, während ihr Bauch aufgeschnitten und in ihr hantiert wird. Trotz dieser sehr brutalen Bilder und Töne hoffe ich einfach, dass die Narkose dennoch stark genug war, sodass es ihr lediglich wie leichtes Kitzeln vorkam oder sie sich während der ungewohnten Pose bewegen wollte. Jedenfalls hoffen wir alle das. Nach gut einer Stunde war die OP auch vorbei, und jetzt einige Tage später sieht es so aus, als ob alles gut verlaufen ist. 

Ansonsten bestand das Wochenende wie üblich zu großen Teilen aus Ausschlafen, Clubbesuchen und dem Zusammensein mit Freunden. Samstagabend gab es zudem noch eine riesige Pizza-Back-Session bei Helena und Thomas (sie haben einen Ofen!!), zu der viele Leute kamen und eine schöne Grundlage für das spätere Abdancen lieferte.

Als wir Sonntag mittags im kleinen Kreise Mittags etwas essen gehen wollte, fing es jedoch zum ersten mal in dieser Regenzeit richtig an zu Schütten und zu Stürmen. Dieser stundenlange Regen , welcher kein Vergleich zum deutschen Regen ist, hat uns im Café regelrecht gefangen gehalten. An sich ist das zwar kein Problem, jedoch wird auf diese Weise ein Großteil des Verkehrs lahmgelegt, da das Fahren mit Motos oder das Zufußgehen schlichtweg nicht möglich ist. Schlussendlich haben wir uns dann dazu entschieden, ein Taxi zu rufen, was etwa das dreifache eines Motos kostet, und sind auf diese Weise nach Hause gekommen.

Zudem gab es ab Sonntag erstmals richtige Berichte über das Marburg-Virus. Es klingt zwar schlimm und lässt an Corona erinnern, ich denke und hoffe aber mal, dass ich es nicht nochmal in diesem Blog erwähnen muss. Mal sehen, was die Zukunft noch so bringt…

Schere, Schuhe, Sonnenschein

Woche 6: 16.09. - 22.09.

Wieder einmal stand eine Woche voller Arbeit an. Bis Mittwoch war ich noch mit meinen aktuellen Aufgaben beschäftigt. Die Karten, an denen ich hauptsächliche sitze, sind mittlerweile jedoch fertig geworden. Es gab großes Lob vom Kollegium und der Chefetage und ich bin auch sehr froh drum, nach drei Wochen damit fertig zu sein und was Neues machen zu können. Allzu spannend war das jetzt nicht. 
Dienstagabend wurde sich dann bei Esperance (der Schule, an der einige von uns ihre Einsatzstelle haben) getroffen um die Fußball-Champions League zu gucken. Wir waren locker 15+ deutsche und local Volunteers. Immer wieder schön, alle zu sehen.


Donnerstag ging es endlich wieder ins Feld. Mit einigen wenigen Kolleg:innen sind wir nach Rulindo, einem Sektor etwa 1,5 Stunden nördlich von Kigali gefahren. Dort haben wir mit verschiedenen Schulleitern und Dorfvorsteher:innen gesprochen, um über die Arbeit von ARCOS zu informieren. Bei den Schulen geht es insbesondere um Bildungsarbeit und Aufklärung über Umwelt und Klimawandel, bei den kleineren Dörfern eher um konkrete Projekte zur Bewältigung der Umstände und Gefahren, die die Erderwärmung mit sich bringt. Dabei entspricht es jedoch nicht ganz der Wahrheit, wenn ich sage, „wir“ haben mit den Menschen gesprochen. Ich stand meistens nur dabei und habe nett gelächelt, während sich die anderen auf Kinyarwanda unterhalten haben. Dennoch war es sehr schön, da ich auf diese Weise wieder neue Winkel und Menschen von Rwanda kennengelernt habe. Eine Sache habe ich an diesem Tag jedoch vernachlässigt, meinen alten Erzfeind: die Sonne. Obwohl es die meiste Zeit bewölkt war, habe ich nach mehreren Stunden doch Sonnenbrand auf Armen, Gesicht und Nacken bekommen. Auch ich mich in den bisherigen sechs Wochen gerade mal dreimal eingecremt habe, war dies meine erste rote Haut in Rwanda. In der Regel ist man dann doch oft in Gebäuden, unter Vordächern, im Schatten von Bäumen oder aufgrund der vielen Wolken vor der Sonne geschützt. Meine vier Liter Sonnencreme aus Deutschland dürften also länger halten, als ich vor der Reise angenommen habe. Sehr praktisch.

Freitag war wie gewohnt wieder Sprachkurs, diesmal mit dem Schwerpunkt „Deklination“, immerhin gibt es im Kinyarwandischen 13 Fälle. Bis ich die alle drauf habe, dauert es sicherlich noch etwas. Anschließend ging es nochmal nach Hause, Süßkartoffelbrei mit Tomatensoße und Spiegelei essen, bevor es los ging zum Feiern mit einigen Volunteers. Wir haben uns für den Cadillac Club entschieden, welcher zwar sehr teuer, dafür aber auch echt schlecht war. Die Location ansich ist zwar ansprechend, jedoch waren wir die einzigen dort. Das hatte zwar den Vorteil, dass wir den DJ überreden konnten, „Cordula Grün“ abzuspielen, wirklich Stimmung kam jedoch nicht auf. Als ich vorgeschlagen habe, einfach eine Hausparty bei einem von uns zu machen, änderte sich dies jedoch schlagartig. Eva und Enja waren die glücklich Auserkorenen, bei denen diese dann stattfinden sollte. Also alle auf Motos drauf, nochmal schnell nen Kasten Bier und ne Flasche Schnaps gekauft und schon wurde ein erinnerungswürdiger Abend daraus.

Der Samstag bestand bei mir erstmal aus Auschlafen und Auskatern. Gegen Mittag wurde dann jedoch auch mal aufgestanden, da ich um 14 Uhr ein Treffen mit Akinet hatte. Akinet ist ein Local mit indischen Wurzeln, welcher befreundet ist mit einigen Vorfreiwilligen. Nachdem wir uns schon mehrmals verabredet hatten, jedoch immer wieder etwas dazwischen kam, waren wir sehr froh uns endlich mal kennenzulernen. Anschließend ging es für mich weiter mit Helene, Laurenz und Co. in ein Café und schließlich in ein Restaurant. Abends stand jedoch noch etwas anderes, schon lange Geplantes auf dem Programm: Haare schneiden. Viele von uns waren seit Deutschland nicht mehr beim Friseur und insbesondere bei mir wurde die Mähne einfach viel zu viel. Wir haben uns in unseren Hof auf zwei kleine Hocker gesetzt, Kamm, Schere und Rasierer in die Hand genommen und beim Schein einer Stirnlampe geschnippelt was das Zeug hält. Das ganze Prozedere hat zwar einige Stunden gedauert, doch ich finde, das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Der Sonntag ist wieder ruhig gestartet, mittags ging es jedoch los, Schuhe kaufen. Dabei haben wir gerne die Hilfe von Jerome, einem local Volunteer und Freund, angenommen, da wir ohne seine Orts- und vor allem Preiskenntnisse ziemlich aufgeschmissen und am Ende des Tages deutlich ärmer wären. Dennoch haben wir eine Menge Geld in der Stadt gelassen, da wir zudem noch Kopfhörer, Uhren und weiteres eingekauft haben. Die Preise der ganzen Markensachen (natürlich nur original ;) ) sind einfach sehr verlockend. Mit vollen Tüten ging es also wieder nach Hause, ausruhen und Kopf frei machen für eine weitere Woche südlich des Äquators.

Der erste Monat

Woche 5: 09.09. - 15.09.

Die ersten Tage dieser Woche waren sehr ruhig. Auf der Arbeit ging alles seinen gewohnten Lauf, ich saß viel am Laptop und habe mit Excel-Tabellen und Afrika-Karten hantiert. Abends ging es mit anderen Volunteers in Cafés oder ich habe zuhause mit Helene und Megatron auf der Couch gechillt. Donnerstag Nachmittag konnte ich dann ins Immigration Office, mein Visum für das Jahr abholen. Bislang hatten wir lediglich das Touristenvisum, welches wir bei Ankunft am Flughafen bekommen haben und nur ein Monat gültig ist. Nun, mit einem Arbeitsvisum, darf ich ein Jahr bleiben. Anschließend ging es für mich mit Janvier und Joel, zwei Arbeitskollegen, zu einer dritten Arbeitskollegin, welche vor kurzem Zwillinge bekommen hatte, um sie und ihren Mann zu beglückwünschen. Ein sehr schöner Abend, insbesondere durch den Gedanken, dass es dort neben mir zwei weitere Menschen gibt, die Kigali und die Kultur Rwandas ganz frisch kennenlernen.

Am Freitag stand wie üblich wieder der Kinyarwanda-Sprachkurs an, diesmal haben wir das bereits Gelernte wiederholt und uns mit diversen Verben beschäftigt. Bei Vollbesetzung des Sprachkurses sind wir etwa 16 Personen, so dass es auch immer ein schönes wöchentliches Meet-Up mit den meisten deutschen Volunteers ist, um sich zu sehen und auf den neuesten Stand zu bringen. Abends ging es mit einigen deutschen und local Volunteers ins „Top Chef“ feiern. Als wir dort ankamen, waren wir jedoch etwas stutzig, da dort erst eine Unterhaltungsshow stattfand. Drei Stunden saßen wir also da und haben Tänze, Gesangseinlagen und Sketche beobachtet. Sehr interessant und skurril, manchmal auch sehr witzig, soweit wir etwas verstehen konnten. Um 00:00 Uhr ging es schließlichh los mit der klassischen Clubnutzung. Der Abend war schon ganz okay, die vergangenen Locations haben den meisten von uns jedoch besser gefallen.

Der Samstag ist auch erstmal ruhig gestartet, bevor wir Helene und ich uns um die Mittagszeit mit vielen anderen Volunteers zum Volleyball getroffen haben. Zuerst wurde Deutschland vs. Rwanda gespielt, danach dann gemischt. Das haben wir das bis zum Abend gemacht und uns ausgepowert. Anschließend sind wir zwei dann wieder nach Hause, haben einen Großeinkauf gemacht und die Wohnung aufgeräumt, da später noch einige Freunde vorbeikamen, um den Abend ausklingen zu lassen. Ein angenehmer, toller Samstag.

Am nächsten Tag haben wir uns mit acht Leuten zum mittlerweile rituellen, sonntäglichen Brunch getroffen. Nachmittags ging es zum All African Independent Film Festival 2024 (AAIFF). Nach erfolgreichen, mehrjährigen Veranstaltungsreihen in Europa und Asien war es das erste auf dem afrikanischen Kontinent. Zwar war die Besucherzahl erschreckend gering, dennoch oder gerade deswegen konnte man sich noch mehr auf die gezeigten Filme einlassen. Die größtenteils 20-minütigen Kurzfilme waren sehr verschieden in ihrer Cinematography, fast alle hatten jedoch sehr ernste Aspekte wie Gewalt gegen Frauen, Chancenungleichheit oder Unterdrückung als Thema. Nach den Vorführungen gab es Abends die große Preisverleihung. Es war ein bemerkenswerter und inspirierender Tag und ich hoffe, dass das Festival in den nächsten Jahren an Relevanz und Größe stark zunimmt. Die Künstler:innen, Regisseur:innen, Schauspieler:innen und wer sonst noch alles dazu gehört haben mit ihrer tollen und einzigartigen Kreativität und Ausdrucksweise eine sehr viel größerere Bühne verdient. Obwohl es kleine, independent Filme waren, stehen sie ihren großen Geschwistern aus Hollywood in nichts nach.

Bemerkenswerte Anekdote: Wie so oft hat man hier das „White Privilege“ gespürt. Das Festival hat ganz normal Eintritt gekostet, uns vier Weißen wurde jedoch sofort angeboten, ein VIP-Badge zu bekommen. Diese tragen nur die Organisatoren oder die Filmschaffenden. Wir mussten mehrmals vehement ablehnen, dass wir das nicht möchten. Sowas in der Art passiert relativ häufig, und auch wenn es natürlich nett gemeint ist, ist es jedes Mal ein komisches Gefühl. Wir wollen nicht aufgrund unserer Hautfarbe noch mehr hervorgehoben und privilegiert werden als ohnehin schon.

Um 21 Uhr waren Helene und ich dann wieder zuhause und haben uns mental auf die kommende Arbeitswoche vorbereitet. Und tatsächlich sind wir an diesem Sonntag bereits einen Monat in Rwanda. 1 von 12 ist somit „geschafft“. Die Zeit kommt einem sehr lang und gleichzeitig extrem kurz vor. So viel wurde in den letzten Wochen erlebt, dutzende Menschen wurden kennengelernt, viele neue Freunde getroffen, ein neues Land und eine neue Kultur entdeckt. Von grandioser Guacamole über atemberaubenden Landschaften zu Kakerlaken in den eigenen vier Wänden ist jeder Tag aufs Neue eine Freude hier zu sein. Ich freue mich extremst auf die nächsten Monate und das, was noch kommen mag. Immerhin war das jetzt gerade mal der Anfang.

Der ganz normale Alltag

Woche 4: 02.09. - 08.09.

Am Montag ging die Arbeit für mich so richtig los, nachdem die Vorwochen eher aus Meetings und Busfahrten bestanden haben. Nach Besprechung, an welchen Projekten und Aufgaben ich am besten helfen kann, wurde mir die selbstgewählte Aufgabe zu Teil, verschiedene Karten über Rwanda und den afrikanischen Kontinent zu erstellen. Wesentliche Bestandteile sind geographische Aspekte wie Gebirge und Flüsse oder Gebiete, in denen Arcos bereits Projekte durchgeführt. Mit diesen Aufgaben war ich dann auch größtenteils die Arbeitswoche beschäftigt, abgesehen von einem Meeting, in welchem unter anderem über die Meetings der vorherigen Wochen gesprochen wurde. Montagabend ging es dann zur WG der ASC-Leute (einer anderen Entsendeorganisation aus Deutschland), um die Alt-Volunteers zu verabschieden und die Neuen Willkommen zu heißen. Wie üblich wurde viel getanzt, gesungen und Bierchen getrunken.

Mit nur vier Stunden Schlaf ging es Dienstag auf die Arbeit, und ähnlich wie auch der Mittwoch und Donnerstag ist an diesem Tag tatsächlich kaum etwas nennenswertes passiert. Ich merkte, wie der Alltag langsam Einzug hält. Nach den aufregenden ersten drei Wochen, an denen an jedem Tag irgendwas Neues, Interessantes oder Anstrengendes passiert ist, war diese Ruhe jedoch auch mal eine willkommene Abwechslung. Donnerstagabend gab es auf der Arbeit noch eine "Happy Hour", ein kleines Zusammenkommen von allen im Head Office zu Essen, Getränken und Gesprächen. Dort habe ich als kleines Mitbringsel auch kleine Haribo-Tüten verteilt, welche großen Anklang fanden. Später ging es noch zu einem etwas größeren Treffen von uns deutschen Volunteers, an welchem ein Geburtstag gefeiert wurde.

Freitag wurde dann ein wenig ausgeschlafen, bevor der Haushalt gemacht wurde und wir zu unserer ersten richtigen Kinyarwanda-Stunde gefahren sind. Gelernt haben wir vor allem Zahlen sowie bestimmte Wörter, die wir den Motofahrern sagen können. Anschließend ging es zur Stärkung in die Blackout-Lounge und schließlich ins Molato, einer Bar bzw. einem Club. Ein schöner, feuchtfröhlicher Abend sollte folgen, an welchem wie gewohnt viel getanzt, gelacht und getrunken wurde.

Der Samstag war dann bei Helene und mir ein klassischer Nichts-Tag. Es wurde lange geschlafen, rumgedöst und auf der Couch Zeit verplempert. Erst abends haben wir die Wohnung verlassen um etwas zu essen und mit den anderen Volunteers ne kleine Runde zu bowlen sowie Karten zu spielen. 
Der Sonntag war ebenfalls ruhig gehalten, mittags wurde sich mit Allen zum Brunchen getroffen, nachmittags ging es für einige von uns auf den Markt in Kimironko, auf welchem ich endlich einen großen Wäschekorb gekauft habe. Der hat mir bisher sehr gefehlt. Den Abend habe ich mal wieder mit Mac’n’Cheese ausklingen lassen, bevor ich recht früh ins Bett bin, um mit großem Elan in die neue Woche zu starten.
 

Eine lange Fahrt

Woche 3: 26.08 - 01.09.

Am Montag war dann mein erster richtiger Arbeitstag bei Arcos nach den Meetings der Vorwoche. Wobei der Begriff „Arbeit“ dabei gestrichen werden kann. Morgens um neun Uhr war ich da, hab aber im Prinzip den ganzen Tag nur darauf gewartet, etwas zu machen. Es wurde die ganze Zeit gesagt, dass es „gleich“ ein Meeting für mich gibt um meine Aufgaben zu sprechen. Dieses wurde am Ende des Tages auf nächste Woche verschoben, so dass ich tatsächlich acht Stunden im Büro war und absolut nichts gemacht habe, außer Wasser zu trinken. Allerdings wurde mir am Nachmittag noch angeboten, dass ich am nächsten Tag eine Exkursion mit Workshops an den Kivusee mache, welche bis Freitag geht. Dem habe ich natürlich zugestimmt, und so ging es Dienstagmittag ab in den kleinen Reisebus mit dem Ziel Richtung Westen. Die Straßen sind dabei ganz gut ausgebaut, die Fahrweise des Fahrers mit dauerhaften Beschleunigen und Abbremsen ist jedoch gewöhnungsbedürftig. Aufgrund der starken Topographie Rwandas und damit einhergehenden Serpentinen haben wir für eine Strecke von 270km so acht Stunden gebraucht. Als wir in Rusizi angekommen sind, gab es noch ein kleines Abendessen bevor es dann langer, anstregender Reise ins Bett ging. Das Hotel war sehr schön, lange nicht mehr in einem so luxuriösen Bett geschlafen.

Mit einem wunderschönen Blick auf den Kivusee bin ich schließlich am folgenden Tag aufgewacht und nach einem leckeren Frühstück (es gab sogar Cornflakes!) fuhren wir los zu unserem Meetingraum in der Nähe. Dort trafen auch Kolleg:innen aus anderen Nachhaltigkeits-Organisationen aus Rwanda und sogar Burundi und der Demokratischen Repubik Kongo (DRC) ein, so dass es wieder eine Menge Leute zum Kennenlernen und Austauschen gab. Insgesamt waren wir etwa 35 Menschen. An diesem Tag gab es, wie auch sonst, sehr viele Vorträge und Präsentationen. Dieses mal allerdings nicht mehr auf Kinyarwanda, sondern auf Französisch, so dass ich zwar nicht alles, aber genügend verstehen konnte. Abends ging ich mit Kolleg:innen noch etwas in die Stadt auf einen Markt, sie wollten Schuhe kaufen und ich mir so etwas mehr von Rwanda ansehen. Dieser Markt war ein mehrstöckiges Haus, in welchem auf jedem Geschoss eine andere Art von Ware angeboten wurden. Wir gingen also in den dritten Stock, dem „Schuh-Stock“. Dort waren alle Wände und Decken mit Schuhen behangen, was ein sehr interessantes Bild erzeugte. Es wimmelte überall von Menschen und wie so oft lagen alle Blicke auf mir. Wahrscheinlich, weil Weiße sonst eher selten in diesen Bereichen unterwegs sind. Ich hatte dort auch ein Gespräch mit einem Jungen, 18 Jahre alt, der seinem Vater beim Verkaufen der Schuhe hilft. Eigentlich wolle er Physik studieren, da er sich sehr für den Weltraum interessiert. Man hat die Hoffnung in seinen Augen gesehen, es irgendwann auch zu machen, doch zeitgleich eine realistische Einschätzung, dass das höchstwahrscheinlich nichts wird und er in die Fußstapfen seines Vaters tritt. Ein sehr trauriges Gespräch, was mich ein wenig mitgenommen hat. Diese Hoffnung gepaart mit der Verzweiflung und Realität hat mich noch einige Zeit in Gedanken verfolgt. Anschließend ging es zurück ins Hotel und ins Bett.

Auch der Donnerstag fing wie der Vortag an mit Präsentationen, diesmal allerdings nur bis zum Mittagessen. Anschließend sind wir in den Bus gestiegen, um uns zwei Projekte anzugucken, die geplant bzw. schon umgesetzt wurden. Dafür sind wir etwa eine Stunde aufs Land gefahren, zuerst auf ausgebauten Straßen, die letzte halbe Stunde auf ruckeligen Feldwegen und Lehmpisten. Als wir im ersten Dorf ausgestiegen sind war es wirklich nochmal ein anderes Bild als in Kigali. Während man in der Hauptstadt zwar angeguckt wird, ist das eher ein beiläufiges „Ach guck mal, ein Weißer“ und nur selten mehr. Hier jedoch hatte ich wirklich das Gefühl, ich wäre der erste Weiße, den die Menschen hier sehen. Ich wurde absolut angestarrt, Menschen haben ihre Aufgaben unterbrochen, um zu mir (und natürlich auch meinen local Kolleg:innen) zu kommen. Es war wie in einem Western, wenn der Bösewicht in eine Stadt reitet und alle Augen auf ihn gerichtet werden. Nur mit dem Unterschied, dass hier die Kinder nicht weggeschickt und ich hoffentlich nicht als Bösewicht gesehen wurde. Denn insbesondere die Kinder versammelten sich in einer Traube um mich und haben freudig gelacht, wenn ich ihnen zugewunken oder sie auf Kinyarwanda begrüßt habe. Bei dem Projekt in bzw. in der Nähe dieses Dorfes geht um einen geplanten Staudamm in einem Tal, um Rwanda, Burundi und die DRC mit Strom zu versorgen. Anschließend sind wir etwa zehn Minuten zum nächsten Dorf gefahren, wo eine Art Baumschule für verschiedene Arten von Pflanzen angelegt wurde. Hier wurden wir mit Gesang und Tanz begrüßt, was wirklich sehr schön war. Dennoch hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, alle Blicke lagen auf mir mit dem Gedanken „Ah, jetzt ist ein Weißer da, jetzt wird alles gut“. Ein sehr komisches, unschönes Gefühl, insbesondere da wir als deutsche Volunteers auch hier sind, um das Bild des „White Saviours“ und Stereotype zu widerlegen. Dennoch war es ein Erlebnis, dass ich wohl nie vergessen werde. Danach ging es zurück ins Hotel, in welchem wir bei Lagerfeuer und Bierchen den Abend haben ausklingen lassen.

Freitag morgens ging es dann wieder in den Bus, zurück nach Kigali. Bei der Fahrt (dieses mal nur sieben Stunden, weil wir einen anderen Weg gefahren sind) saß ich unentwegt am Fenster und habe mir diese atemberaubende Landschaft angesehen. Es ist einfach unbeschreiblich, wie schön dieses Land ist. Aufgrund der unzähligen Hügel hat man so eine Tiefe in den Aussichten, die ich auf diese Weise noch nie gesehen habe. Ich habe andauernd Fotos und Videos gemacht, doch natürlich kommt das Gefühl nichtmal ansatzweise rüber. Die ganze Landschaft und Atmosphäre wird leider nicht wiedergegeben, dieses Ausmaß an purer Schönheit und Vollkommenheit wird auf das mindeste reduziert. Dennoch zeige ich natürlich gerne einige Fotos, um wenigstens eine Ahnung von dem Land zu geben.
Abends bin ich dann mit Helene und Co. Etwas in die Stadt gegangen, um in Kneipen und Clubs zu gehen. War soweit auch ganz schön und haben, wie sollte es anders sein, mal wieder neue Leute kennengelernt.

Der Samstag war dann relativ ruhig, Helene und ich haben aufgeräumt, die Wohnung geputzt und waren einkaufen, denn abends sollte eine große Einwiehungsparty von unserem Haus stattfinden. Dazu haben wir neue, alte und local Volunteers eingeladen. Mit etwa 30 Leuten haben wir schließlich gefeiert. Es war ein sehr schöner, ausgelassener und lustiger Abend. Die Rwander haben uns ihre Musik und Tänze beigebracht, wir haben Udo Jürgens und Peter Fox gespielt. Absolutes Highlight: Das gute alte Fliegerlied. Wie die Locals darauf abgegangen sind, nachdem wir den Tanz gezeigt haben, war einfach wunderschön. Ich glaube, besserer kultureller Austausch ist kaum möglich.

Sonntag war dann auskatern und aufräumen angesagt, bevor es nachmittags nochmal losging, vier neue deutsche Volunteers (Anni, Charlotte, Solvej und Tobi) kennenlernen. Abends haben Helene und ich dann Mac’n’Cheese gemacht, ein wenig Soulfood. So lecker das Essen hier auch ist, aber ab und zu hat man mal keine Lust auf Reis und Bohnen. So ging auf jeden Fall eine sehr spannende und lehrreiche Woche zu Ende.

Home Sweet Home

Woche 2: 19.08. - 25.08

Montag und Dienstag ging das On-Arrival-Seminar weiter. Am 20.08. haben wir vier dann jeweils unseren persönlichen Mentor kennengelernt. Dieser ist bei unserer Einsatzstelle in der Regel unser erster Ansprechpartner. In meinem Fall ist das Theodore, mit dem ich auch einige gemeinsame Projekte habe und das Büro teile.
Am selben Tag konnten Helene und ich dann endlich in unsere eigene Wohnung, die allerdings am anderen Ende der Stadt im Bezirk Kibagabaga liegt. Mit dem Moto können das gerne mal an die 30 Minuten dauern, um nach Kamuhoza, Luisas und Rios Wohnort, zu gelangen. Da die Wohnung eine gänzlich neue ist, die artefact mietet, war sie zu Beginn auch noch restlos leer. Mit uns kamen daher gleich auch unsere Möbel an, die Domy am Vortag für uns ausgesucht und gekauft hat. Abgesehen von einem Regal und Bett für jeden von uns gab es eine Küchenzeile, ein weiteres Regal, eine Couch und einen Couchtisch. Im Verhältnis mit den deutschen Lebensstandards ist das zwar sehr rudimentär, im Großen und Ganzen reicht das jedoch. Ein paar kleinere Regale für die Wände, ein richtiger Tisch mit Stühlen oder ähnlichen Sachen wären jedoch trotzdem noch wünschenswert. Mal sehen ob wir das noch organisiert bekommen. 
Die Wohnung an sich ist sehr stark. Wir haben einen schönen Wohn-/Essbereich mit Küche, zwei weitere Zimmer und sogar zwei Badezimmer. Mit heißen, funktionierenden Duschen! Das ist bei weitem keine Selbstverständlichkeit und wissen wir, wie man sich vorstellen kann, sehr zu schätzen. Das liegt unter anderem aber auch an dem Stadtteil. Kibagabaga kann man gut und gerne als Bezirk der Besserverdiener bezeichnen, wie Marienburg in Köln oder Blankenese in Hamburg. Teilweise sieht der Stadtteil, auch bedingt durch die Hanglage, absolut aus wie Beverly Hills. Geteerte, saubere Straßen, Palmen am Straßenrand und unglaubliche Villen. Gebäude, in denen ich niemals im Leben, egal wo, wohnen werden. Es ist wirklich sehr krass, ich muss gucken demnächst mal ein paar Bilder hochzuladen, um einen Eindruck zu ermöglichen die über den Text hier hinaus gehen.

Am Dienstag sind zudem nicht nur Helene und ich nach Kibagabaga gezogen, sondern auch Megatron. Megatron ist eine kleine, süße, etwa drei Monate alte Katze. Am Wochenende haben wir noch aus Spaß gesagt, wir hätten gerne eine Katze, und zwei Tage später meinte Domy nur „Wir holen jetzt eure Katze ab“. Und so kam Megatron in unser Leben. Und meine Güte ist sie süß. Wie Babykatzen nun mal so sind. Besonders erstaunlich war es, wie schnell sie sich an uns gewöhnt hat. Bereits am nächsten Tag ist Megatron bei uns auf dem Schoß eingeschlafen und folgt uns auf Schritt und Tritt. Erstmal aber noch nur innerhalb der Wohnung, um sich noch mehr an das neue Umfeld zu gewöhnen und die Bindung zu uns zu stärken.

Am Mittwoch gab es dann auch bereits meinen ersten Arbeitstag bei Arcos Network.Wobei „Arbeitstag“ eigentlich nicht das passende Wort ist. Als große NGO mit über 200 Mitarbeitenden veranstaltet Arcos zweimal im Jahr ein sogenanntes Staffmeeting, welches über mehrere Tage geht und alle Angestellten zusammenbringt. Da Arcos nicht nur in Kigali, sondern in allen Provinzen Rwandas und sogar in anderen Ländern Afrikas Projekte hat, ist dies wie eine Art Klassentreffen, bei denen alle zusammenkommen und alte Freunde und Kolleg:innen treffen kann. Während des Tages gibt es verschiedene Präsentationen und Vorträge über den aktuellen Stand von Arcos, generelle Fragen, neue Firmenausrichtungen und weiteres. Manches davon wird in Englisch vorgetragen, das meiste jedoch in Kinyarwanda. Mit anderen Worten, die meiste Zeit der Tage saß ich dort am Tisch und habe kein Wort verstanden. Am ersten Tag dennoch ganz interessant, wurde es spätestens am Donnerstag leider echt öde und langweilig. Dennoch habe ich viele neue Menschen kennengelernt und ein T-Shirt bekommen, zudem gab es gutes Essen, Donnerstag Abend sogar lecker Bierchen. In diesem Sinne sind es also doch gute Tage gewesen. Am Freitag wurde das ganze nochmal vergrößert, in dem alle Mitglieder von Arcos eingeladen wurden. Statt den gut 200 Leuten waren nun 1400 Menschen vor Ort. Eine riesige Anzahl. Wie so oft waren gerade dabei alle Augen auf mich mal wieder gerichtet, was gerade bei einer solch großen Halle wirklich ungewohnt war. Geholfen es zudem nicht, dass ich in die erste Reihe gesetzt wurde und bei einer Vorstellung sogar aufgerufen wurde, aufzustehen und einmal kurz Hallo zu sagen. Man kann sich vorstellen, dass ein gewisses Maß an Unwohlsein in mir aufging. Aber der Moment war immerhin nur kurz. Nachmittags bin ich ein wenig mit Helene und Luisa in einem schönen, kleinen Café gewesen, bevor es nach Hause ging. Auf dem Weg noch etwas Bier gekauft und einen gemütlichen Abend auf der Couch verbracht.

Am Samstag wurde lange ausgeschlafen bevor es zum Volleyball mit den deutschen und local Volunteers ging. Nachmittags sind Helene, Luisa, Kathi und ich zu zwei Spielen des Pre-Qualifying der Frauen-Basketballweltmeisterschaft 2026 gegangen. Gespielt haben England gegen Ungarn und Rwanda gegen Senegal. Rwanda hat leider am Ende sehr unglücklich mit drei Punkten verloren, obwohl sie zwischenzeitlich 14 Punkte Vorsprung hatten. Dennoch sehr schön. Das Stadion ist sehr modern, erst wenige Jahre alt. Auf den Außenringen gab es wie üblich einige gastronomische Angebote, unter anderem sogar einen Döner! Mit Ö! Hab ihn natürlich bestellt um ihn zu testen, bei der Frage, ob ich Ketchup oder Mayo als Sauce haben möchte wurde ich jedoch etwas stutzig. Hab nach weiteren gefragt, und das eheste, was im Angebot war und mir halbwegs okay vorkam, war dann leider eine Currysauce. Der Döner an sich war dann relativ klein und eher mau. Muss man nicht nochmal machen. Aber für 3,30 € findet man in Deutschland natürlich auch vergebens. Nach den zwei Spielen haben wir noch Helena und Laurenz getroffen, um das erste mal in einen richtigen Club zu gehen. Der Club war eigentlich ganz okay, allerdings gab es einen Fernseher an der Decke, in welchem der Trash-Film „Airplane vs. Volcano“ lief. Als ich das bemerkt habe, musste ich ihn einfach sehen. Leider wurde kurz vor Ende einfach umgeschaltet, aus mir unerfindlichen Gründen. Aber so ist das eben.

Der Sonntag war wieder sehr entspannt. Vormittags hab ich das erste mal Wäsche gewaschen (per Hand im Hof(, mittags haben wir für einige Freunde gekocht und abends ging es in die Blackout Lounge, ein wenig Karten spielen und weitere neue Menschen kennenlernen.

Muraho Kigali!

Woche 1: 14.08. - 18.08.

So, jetzt gings endlich los. Nach Wochen von Vorbereitungen, Verabschiedungen und Vorfreude hob der Flieger in Köln fast pünktlich ab. Nach einem Zwischenstopp in Istanbul kamen wir nachts um zwei Uhr in Kigali an. Unser Regionalkoordinator Domy und einer unserer Vorgänger, Felix, haben uns abgeholt und zur artefact-WG gebracht, in welcher schon seit einigen Jahren Volunteers wohnen. Hier leben für das nächste Jahr Luisa und Rio, Helene und ich sind in einer anderen Wohnung untergebracht, in welche wir die ersten Tage jedoch noch nicht reinkamen. Die Fahrt vom Flughafen zur Wohnung war kaum spektakulär, es war logischerweise sehr dunkel und wir sehr müde. Auf dem Weg zum Auto hat es jedoch angefangen zu regnen, woraufhin Domy nur meinte, wir sollen es als Segen Gottes für das kommende Jahr ansehen. Ein sehr schöner Gedanke.
Nach einer kurzen Nacht ging es am nächsten Tag dann das erste Mal richtig raus. Wir haben Felix zu seiner letzten Deutschstunde begleitet, in der er ruandischen Freiwilligen, welche nach Deutschland gehen, unterrichtet. Von der Wohnung zur Schule sind es etwa 20 Minuten Fußweg, so dass wir ein erstes Gefühl für die Stadt, besser gesagt die Stadtteile Kamuhoza und Kimisagara, bekommen konnten. Es war schon sehr krass, trotz aller Vorbereitungen und Erfahrungsberichte. Alle gucken einen an, wollen einem die Hand geben oder rufen „Mzungu“ hinterher, einem leicht despektierlichen Wort für „Weiße“. Schlussendlich hat man sich jedoch schnell dran gewöhnt, spätestens am Abend war es vollkommen normal. Auf dem Weg haben wir zudem einige Amandazi fürs Frühstück geholt, eine Art Mutze bzw. Quarkbällchen. Ganz lecker, vor allem wenn sie frisch und noch warm und fluffig sind.
Auf dem Schulgelände haben wir dann jede Menge Menschen kennengelernt, uns mit ihnen unterhalten sowie Deutsch gelernt. Auch einige der deutschen Volunteers, welche wie Felix im August bzw. September nach einem Jahr wieder nachhause fliegen, haben wir da zum ersten mal getroffen. Nachmittags gab es die erste Fahrt mit den Motos, den Motorradtaxen. Es war phänomenal, und ich habs sofort geliebt. Wird sich wahrscheinlich auch nicht mehr ändern. So haben wir dann eine Tour in die City gemacht, um diese kennen zulernen, Sim-Karten zu kaufen und etwas zu essen. Danach sind wir erstmal wieder nach Hause gefahren, bevor es abends erstmal in ein kleines Restaurant und anschließend zu einer Hausparty von den oben genannten Volunteers ging. Alles in allem ein sehr langer, aber unbeschreiblich schöner, aufregender und spannender Tag.


Der Freitag war etwas ruhiger. Wir haben bei kleinen Shops Brot, Avocados, Passionsfrüchte und weiteres Gemüse für das Frühstück gekauft. Und lecko mio sind die Avocados hier lecker. Simpel zu einer Guacamole vermengt und auf Brot gegessen ist das alles was man braucht um glücklich zu sein. Kein Vergleich zu den Früchten, die man in Deutschland bekommt. Klar, das ist nicht besonderes überraschend, irgendwie aber dann doch wenn man es zum ersten mal erlebt. Darüber hinaus haben wir zum ersten Mal Zuckerrohr gegessen, eine kleine Süßigkeit für zwischendurch, bei der man die Stangen erstmal gut schälen muss, bis man an die süße Flüssigkeit gelangt. Ansonsten war der Tag eher ruhig, abends ging es jedoch mit den deutschen sowie den ruandischen local Volunteers in die Havana Bar feiern. Sehr spannend und cool wie alle stundenlang abgehen und dauerhaft tanzen. Absolut mein Fall. 


Am Wochenende sind wir noch weiter in der Stadt rumgekommen, waren auf einem schönen, großen Markt in Kimironko und haben weitere deutsche Volunteers (Helena, Kathi, Laurenz und Thomas) kennengelernt. Zudem gab es am Sonntag das erste On-Arrival-Seminar mit Domy, in welchem wir die ersten paar Fetzen Kinyarwanda gelernt sowie über Do’s and Don'ts in der ruandischen Gesellschaft gesprochen haben. 

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